Thomas Schneider - 4. März 2016, 16:51 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Goodyear: Gummis und Gefühle
Nicht nur das Auto selbst, sondern auch die Bereifung muss für die Mobilität der Zukunft quasi neu erfunden werden. Fahrzeuge und Reifen werden 'intelligent', sie kommunizieren miteinander und stimmen sich zugunsten von höherer Sicherheit und Komfort aufeinander ab. Reifendruck-Kontrollsysteme sind nur der Anfang. Im nächsten Schritt bringt Goodyear seinen Reifen Gefühle bei.
"Intelligente" Fahrzeuge und Reifen der Zukunft kommunizieren miteinander und stimmen sich ab. Das Ziel: Ein Höchstmaß an Sicherheit und Komfort. Das Mittel der Wahl ist hier wie da ist eine ständig steigende Zahl an Sensoren. Dabei sind die mittlerweile als Standard vorgeschriebenen Reifendruck-Kontrollsysteme nur der Anfang, wie Goodyear auf dem Genfer Automobilsalon zeigt. Im nächsten Schritt bringt der Hersteller seinen Gummis Gefühle bei.
Die aufsehenerregende Reifenstudie Eagle-360 ist in diesem Zusammenhang als durchaus realitätsnahe Vision zu sehen und nicht als reine Spinnerei von Ingenieuren, die mal zeigen wollen, was sie drauf haben. "Wir entwickeln nicht ins Blaue, sondern richten uns nach dem, was die Autohersteller und Verbraucher auch sinnvoll einsetzen können", sagt Jürgen Titz, Vorsitzender der Geschäftsführung von Goodyear Dunlop in Deutschland, Österreich und der Schweiz. "Der Fokus liegt auf dem, was der Markt verlangt." Und in den kommenden Jahren und Jahrzehnten wird der Markt insbesondere nach Reifen für autonome Autos verlangen.
Der im 3D-Druckverfahren hergestellte Eagle-360 in Form einer Kugel mutet zwar zunächst an wie Science-Fiction, gibt aber die konkrete Richtung vor, wohin die Reise auch in der Reifen-Branche geht. "Die starre Verbindung des Reifens über eine Felge mit dem Auto ist eine Einschränkung, die wir durch die Verwendung von Magnet-Schwebetechnik umgehen", sagt Jürgen Titz. Das Prinzip entgegengesetzter Magnetfelder funktioniere bei Magnet-Schwebebahnen seit Jahrzehnten ohne Probleme, da sollte die Umsetzung im Automobilbereich nicht das größte Problem darstellen. Und die Trennung von Fahrzeug und Reifen verbessert außerdem den Komfort und reduziert gleichzeitig die Geräuschentwicklung.
Die Kugelform des Konzeptreifens trage zur Sicherheit und Lenkbarkeit von selbstfahrenden Fahrzeugen bei, weil sich das Fahrzeug dadurch in alle Richtungen manövrieren lässt. 360-Grad-Drehungen, quer zur Parklücke im 90-Grad-Winkel einparken - das ist dann kein Problem mehr. Zudem kann sich der Reifen wegen der integrierten Sensoren und auch aufgrund des speziellen Oberflächen-Materials auch an schwierige Fahrkonditionen wie Blitz-Eis oder Aquaplaning anpassen.
Das erreicht Goodyear unter anderem mithilfe der sogenannten "Biomimetik", der Imitation der Natur durch Technik. Das Profil des Eagle-360 bildet die Oberfläche der Hirnkoralle nach, deren multidirektionale Block- und rillenförmige Struktur einen sicheren Fahrbahnkontakt gewährleistet. Die Rillen haben die gleich Eigenschaften wie ein natürlicher Schwamm: Sie verhärten sich im trockenen Zustand und werden bei Nässe weich. Und das gewährleistet besseren Grip und schützt vor Aquaplaning zu gewährleisten. Gleichzeitig kann die Reifenoberfläche laut dem Hersteller Wasser von der Fahrbahn aufnehmen und durch Zentrifugalkräfte vom Reifenmantel nach außen führen.
Goodyear hat den Eagle-360 darüber hinaus mit weiteren Eigenschaften in Hinblick auf Konnektivität ausgestattet. Einerseits registrieren die Sensoren im Inneren Fahrbahneigenschaften, Witterungsbedingungen und die Oberflächenstruktur und leiten diese Informationen an das Auto sowie an andere Fahrzeuge weiter, um die Sicherheit zu verbessern. Andererseits werden Reifendruck und Profil-Abnutzung umfassend überwacht. "Wir wollen erreichen, dass die Oberfläche des Reifens den Untergrund "erfühlt" wie eine Handfläche. Die Aufstandsfläche des Reifens hat übrigens etwa die gleiche Größe", sagt Jürgen Titz.
Diese Vorteile sind nicht nur beim Eagle-360 - der realistisch in 20 Jahren über deutsche Straßen rollen könnte -, sondern auch beim Goodyear IntelliGrip gegeben, den der Hersteller ebenfalls in Genf vorgestellt hat. Auch hier kommt neueste Sensor-Technik zum Einsatz, die Vernetzung auf ein höheres Level hebt - und das laut Goodyear bereits in ein bis fünf Jahren. Autonome Autos sind auf Daten von anderen Fahrzeugen, Fahrern, Fußgängern und intelligenten Städten (Smart Cities) angewiesen. Und hier können Reifen einen Beitrag leisten, nicht nur bei autonomen Autos, sondern bei allen mit moderner Vernetzungs-Technik. Wie sein kugelförmiger Markenkollege kann der Goodyear IntelliGrip die unterschiedlichsten Fahrbahn-Beschaffenheiten und Witterungsbedingungen erkennen und mit anderen teilen. Bei nasser oder rutschiger Fahrbahn sorgen Sensoren beispielsweise dafür, dass die Geschwindigkeit des Fahrzeugs entsprechend angepasst wird. Die viel gepriesene "Sharing"-Economy erhält so eine neue und wirklich sinnvolle Komponente.
Thomas Schneider
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Thomas Schneider am 04.03.2016, 16:51 Uhr veröffentlicht.
