Rudolf Huber - 23. Dezember 2015, 13:46 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Neues Messgerät für dicke Luft
Eine kleine Minderheit von nur 7,6 Prozent aller motorisierten Fahrzeuge ist für 45 Prozent der gesamten Stickstoff-Emissionen aus dem Straßenverkehr verantwortlich. Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftler der Universität Heidelberg bei der Entwicklung eines Geräts gekommen, mit dem das Stickstoffdioxid im Abgas vorausfahrender Fahrzeuge gemessen werden kann.
Eine kleine Minderheit von nur 7,6 Prozent aller motorisierten Fahrzeuge ist für 45 Prozent der gesamten Stickstoff-Emissionen aus dem Straßenverkehr verantwortlich. Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftler der Universität Heidelberg bei der Entwicklung eines Geräts gekommen, mit dem das Stickstoffdioxid im Abgas vorausfahrender Fahrzeuge gemessen werden kann.
Ausgangspunkt der Forscher war die Frage, welchen Anteil einzelne Fahrzeuge abhängig von Alter, Zustand oder Motor an der Luftverschmutzung im Stadtverkehr haben. Das spektroskopische Messinstrument, das das Team um den Umweltphysiker Dr. Denis Pöhler gebaut hat, liefert die Antwort. Es zeigt verlässliche Emissionswerte bei realem Fahrverhalten an, die bisher nur mit aufwendigen Systemen direkt am Fahrzeug erfasst werden konnten. Laut Pöhler können die bei diesen mobilen Messungen gewonnenen Daten anstelle der bisherigen unzureichenden Modellrechnungen herangezogen werden, um die Hauptverursacher hoher Schadstoffbelastung zu ermitteln.
Stickoxidemissionen (NOx) sind wesentliche Verursacher der schlechten Luftqualität in Städten. Problematisch sind dabei speziell hohe Stickstoffdioxid-Konzentrationen. Die Emissionen variieren von Fahrzeug zu Fahrzeug erheblich und hängen unter anderem von Motortyp, Abgasbehandlung, Alter, Zustand und Fahreigenschaften ab. Emissionsdaten unter realen Fahrbedingungen waren bisher so gut wie gar nicht erfassbar. Deswegen bauten Pöhler und sein Team ein schnelles und mobil einsetzbares Gerät namens "NO2 ICAD", das eine genaue Stickstoffdioxid-Messung bei Pkw, Bussen, Lkw oder Zweirädern während der Fahrt ermöglicht. Bei den Untersuchungen ist es in einem Fahrzeug installiert.
Im Praxistest, bei dem mehr als 730 Fahrzeuge im realen Stadtverkehr erfasst wurden, wurde der Stickstoffdioxid-Ausstoß in "parts per billion" (ppb), also in "Teilen pro Milliarde" gemessen. Dabei überschritten nur 7,6 Prozent aller Fahrzeuge den NO2-Wert von 500 ppb - sie verursachen damit aber knapp die Hälfte aller Emissionen. "Somit könnte die Umweltbelastung durch technische Nachbesserungen an nur wenigen Fahrzeugen bereits nahezu halbiert werden", schlussfolgert der Physiker.
Das neue Messgerät soll jetzt zur Marktreife gebracht und um Messmöglichkeiten für Stickstoffmonoxid und Kohlendioxid erweitert werden. Die Anwendungsgebiete reichen laut der Heidelberger Forscher von High-End-Nutzern in der Wissenschaft über Emissionsmessungen von Fahrzeugen und der Überwachung der Luftqualität bis zur Nutzung in Industrie und Medizin.
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Rudolf Huber am 23.12.2015, 13:46 Uhr veröffentlicht.
