Ralf Schütze - 6. Januar 2016, 16:21 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
BMW i8 Mirrorless in Las Vegas: Spiegellos glücklich
Ungewohnt und sehr interessant: Der Hybrid-Sportwagen BMW i8 als ''Mirrorless''-Prototyp ohne Außen- oder Innenpiegel. Stattdessen sorgen Kameras und ein Monitor für mehr Durchblick und ein neuartiges Fahrerlebnis beim ersten Test im dichten Verkehr von Las Vegas.
Nach und nach gewöhnt man sich an die neue spiegellose Welt im BMW i8 Mirrorless. Und stellt fest: Der gefürchtete "tote Winkel" ist jetzt wirklich tot. Die beiden äußeren und die dritte Kamera am oberen Rand der Heckscheibe decken einen größeren Blickwinkel ab als bisher. Zu sehen ist dieser im vermeintlichen Innenspiegel, der als Monitor 30 cm breit und 7,5 cm hoch ist. Sowohl Fahrer als auch Beifahrer sehen das große, hochauflösende Bild und haben somit ihre Umgebung lückenlos im Blick. Ehe ein vorbeiziehendes Fahrzeug aus dem Bild verschwindet, ist es bereits seitlich direkt zu sehen.
20 cm schmaler ist der i8 Mirrorless im Vergleich zu seinem konventionellen Modellbruder. Das sieht nicht nur eleganter aus als mit ausladenden Außenspiegeln und hilft bei engen Durchfahrten, sondern bietet dem Fahrtwind immerhin 3 Prozent weniger Luftwiderstand. Mirrorless-Projektleiter Philipp Hoffmann: "Wichtigstes Ziel unserer Entwicklungsarbeit war es zunächst, den toten Winkel zu eliminieren. Die aerodynamischen Vorteile gibt's sozusagen obendrauf." BMW spricht sogar von verbesserter "Aeroakustik", da auch die berüchtigten Windgeräusche von ausladenden Außenspiegeln der Vergangenheit angehören.
Das berühmte "Welcome to Las Vegas"-Zeichen am südlichen Eingang der Spielermetropole: Hier stellen wir den spiegellosen Prototypen für ein Foto ab. Passanten zücken sofort ihre Handys und Kameras, doch ihnen geht es anscheinend nur um den seltenen Hybridsportler. Die fehlenden Außenspiegel und die Kameraträger, die sie ersetzen, fallen offenbar kaum auf. Umso besser weiß der Testfahrer seit rund 20 Minuten die Vorteile von Mirrorless zu schätzen.
Allerdings muss der Mensch umlernen, ehe er von der fortschrittlichen Technik profitiert. Ich merke das unter anderem daran, dass ich ständig nutzlos in einen nicht mehr vorhandenen Außenspiegel schauen will und versehentlich ein paar mal rechts den Scheibenwischer drücke, statt links den Blinkerhebel. Offenbar sind die Sinne verwirrt. Nach weniger als einer halben Stunde habe mich jedoch an das neue Bild vom Verkehr neben und hinter mir gewöhnt, das der große Monitor mir und meinem Beifahrer bietet. Der Ablauf hat sich bereits eingespielt: Immer zum Innen-Monitor blicken, nicht nach links oder rechts. Geschmackssache ist die Art der Abbildung: Entweder drei gleichberechtigte Ansichten des rückwärtigen Verkehrs, oder in der Mitte eine leichte Vogelperspektive mit dem i8 im Bild, die an Videospiele erinnert.
Wann die neue Mirrorless-Technologie in Serie kommt, steht derzeit noch nicht fest. Philipp Hoffmann: "Erst wenn auf unseren Hauptmärkten die gesetzlichen Voraussetzungen gegeben sind, kann das System auf den Markt kommen." Da der entsprechend nötige Prozess unter anderem in Europa, USA und China erst nach und nach in Gang kommt, ist ein Serienstart nicht vor 2018 zu erwarten.
Ralf Schütze
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Ralf Schütze am 06.01.2016, 16:21 Uhr veröffentlicht.
