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Michael Kirchberger - 12. August 2016, 12:16 Uhr - 4x4 Allrad NEWS

Mitsubishi Pajero 3.2 DI-D: Liebenswertes Urgestein

Es gab Zeiten, in denen Cowboys noch auf Pferden saßen und Geländewagen echte Off-Road-Spezialisten waren. Die hatten Allradantrieb, der noch mechanisch zugeschaltet wurde, Differenzialsperren statt elektrischer Radbremsen und sie trugen ihre Feinripp-Tanktopps. Heute machen die in Mode gekommenen SUVs vermeintlich alles besser. Doch es gibt auch gute Argumente für martialische Geländegänger wie den Mitsubishi Pajero.


Es gab Zeiten, in denen Cowboys noch auf Pferden saßen und Geländewagen echte Off-Road-Spezialisten waren. Die hatten einen Allradantrieb, der noch mechanisch zugeschaltet wurde, wirkliche Differenzialsperren statt elektrischer Radbremsen und sie trugen ihre Feinripp-Tanktopps, die immer ein wenig nach Arbeit rochen, mit dem Bewusstsein, irgendwie doch zur Elite der Automobilflotten zu zählen.

Heute machen die in Mode gekommenen SUVs vermeintlich alles besser. Dreht ein Rad mangels Traktion durch, wird es nicht starr mit seinem Pendant auf der anderen Achsenseite verbunden sondern elektronisch gesteuert abgebremst. Und für die Einbindung der Hinterräder in den Kraftfluss der meist im Grunde frontgetriebenen Vehikel, werden bei ihnen im Ölbad rotierende Lamellen aneinander gepresst. Das funktioniert auch, aber wenn einer der weichgespülten jungen Offroad-Helden sich tatsächlich mal auf holpriges und anspruchsvolles Terrain wagt, dann setzen die meisten von ihnen bald den beißenden Geruch verbrannter Kupplungsscheiben oder das Odeur erhitzter Bremsbeläge frei.

Aber vereinzelt tauchen sie noch auf, die martialischen Geländegänger vom Schlage eines Toyota Landcruisers oder Mitsubishi Pajeros. Beide werden meist von Berufsgruppen genutzt, die sich in schwieriges Gelände begeben müssen. Forstwirte etwa, auch Tagebau-Unternehmen und sogar in den Stollen manchen Bergwerks spürt man sie auf. Doch gibt es immer noch manchen Privatmann, der noch lange nicht gestrige Ware bevorzugt und auf solides Karosserieblech und zuverlässige, robuste Technik setzt. Das hat dem Pajero gerade eben das stolze Ergebnis von 1.200 verkauften Fahrzeugen im ersten Halbjahr beschert. Manch andere Marke, die sich zu Höherem berufen fühlt, verkauft weniger Autos.

Vor allem der kurze, dreitürige Pajero steht hoch im Kurs. Sein auf 3,2 Liter expandierter Vierzylinder-Turbodiesel liefert mittlerweile 140 kW/190 PS und 441 Newtonmeter Drehmoment, damit schafft der Zweitonner den Standardsprint in 11,1 Sekunden und erreicht 180 km/h als Höchstgeschwindigkeit. Diese Fahrleistungen zu nutzen empfiehlt sich nur den Unerschrockenen: Der kurze Radstand, der hohe Schwerpunkt und die Ausstattung mit geländetauglichen Reifen macht die Fahrt im Expresstempo zum Abenteuer. Auch der Treibstoffverbrauch ist nicht nach jedermanns Geschmack. Schon nach Norm schluckt der Motor gierige neun Liter Diesel auf 100 Kilometer, im Alltag und bei weniger schonender Fortbewegungsweise sind es auch mal 12 Liter auf der Standarddistanz. Unter acht Liter kommt er kaum, unser Durchschnitt lag nach der Endabrechnung bei 10,2 Liter Treibstoff.

Ihre Vorzüge spielt diese Karosserieversion vor allem bei gemächlicher Fahrt aus und dann, wenn es abseits befestigter Wege kurvig wird. Der Wendekreis von nur rund elf Meter macht das Umrunden von Hindernissen ohne Zurücksetzen möglich. Die Verschränkungsfähigkeit der Achsen ist vorzüglich, eine mechanische Sperre der Hinterachse hilft weiter, wenn die nicht mehr ausreicht und der Pajero mal das Beinchen hebt. Die Gefahr des Aufsetzens reduziert der kurze Radstand, die Böschungswinkel vorne und hinten sind ordentlich, die Traktion verbessert bei Bedarf eine Vorgelegewelle im Getriebe, die Motordrehzahl wird mehr als halbiert und steigert die Steigfähigkeit des Mitsubishi auf 70 Prozent.

Beim Geländeeinsatz macht ihm also so schnell keiner etwas vor. Und auch auf dem Boulevard macht der Pajero eine gute Figur. Auch wenn seine Maschine arg knurrig raunzt und der Federungskomfort eher bescheiden ist: Sein Auftritt wird stets von bewundernden Blicken begleitet. Vor allem das Sondermodell SUV-Star, als das Mitsubishi nun auch den Pajero anbietet, ist mit schwarzen 18-Zoll-Leichtmetallrädern, Trittbrettern und abgedunkelten Scheiben im Fond ein wahrer Hingucker.

Innen erfreuen unter anderem eine Lederausstattung, ein elektrisch verstellbarer Fahrersitz, ein Infotainment-System mit Smartphone-Anbindung und Bluetooth-Freisprecheinrichtung, eine Zweizonen-Klimaautomatik, ein Premium Sound-System von Rockford, Sitzheizung und eine Rückfahrkamera. 37.990 Euro kostet der SUV-Star-Pajero, der Preisvorteil ist vierstellig.

Das tröstet dann wohl auch über den hohen Verbrauch hinweg oder darüber, dass die Automatik mit nur fünf Stufen und nicht besonders sanft arbeitet. Der Pajero zählt zum Urgestein der Geländewagen, nur wenige Marken können auf eine längere und erfolgreichere Historie bei ihren Offroad-Angeboten zurückblicken. Bereits 1933 brachte der japanische Autohersteller seinen ersten Allradler auf den Markt, der Pajero hat die Wüstenrallye Dakar mehr als ein Dutzend Mal als Sieger beendet.

Michael Kirchberger

Technische Daten Mitsubishi Pajero 3,2 DI-D:
Fünfsitziger Geländewagen mit drei Türen, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 4,39/1,86/1,84/2,56, Leergewicht: ab 2.180 kg (ausstattungsabhängig), Zuladung: 485 kg, Tankinhalt: 69 l, Kofferraumvolumen: 290 bis 1.119 l.
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum: 3.200 ccm, Leistung: 140 kW/190 PS bei 3.500/min, maximales Drehmoment: 441 Nm bei 2.000/min, 0-100 km/h: 11,1 s, Höchstgeschwindigkeit:180 km/h, 5-Gang-Automatikgetriebe, Allradantrieb, Normverbrauch: 9,0 l, CO2-Ausstoß: 238 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Praxis-Verbrauch: 10,2 Liter, Preis: ab 37.990 Euro.

Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Michael Kirchberger am 12.08.2016, 12:16 Uhr veröffentlicht.