Martina Göres - 11. Dezember 2015, 11:31 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Nissan: Was Frauen wollen
'Achtzig Prozent aller Entscheidungen beim Fahrzeugkauf werden direkt von Frauen beeinflusst'. Höchste Zeit also, dass die Automobilhersteller die Wünsche von Frauen, ihre Anforderungen und Bedürfnisse stärker in den Fokus rücken? Das tun sie ja schon längst, geben es aber nicht immer offen zu.
"Achtzig Prozent aller Entscheidungen beim Fahrzeugkauf werden direkt von Frauen beeinflusst". Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des Nissan Technical Centre Europe im britischen Cranfield. Höchste Zeit also, dass die Automobilhersteller die Wünsche von Frauen, ihre Anforderungen und Bedürfnisse stärker in den Fokus rücken? Das tun sie ja schon längst, geben es aber nicht immer offen zu.
Rund jeder dritte Pkw in Deutschland ist auf eine Frau zugelassen. Die Zahl der tatsächlich von Frauen gefahrenen Autos ist natürlich wesentlich höher, auch weil aus versicherungstechnischen Gründen Zweit-oder Drittfahrzeuge häufig auf den Haushaltsvorstand angemeldet werden. Zielte die Industrie aber mit bestimmten Modellen vordergründig auf das weibliche Geschlecht, würden die meisten Männer um ein solches "Frauenauto" wohl einen großen Bogen machen. Aber auch die Frauen selbst lehnen einen speziell für sie entwickelten Fahrzeugtyp ab und wollen als Autokäufer nicht anders behandelt werden als Männer.
Als Volvo vor einigen Jahren mit dem YCC auf dem Genfer Automobilsalon einen vollständig von Frauen - und für Frauen - entwickelten Prototypen vorstellte, gab es kontroverse Diskussionen und auch aus der Damenwelt nicht nur positive Reaktionen. Die Karosserie des futuristischen viersitzigen Coupés war aus stabilen, schlagfesten Materialien gefertigt und verfügte über einen Gummischutz rundum. Zwei riesige seitliche Flügeltüren erleichterten den Einstieg, die Fondsitze wurden wie die Bestuhlung im Kino nur bei Bedarf heruntergeklappt. Gebaut wurde der YCC nie.
"Das typische Frauenauto gibt es nicht", stellt Doris Kortus-Schultes, Professorin an der Hochschule Niederrhein klar. Die Leiterin des weltweit einzigen Kompetenzzentrums "Frau und Auto" unterstreicht vielmehr, dass Frauen und Männer beim Autokauf häufig ähnliche Anforderungen an ihr nächstes Fahrzeug haben. Das kann auch Mandy Lee, bei Nissan in Cranfield zuständig für kundenorientierte Entwicklung, so bestätigen. "Frauen wollen dasselbe wie Männer - nur anders", ergänzt sie mit einem Augenzwinkern. Seit mehr als zwanzig Jahren beschäftigt sich Nissan mit den automobilen Bedürfnissen von Frauen. In einer fortlaufenden und regelmäßig aktualisierten Studie werden Fahrerinnen in Europa, Japan, China und den USA nach ihren Vorlieben gefragt und danach, was ihnen an Autos nicht gefällt. Ob praktische oder emotionale Bedürfnisse: Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Fahrzeugentwicklung mit ein.
Wo setzen Frauen also beim Autokauf und im Umgang mit dem Fahrzeug andere Schwerpunkte? Die Befragungen von Nissan haben ergeben, dass sie öfter als Männer ein Fahrzeug schon auf den ersten Blick attraktiv finden. Dabei gehe es nicht nur um das Design, sondern vielmehr darum, ob das Fahrzeug "ganzheitlich", also im modischen Stil wie auch dem praktischen Nutzen zur eigenen Persönlichkeit passe, erläutert Lee. Mit dem Auto den gesellschaftlichen oder sozialen Status zu dokumentieren sei für die meisten Frauen kein Kriterium.
Ganz praktisch: Frauen achteten besonders auf einen leichten Ein- und Ausstieg ins Fahrzeug - nicht nur für sich, sondern auch für mitreisende Kinder und Erwachsene im Fond. Eine erhöhte Sitzposition stehe oft auf der Wunschliste. Vielleicht sind auch deshalb SUVs beim weiblichen Geschlecht so beliebt. 2013 entschieden sich mehr als doppelt so viele weibliche Neuwagenkäufer in Deutschland für ein Auto dieser Fahrzeuggattung als noch fünf Jahre zuvor, weiß Kortus-Schultes zu berichten. Die beliebtesten Modelle waren Nissan Qashqai, VW Tiguan, Audi Q3, BMW X1 und X3 sowie der Opel Mokka.
Umfassende Sicherheit und Kontrolle ist den Nissan-Befragungen nach für Frauen wichtiger als für Männer. Elektronische Assistenzsysteme seien willkommene Helfer, wenn sie zum entspannten Fahren beitrügen. Weitere interessante Ergebnisse der Studie: Im europäischen Vergleich legen Frauen in Deutschland besonderen Wert auf innovative Technologien im Fahrzeug. Auch die Umweltverträglichkeit spielt eine große Rolle. Autokäuferinnen in Spanien und Italien sind aber eher bereit, für Ökofeatures in ihrem Fahrzeug einen Aufpreis zu zahlen als ihre Geschlechts-Genossinnen in Deutschland. Ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis ist allen befragten Frauen wichtig, dabei behielten sie stärker als die Männer ihren finanziellen Rahmen im Auge und hätten auch die Kosten für Kraftstoff, Steuer und Versicherung stärker im Blick, berichtet Lee.
Auch wenn das Klischee vom typischen niedlichen, rundlichen, kulleräugigen Frauenauto in der Gesellschaft noch nicht ganz ausgemerzt scheint - die weibliche Kundschaft interessiert sich längst auch für ganz andere Fahrzeug-Typen. So hat Nissan 2014 in Deutschland von seinem eigenwilligen Crossover-Modell Juke 51 Prozent an Frauen verkauft.
Martina Göres
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Martina Göres am 11.12.2015, 11:31 Uhr veröffentlicht.
