ALLRAD-NEWS

8Toyota RAV4 Plug-in-Hybrid: Kleiner, was bist du groß geworden
mid Groß-Gerau - Erker und Giebel: Die zerklüftete Frontpartie des Toyota RAV4 Plug-in-Hybrid wirkt etwas grimmig. Toyota
NEUHEITEN
Klaus Brieter - 21. Dezember 2020, 15:21 Uhr - 4x4 Allrad NEUHEITEN

Toyota RAV4 Plug-in-Hybrid: Kleiner, was bist du groß geworden

Für Kunden, die mit überschaubarem Aktionsradius häufig rein elektrisch unterwegs sein können, hat Toyota beim RAV4 noch einmal nachgelegt. Die Plug-in-Version ist seit Herbst 2020 lieferbar.


"Ist der nicht niedlich!" Als Toyota 1994 den ersten RAV4 als schnuckeligen Dreitürer in den Markt rollt, war dieser Ausruf durchaus angebracht: Ganze 3,70 Meter maß der Kurze in der Länge und konnte so praktisch "auf dem Handteller" umdrehen.

Als Kompakt-SUV startete er ein neues Marktsegment, das seine Konkurrenten erst mit Verzögerung entdeckten. Anders als Daihatsu und Suzuki, die bereits zu seiner Geburt schon längst kleine Geländewagen bauten, setzte Toyota beim RAV4 ohne Allradantrieb weniger auf Off-Road-Eigenschaften, denn auf Straßenkomfort.

In der aktuellen Fassung hat der RAV4 mit seinen 4,60 Metern Länge seit damals fast einen Meter zugelegt und muss sich hinter Audi Q3, BMW X3, Mercedes GLC und VW Tiguan kaum verstecken. Klar, dass es ihn auf Wunsch auch mit Allradantrieb gibt. Und ein Hybrid-Antrieb ist immer unter der Haube. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat jetzt die neueste Variante getestet, die seit Herbst 2020 verfügbar ist: den RAV4 Plug-in-Hybrid, den man zum "Tanken" auch an die Steckdose hängen kann.

Mit seinem modernen Design, das reichlich mit Ecken und Kanten garniert ist, zieht er erfolgreich die Blicke auf sich. Immer wieder ist zu erleben, dass Passanten bei ihm Halt machen und den Wagen neugierig umkreisen. Die nach hinten leicht ansteigende Fensterlinie, der Auslauf des Daches in einen Heckspoiler und die betonten Radhäuser geben dem RAV4 einen Kick ins Sportliche. Die abgesenkten Mundwinkel des Frontgrills wirken eher aggressiv als japanisch lächelnd.

Nach dem Einsteigen kann sich der Fahrer erstmal über ein aufgeräumtes Armaturenbrett freuen, da sich die Zahl der Schalter in überschaubaren Grenzen hält. Zumal viele Funktionen über das Multi-Media-System via Bildschirm aktiviert werden können. Gut: Es gibt noch griffige Drehregler für Klima und Lüftung sowie für die Lautstärke der Audiosignale. Schlecht: Einige wichtige Schalter - wie zum Beispiel für den Fernlicht-Assistenten - haben die Innenraum-Designer schlecht zugänglich vor dem linken Knie des Fahrers versteckt.

Klar gegliedert und gut ablesbar sind die wichtigsten Instrumente vor dem Lenkrad positioniert. Wer sich zumindest die Variante mit dem "Technik-Paket" gönnt, kann sich über ein farbig ausgestaltetes Head-up-Display freuen, das die relevanten Informationen in der Windschutzscheibe sichtbar werden lässt. Leider kostet dieses Ausstattungspaket rund 7.000 Euro mehr: Dafür sind dann unter anderem auch eine elektrische Heckklappe mit Fußbewegungssensor, ein opulentes Navigationssystem, ein "Toter-Winkel"-Warner und ein Rückfahrassistent serienmäßig an Bord.

Sonderlob gibt es für die großzügigen Platzverhältnisse. Selbst die Fondpassagiere erleben ein wohltuendes Raumgefühl. Ihnen ist es sogar vergönnt, die Beine ohne Verrenkungen übereinander zu schlagen. Auch bei der Kopffreiheit geizt der RAV4 nicht, selbst beim Ein- und Aussteigen müssen groß gewachsene Personen nicht damit rechnen, von einem schmerzhaften Kontakt mit dem Dachholm überrascht zu werden.

Perfekt klappt das Zusammenspiel zwischen Elektro- und Verbrennungsmotor. Im Normal-Modus startet der RAV4 immer elektrisch, sofern die Batterie genug "Saft" hat. Ist sie voll, sind nach der WLTP-Messmethode im rein elektrischen Fahrbetrieb sogar bis zu 75 Kilometer drin. Geht die elektrische Speicherenergie zur Neige, dann eilt der 2,5-Liter-Benzinmotor der Batterie zur Hilfe und übernimmt die Ladung sowie teilweise den Vortrieb, denn der zweite Elektromotor an der Hinterachse arbeitet immer autark.

Fein raus ist natürlich, wer eine Wallbox sein Eigen nennt und bei den täglichen Fahrten innerhalb des genannten Aktionsradius bleibt. Denn nur dann lassen sich die Prospektwerte zum Benzinverbrauch (1,2 l/100 km) wenigstens annäherungsweise realisieren. Geht es mit leerer Batterie auf Langstrecke inklusive Autobahn, dann klettert die Verbrauchsanzeige ohne Mühe schnell auf sechs Liter und mehr. Aber was ist das schon, wenn es der Wagen auf insgesamt 306 PS bringt?

Nach wie vor typisch ist der Gummiband-Effekt, zwischen Motor und stufenlosem Getriebe. Sobald der Gasfuß den Befehl zum Beschleunigen gibt, heult der Motor schlagartig in den höchsten Tönen nahe am Drehzahllimit auf. Und das selbst dann, wenn das Pedal nicht mit Macht bis zum Bodenblech durchgetreten wird. Offensichtlich ist die elektronische Getriebesteuerung des RAV4 noch nicht auf dem höheren Niveau des kleineren Yaris Hybrid angekommen, der mit dieser Situation wesentlich gelassener umgeht. Irgendwie wirkt der Benziner beim Beschleunigen meist gequält und dämpft lautstark den Komfort-Eindruck.

Immerhin glänzt das SUV, wenn es wirklich mal ganz schnell gehen muss, mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in sechs Sekunden. Trotzdem: Ein Sportwagen will der RAV4 nicht sein, und das muss er auch nicht. Seine Stärke ist das verhaltene Gleiten und das Mitschwimmen im Stadtverkehr. Und diese Gangart kommt auch dem gutmütigen Fahrwerk nahe, das sich lediglich bei Kanaldeckeln und kurzen Fahrbahnwellen aus der Ruhe bringen lässt.

Niedlich war gestern: In seinem Auftritt und seinen Fahreigenschaften ist der Toyota RAV4, der als Plug-in-Hybrid ab 46.292,77 Euro (inklusive 16 Prozent Mehrwertsteuer) in der Preisliste steht, über die Jahre erwachsen geworden.

Klaus Brieter / mid

Technische Daten Toyota RAV4 Plug-in-Hybrid

- Länge / Breite / Höhe: 4,60 / 1,86 / 1,69 Meter

- Otto-Motor: Reihen-Vierzylinder-Benziner

- Hubraum: 2.487 ccm

- Leistung: 136 kW/185 PS

- Elektromotoren: 134 kW/182 PS (Front) + 40 kW/54 PS (Heck)

- Systemleistung: 225 kW/306 PS

- max. Drehmoment: 227 Nm (Benziner), 270 +121 Nm (E-Motoren)

- Batterie-Kapazität: 18,1 kWh

- Getriebe: Stufenloses CVT-Getriebe, Allradantrieb

- Beschleunigung: 0 bis 100 km/h in 6,0 Sekunden

- Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h

- Normverbrauch (NEFZ): 1,2 l/100 km

- Stromverbrauch (WLTP): 16,6 kWh

- CO2-Emissionen: 26 g/km

- Preise: ab 46.292,77 Euro (inkl. 16 Prozent Mehrwertsteuer)

- Testwagenpreis: mindestens 58.380,16 Euro (inkl. 16 Prozent Mehrwertsteuer)

Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEUHEITEN wurde von Klaus Brieter am 21.12.2020, 15:21 Uhr veröffentlicht.