Konrad Winterstein - 5. April 2017, 14:50 Uhr - 4x4 Allrad NEUHEITEN
Volvo XC60: Sicher nicht nur der kleine Bruder
Auf den ersten Blick kann man den neuen Volvo XC60 durchaus mit dem XC90 verwechseln. Doch das kleinere SUV, das Volvo in Deutschland erstmals auf der Techno Classica in Essen zeigt, hat einen sehr eigenen, weniger autoritären Auftritt - und natürlich wieder neue Konnektivitäts-Lösungen und Sicherheitssysteme.
Auf den ersten Blick kann man den neuen Volvo XC60 durchaus mit dem XC90 verwechseln. Doch das kleinere SUV, das Volvo in Deutschland erstmals auf der Techno Classica in Essen zeigt, hat einen sehr eigenen, weniger autoritären Auftritt - und natürlich wieder neue Konnektivitäts-Lösungen und Sicherheitssysteme. Zum Beispiel hilft der neue XC60 aktiv lenkend, bei einem drohenden Unfall auszuweichen.
Dass das Mittelklasse-SUV auf der noch bis Sonntag, 9. April geöffneten Techno Classica ein Publikumsmagnet wird, ist fraglich. Die Besucher der größten europäischen Oldtimer-Messe interessieren sich ja doch eher für altes Blech. Doch die Präsentation des zweiten XC60 genau dort ist irgendwie auch konsequent. Schließlich wurden viele Modelle der vor 90 Jahren gegründeten Marke zum Klassiker - von ihrer Rolle als Schrittmacher der Fahrzeugsicherheit mal ganz abgesehen. Der Volvo PV 444 war zum Beispiel 1944 das weltweit erste Auto mit einer Verbundglasfrontscheibe. 1959 führte Volvo serienmäßig den Dreipunkt-Sicherheitsgurt ein, 1967 ging der rückwärts gerichtete Kindersitz bei Volvo in Serie.
Ob der XC60, der sich die Architektur mit dem XC90 teilt, jemals den Status eines Klassikers erlangt, ist fraglich. Dazu dreht sich die Welt des Automobils momentan viel zu schnell. Doch Volvo bleibt mit ihm seiner Tradition treu, mit jedem neuen Modell einen Schritt näher auf das Auto der Zukunft zuzugehen. So erweiterten die Ingenieure um Malin Ekholm, den Leiter des Volvo-Sicherheitszentrums, das City Safety System um eine weitere wichtige Funktion.
Es vermeidet im XC60 nicht nur Kollisionen mit Autos, Fahrrädern oder Fußgängern durch eine automatische Notbremsung - es bietet nun auch eine Lenkunterstützung. Die wird aktiv, wenn eine Vollbremsung den Unfall nicht verhindern kann und der Fahrer versucht, dem Hindernis auszuweichen. Nach seiner Lenkbewegung stabilisiert das System den XC60 durch das gezielte Abbremsen einzelner Räder. Die Gefahr, beim abrupten Ausweichen die Kontrolle über das Auto zu verlieren, sinkt so erheblich.
Als erster Volvo überhaupt ist der XC60 auch mit "Oncoming Lane Mitigation" ausgestattet. Dieses System hilft, wenn das Auto von der Fahrspur abkommt und in den Gegenverkehr zu geraten droht. In diesem Fall steuert der Schwede selbsttätig auf die eigene Fahrspur zurück und mindert das Risiko einer Frontalkollision. Auf dieselbe Weise optimiert wurde auch der Totwinkel-Warner für den Fall, dass der Fahrer die Fahrspur wechseln will, obwohl ein Auto im toten Winkel schräg hinter ihm fährt.
Das Interieur des XC60, der durch eine stärker geneigte Windschutzscheibe, eine ansteigende Schulterlinie und kürzere Karosserie-Überhänge dynamischer wirkt als der fast 30 Zentimeter längere XC90, ist ebenso stilsicher eingerichtet wie das des großen Bruders. Und wie beim XC90 und den neuen Personenwagen der 90er-Reihe werden die allermeisten Funktionen über den großen Touchscreen des Navigations- und Bediensystems Sensus geregelt werden. Das wurde für den Einsatz im XC60 leicht modifiziert mit neuem Layout, neuen Farben und Symbolen. Diese Überarbeitung haben auch alle neu ausgelieferten 90er-Modelle, und wer schon ein Modell dieser Baureihe hat, muss sich nicht grämen: Per Software-Update wird ihm die neue Sensus-Version beim nächsten Besuch in der Werkstatt aufgespielt.
Eindeutig tiefer geht ein Update der Volvo OnCall-App im neuen XC60: So kann der Fahrer nicht nur Navigationsziele aus dem Kalender seines Smartphones ins Auto senden oder sich vom Telefon zu dem im großen Parkhaus oder einer unbekannten Straße abgestellten Auto lotsen lassen. Er kann es nun auch einem Paketdienst als Lieferadresse nennen: Der Zusteller erhält durch einen digitalen Einmal-Schlüssel Zugang zum Kofferraum, während der Fahrzeugbesitzer die Zustellung in Echtzeit auf seinem Smartphone verfolgen kann. Da werden manche Besucher des Volvo-Standes auf der Techno Classica vielleicht den Kopf schütteln. Aber die Zukunft hat ja längst begonnen. Nicht nur bei Volvo.
Konrad Winterstein / mid
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEUHEITEN wurde von Konrad Winterstein am 05.04.2017, 14:50 Uhr veröffentlicht.
