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6Noch mehr Tiguan: VW-Megaseller auch als Hybrid und R-Modell
mid Wolfsburg - Bissig: die Front des Tiguan R mit riesigen Lufteinlässen unterhalb der Scheinwerfer. VW
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Rudolf Bögel - 29. September 2020, 10:25 Uhr - 4x4 Allrad NEUHEITEN

Noch mehr Tiguan: VW-Megaseller auch als Hybrid und R-Modell

Kräftig wie ein Tiger, blitzschnell und wendig wie ein Leguan. So sollte er sein, der Volkswagen Tiguan. Für Volkswagen steht der SUV zwölf Jahre nach Markteintritt in einer Reihe mit Käfer und Golf. Ein Megaseller. Allein 2019 wurden über 910.000 Exemplare verkauft. Und jetzt rollt der neue Tiguan zum Händler. Mit zwei völlig neuen Modellen.


Kräftig wie ein Tiger, blitzschnell und wendig wie ein Leguan. So sollte er sein, der Volkswagen Tiguan. Für Volkswagen steht der SUV zwölf Jahre nach Markteintritt in einer Reihe mit Käfer und Golf. Ein Megaseller. Allein 2019 wurden über 910.000 Exemplare verkauft. Und jetzt rollt der neue Tiguan zum Händler. Mit zwei völlig neuen Modellen.

Das Facelift des Tiguan erkennt man hauptsächlich an der neuen und verblüffend an den Touareg erinnernden Frontpartie, sonst sind die optischen Änderungen eher marginal. Interessant sind hingegen die vielen technischen Neuerungen. Das SUV bekommt die Motoren-Generation, die auch schon im Golf eingebaut ist. Also die besonders sauberen und neuen 2,0-Liter Turbodiesel (150 und 200 PS) mit doppeltem SCR-Katalysator und zweifacher Ad-Blue-Einspritzung. Und das 1,5-TSI-Benzin-Triebwerk (130 und 150 PS) mit Zylinderabschaltung.

Auch auf der digitalen Seite hat Volkswagen deutlich nachgerüstet. So ist zum ersten Mal eine drahtlose Handy-Anbindung möglich. Außerdem ist das Auto immer mit dem Netz verbunden. Das macht eine intelligente Sprachsteuerung möglich und das Nützen von Streaming-Angeboten. Premiere haben auch Assistenz-Systeme, die das Fahren bis Tempo 210 km/h teilautonom unterstützen oder die Geschwindigkeit automatisch an das Tempolimit anpassen.

Und die Bedienung wird moderner. Da wischt man nur noch auf Slidern, um die Temperatur einzustellen, auch das Radio verzichtet auf den traditionellen Drehknopf. Die Preise für den neuen Tiguan starten bei knapp 28.000 Euro für den kleinen Benziner (130 PS) und bei 30.500 Euro für den kleinsten Diesel (122 PS).

Erstmalig gibt es auch ein R-Modell. Herzstück ist der weiter entwickelte 2,0 Liter große Vierzylinder, der schon den Golf VII R angetrieben hat. Er leistet nun 320 PS und damit 20 mehr als sein Vorgänger. Das Drehmoment liegt bei 420 Nm und schiebt den rund 1,7 Tonnen schweren Tiguan schon ab 2.100 U/min kräftig an. Auf dem Papier macht das eine Zeit von unter fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Das sieht man dem R-Modell auch von außen an. Wuchtige Lufteinlässe unter dem Kühler, hinten ein neuer Diffusor. Selbstverständlich schnauft der Verbrenner nicht nur aus zwei Auspuffendrohren aus. Da müssen schon vier her - allein wegen der Optik. Streiten kann man über den Sound, der teilweise über Abgasklappen generiert wird, aber auch künstlich aus dem Generator kommt. Das Bollern klingt sonor, die Fehlzündungen ein wenig pubertär.

Ein kleiner blauer Knopf auf dem Lenkrad entfesselt den Tiger im Tiguan: Kurz den Daumen drauflegen, dann ist es wie am Dönerstand. Einmal mit allem und scharf. Vom um zehn Millimeter tiefergelegten Fahrwerk bis hin zum Ansprechverhalten des Motors - im Race-Modus wird aus dem biederen VW-SUV eine echte Rennmaschine. Auch dank der zwei neuen technischen Leckerbissen: Zum einen der Allradantrieb, der erstmalig die Kräfte nicht nur zwischen Front- und Hinterachse verschieben kann, sondern sie auch zwischen den einzelnen Hinterrädern verteilt. Fachleute nennen das Torque Vectoring. Das heißt, die Kraft kann in Kurven bis zu 100 Prozent auf das äußere Rad gelenkt werden. Damit wird der Radius verkleinert, das Auto saust agiler um die Kurven.

Ebenfalls neu ist die serienmäßige Progressivlenkung. Hier wird die Übersetzung je nach Geschwindigkeit oder Gaspedalstellung angepasst. Das heißt: Die Lenkung reagiert bei dynamischer Fahrt direkter und enger. In extremen Kurven muss man nur noch leicht steuern, man hat das Auto buchstäblich immer in der Hand. Und auch das Fahrwerk ist stramm abgestimmt: Da wankt nichts, da neigt sich nichts.

Leider nimmt sich das Getriebe beim Beschleunigen eine Gedenksekunde: Wer aus dem Stand voll lospreschen will, muss sich gedulden. Bis der Tiguan endlich lostrabt, dauert es einfach zu lang. Noch gibt es keine offiziellen Preise, das R-Modell dürfte jedoch so um die 50.000 Euro kosten.

Wer es einen Tick vernünftiger haben will, der bekommt mit dem Tiguan eHybrid zwar auch ein Auto mit starker Performance, aber grünem Gewissen. Eingebaut ist der Antriebsstrang des Golf GTE, also der 1,5 TSI Benzin-Motor (150 PS), kombiniert mit einer 115 PS starken Elektromaschine. Macht 245 PS Systemleistung. Im Hybridmodus wechselt der Computer intelligent zwischen den Antriebsarten. Grundsätzlich fährt der eHybrid elektrisch, der Verbrenner läuft nur bei höheren Lasten mit oder bei Geschwindigkeiten über 130 km/h. Wenn die GTE-Taste gedrückt wird, dann funktioniert die E-Maschine wie ein Elektro-Turbo und beschleunigt den Tiguan immerhin in rund sieben Sekunden von 0 auf 100 km/h. Genaue Angaben gibt es aber genauso wie beim R-Modell dazu noch nicht.

Rein elektrisch und nach den Angaben von Volkswagen soll der aufladbare Tiguan rund 50 Kilometer schaffen. Einen kleinen Anhaltspunkt, wie das in der Praxis aussieht, liefert unser erster Fahrtest, den wir komplett im Hybrid-Modus absolviert haben. Da war der Akku nach genau 63 Kilometern platt. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir neben den 13,5 kWh Strom auch noch 3,9 Liter Benzin auf 100 Kilometer gebraucht. Das ist nicht unbedingt günstig. Billig wird e-Hybrid auch in der Anschaffung vermutlich nicht. Ein Preis um die 45.000 Euro scheint realistisch, der Golf GTE liegt bei knapp 42.000. Euro. Offizielle Angaben gibt es dazu aber noch nicht.

Rudolf Bögel / mid

Technische Daten VW Tiguan 1,5 TSI (Life):

- Länge / Breite / Höhe: 4,51 / 2,10 / 1,68 Meter

- Motor: 1,5-Liter-Benziner

- Hubraum: 1.498 ccm

- Leistung: 110 kW/150 PS

- max. Drehmoment: 250 Nm von 1.500 bis 3.500 U/min

- Sechsgang-Handschalter

- 0 bis 100 km/h: circa 9,0 s (geschätzt, noch keine Angaben)

- Spitze: 203 km/h

- Normverbrauch (WLTP): 6,6 l/100 km

- CO2-Emission (WLTP): 151 g/km

- Preis: ab 31.670 Euro

Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEUHEITEN wurde von Rudolf Bögel am 29.09.2020, 10:25 Uhr veröffentlicht.