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Notbremse ziehen will gelernt sein
mid Groß-Gerau - Wer in einem Zug die Notbremse missbräuchlich zieht, macht sich unter Umständen strafbar. Pixabay
RATGEBER
Andreas Reiners - 29. Juli 2020, 13:40 Uhr - 4x4 Allrad RATGEBER

Notbremse ziehen will gelernt sein

Wann darf man die Notbremse in einem Zug ziehen und wann nicht? Was viele nicht wissen: Wer das missbräuchlich macht, macht sich unter Umständen strafbar. Um Berührungsängste auszuräumen, erklären die ARAG-Experten, in welchen Fällen ein Nothalt unbedingt eingeleitet werden sollte.


Wann darf man die Notbremse in einem Zug ziehen und wann nicht? Was viele nicht wissen: Wer das missbräuchlich macht, macht sich unter Umständen strafbar. Um Berührungsängste auszuräumen, erklären die ARAG-Experten, in welchen Fällen ein Nothalt unbedingt eingeleitet werden sollte.

Ist beispielsweise an der Haltestelle ein Fahrgast in der Tür eingeklemmt, der beim Anfahren des Zuges mitgeschleift werden würde, ist ein Nothalt zwingend erforderlich. Auch wenn eine Entgleisung des Zuges drohen sollte, ist die Notwendigkeit einer Notbremsung keine Frage. Doch es gibt auch andere, weniger eindeutige Situationen, in denen der Zug unbedingt stoppen sollte, weil eine konkrete Gefährdung für den Bahnverkehr oder die Fahrgäste besteht.

Anders ist es, wenn man den Halteknopf für die nächste Haltestelle gedrückt hat, der Zugführer aber weiter fährt. Das ist zwar ärgerlich, aber absolut kein Grund, die Notbremse zu ziehen. Ein anderer klassischer Fall: Die kurze - und mittlerweile fast überall verbotene - Zigarettenpause auf dem Bahnsteig während eines kurzen Halts. Der Zug fährt an und lässt die Rauchenden zurück. Fahrgäste, die hier die Notbremse betätigen, machen sich strafbar.

Darüber hinaus gibt es zwar eindeutige Notfälle, in denen aber das Betätigen der Notbremse trotzdem nicht sinnvoll ist. Erleidet einer der Fahrgäste beispielsweise einen Herzinfarkt, oder gibt es einen anderen medizinischen Notfall, könnte ein Halt auf schwer zugänglichen oder abgelegenen Streckenabschnitten fatale Folgen für den Betroffenen haben, weil die Rettungskräfte den Zug nur schwer erreichen. Sinnvoller ist hier der sofortige Kontakt zum Zugpersonal oder Fahrer.

Auch wenn die Notbremse nicht betätigt werden darf, muss man im Notfall selbstverständlich helfen. Am besten, indem man über den Notruf, der in jedem Zug vorhanden ist, das Zugpersonal informiert. In Straßen- und U-Bahnen ohne Zugpersonal kann man über einen Notrufknopf, der in der Regel neben der Notbremse installiert ist, direkt mit dem Fahrer sprechen und ihm den Notfall melden. Er veranlasst dann alle weiteren Maßnahmen, indem er beispielsweise Rettungskräfte, Polizei oder Feuerwehr zum nächsten Bahnhof bestellt.

Wer die Notbremse im Zug missbräuchlich betätigt, begeht nach Auskunft der ARAG Experten eine Straftat (§ 145 Strafgesetzbuch (StGB)) und muss mit einer Geldstrafe und im schlimmsten Fall sogar mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr rechnen. Zudem kann auch das Verkehrsunternehmen eine Rechnung stellen. Laut Beförderungsbedingungen der Deutschen Bahn etwa sind in diesem Fall 200 Euro fällig.

Eine Notbremsung ist immer mit einem mehr oder weniger starken Ruck verbunden, der durch den Zug geht. Und der ist vor allem für Fahrgäste gefährlich, die keinen Sitzplatz haben, sondern stehen. Die Wirkung einer Notbremse ist aber abhängig davon, ob man in der Straßen-, U- oder Eisenbahn unterwegs ist. So löst das Ziehen der Notbremse in einem Fernzug nur in den ersten zehn Sekunden nach der Abfahrt von der Haltestelle ein sofortiges Bremsen aus, weil evtl. Reisende mitgeschleift werden. Bei voller Fahrt - und die kann bei manchen Zügen bis zu 300 km/h betragen - ist ein sofortiger Halt gar nicht möglich. Der Bremsweg dauert mehrere Kilometer und wäre ohnehin zu lang, um vor einem plötzlich auftauchenden Hindernis zu stoppen. Daher bekommt der Zugführer bei einer ausgelösten Notbremse ein Signal und kann die Notbremse überbrücken. Mit dieser so genannten Notbremsüberbrückung soll unter anderem vermieden werden, dass der Zug beispielsweise in einem Tunnel hält, wo er für Rettungskräfte schwer erreichbar wäre.

Auch in Straßenbahnen ist die Notbremse nur ein Signalgeber für den Fahrer, der selber entscheidet, wann die beste Möglichkeit ist, die Bahn zu stoppen, ohne den Verkehr oder die Fahrgäste zu gefährden. In U-Bahnen verhält es sich während der Fahrt durch ein Tunnelrohr ähnlich: Die Notbremse hat nur die Funktion eines Notsignals für den Fahrer, der den Zug an der nächsten Haltestelle anhält. Wird die Notbremse in der Nähe einer Haltestelle gezogen, bremst die U-Bahn hingegen sofort.

Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto RATGEBER wurde von Andreas Reiners am 29.07.2020, 13:40 Uhr veröffentlicht.