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3Rollende Schutzpanzer mit Stern
mid Groß-Gerau - Sterne-Flotte mit Geschichte: Mercedes-Maybach S 650 Pullman Guard, Typ 770 (W07), Mercedes-Benz S 600 Guard und Mercedes-Benz 600 Pullman (von links). Daimler
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Lars Wallerang - 13. Dezember 2019, 10:24 Uhr - 4x4 Allrad RATGEBER

Rollende Schutzpanzer mit Stern

Gut 90 Jahre ist es her, da baute Mercedes-Benz den ersten Pullman mit Sonderschutz. 'Mercedes-Benz Guard' nennt sich die Sicherheitsausstattung, die auf Basis des 1928 in Paris vorgestellten Typs Nürburg 460 (W 08) Premiere hatte. Die Geschichte reicht bis heute.


Gut 90 Jahre ist es her, da baute Mercedes-Benz den ersten Pullman mit Sonderschutz. "Mercedes-Benz Guard" nennt sich die Sicherheitsausstattung, die auf Basis des 1928 in Paris vorgestellten Typs Nürburg 460 (W 08) Premiere hatte. Dieses Fahrzeug sowie die Bestellung des japanischen Kaiserhofs im Jahr 1930 von zwei gepanzerten Pullman-Limousinen des Typs 770 "Großer Mercedes" sind der Ursprung dieser außergewöhnlichen Luxuskarossen. Die Geschichte reicht bis heute.

Seit mehr als neun Dekaden vertrauen Regierungen, gekrönte Häupter und Unternehmen den rollenden Schutzpanzern mit Stern. Die aktuellen Modelle von Mercedes-Benz Guard bieten einen Höchstschutz bis hin zur Klassifizierung VR10 und sind damit aufwändige Produkte auf höchstem technischem Niveau. Die Guard-Manufaktur macht zudem zahlreiche Individualisierungen möglich. Zur Historie gehört auch, dass Mercedes-Benz internationale Anlässe mit Guard-Fahrzeugen ausstattet, etwa Staatsempfänge, Gipfeltreffen und gesellschaftliche Anlässe von besonders hoher Bedeutung.

Viele Politiker und Staatsoberhäupter vertrauten auf die Sicherheit von Mercedes-Benz Sonderschutzfahrzeugen. Im September 1963 stellte Mercedes-Benz ein neues, exklusives Repräsentationsfahrzeug für höchste Ansprüche vor - den legendären Typ 600. Schon kurz nach seiner Präsentation trug die deutsche Bundesregierung an die Daimler-Benz AG den Wunsch nach einer gepanzerten Ausführung für Staatsgäste heran.

Damit begann für die Stuttgarter Ingenieure eine neue Ära im Sonderschutzbau, bei dem sie neue Überlegungen anstellen mussten - unter anderem wegen der nun üblichen selbsttragenden Karosserien. Da damals kein anderer deutscher Automobilhersteller gepanzerte Fahrzeuge ab Werk bauen konnte und Mercedes-Benz Limousinen hohes Ansehen bei vielen Regierungen weltweit genossen, entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit zwischen den deutschen Behörden und Daimler-Benz.

Hinter solchen Limousinen steckt eine Kombination zweier Superlative: Auf der einen Seite erfüllen die sondergeschützten Fahrzeuge die höchsten für Zivilfahrzeuge verfügbaren Schutzklassen und bieten einen lückenlosen Rundumschutz. Auf der anderen Seite verwöhnen sie ihre Insassen mit typischem S-Klasse Komfort, höchster aktiver und passiver Sicherheit sowie einer uneingeschränkten Alltagstauglichkeit.

Die Gleichzeitigkeit von klassischem S-Klassen-Komfort und Sicherung vor bewaffneten Überfällen kommt nicht von ungefähr: Alle Schutzelemente beispielsweise für Türen, Rückwand, Seitenteile, Dachhimmel und Stirnwand werden nicht nachträglich in ein bereits fertiges Fahrzeug eingebaut, sondern sind von Grund auf in einem eigenständigen Produktionsprozess in die Rohkarosse integriert. Dazu werden die Fahrzeuge der Guard-Familie von Anfang an zusammen mit den nicht sondergeschützten Varianten konzipiert und entwickelt. Potenzielle Schwachstellen werden in aufwändigen Prüfverfahren während des Entwicklungsprozesses ermittelt und von den Spezialisten abgesichert.

Ein fokussiertes Fahrsicherheitstraining von Mercedes-Benz macht die Kunden und Chauffeure mit den fahrdynamischen Fähigkeiten der Guard-Fahrzeuge vertraut. Es ist im Fahrzeugpreis enthalten. Außerdem erhalten sie dabei eine Einweisung in die technischen Besonderheiten und Systeme.

Die Verglasung ist ein fester und wesentlicher Bestandteil der Schutzvorrichtungen. Material und Dicke entsprechen auch hier den hohen Anforderungen der jeweils zugrundeliegenden Sicherheitsklassifizierung. Auf der Innenseite sind die Scheiben mit einem Polycarbonat-Splitterschutz beschichtet. Trotz ihrer umfassenden Schutzeigenschaften bieten sie sehr gute optische Eigenschaften.

Der Innenraum bleibt durch das sehr komplexe und technisch anspruchsvolle Schutzsystem nahezu unberührt und bietet den Passagieren uneingeschränkten Komfort - im Unterschied etwa zu Fahrzeugen mit nachträglich angebrachten Panzerplatten. Fahrwerk, Bremsen, Federung und Assistenzsysteme sind selbstverständlich auf das Mehrgewicht angepasst und bieten ein seriennahes Fahrverhalten.

Es gibt eine lange Liste von Sonderausstattungen: Dazu gehören unter anderem das Notfall-Frischluft-System, das Insassen vor eindringendem Rauch oder Reizgasen schützt, eine Feuerlöschanlage mit selbstständiger Auslösefunktion, Behördenausstattungen wie etwa Sirene, Blitzleuchten und Funkgeräte, eine Notstartbatterie, ein leicht bedienbares Gefährdeten-Alarm-System und ein Außenkommunikationssystem mit Mikrofon und Lautsprecher.

Aktuelles Spitzenprodukt: der Mercedes-Maybach S 650 Pullman. Der Wagen bietet Luxus auf High-End-Niveau. Er kombiniert großzügige Platzverhältnisse mit einzigartigen Ausstattungsdetails. So reisen die VIP-Gäste in Fahrtrichtung auf zwei serienmäßigen Executive-Sitzen und können so die größte Beinfreiheit im Segment und einen höchst komfortablen Ein- und Ausstieg genießen. Pullman-typisch nehmen die vier Passagiere vis à vis hinter der elektrisch absenkbaren Trennwand Platz - ein bisschen wie im Film.

Lars Wallerang / mid

Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto RATGEBER wurde von Lars Wallerang am 13.12.2019, 10:24 Uhr veröffentlicht.