Günter Weigel/SP-X - 6. Dezember 2015, 09:41 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Sonst noch was? - Reden wir mal vom Klima
Biergartenwetter im November, gefolgt von 10 Zentimeter Schnee und anschließendem Dauerregen bei viel zu hohen Temperaturen. Sind das nur Launen der Natur oder Zeichen des Klimawandels? Wir wissen es nicht. Trotzdem ist uns jede Idee willkommen. Und sei sie auch noch so skurril.
Im kanadischen North Vancouver beispielsweise hat die Stadtverwaltung Tankstellenbetreiber dazu verdonnert, Warnhinweise an den Zapfsäulen anzubringen. Analog zu den Grusel-Infos auf Zigarettenpackungen sollen die Autofahrer durch Schilder und Aufschriften an den Säulen zum Beispiel darauf hingewiesen werden, dass die Kraftstoffnutzung zum Klimawandel beitrage, durch den wiederum 30 Prozent aller Tiere vom Aussterben bedroht würden.
Das ist bestimmt nicht falsch, scheint uns aber doch eine Spur zu weit gedacht. Wie man aktiven Tierschutz betreibt und auch noch geschickt vermarktet, hat gerade Volvo demonstriert. Die neue Business-Limousine S90 hat einen Notbremsassistenten, der auch für Tiere bremst, zumindest wenn sie eine gewisse Größe haben. Zwar geht es den Schweden wahrscheinlich ganz profan eher um den Schutz der Insassen vor den Folgeschäden einer Kollision mit einem Elch. Den Vierbeinern dürfte es aber trotzdem sehr Recht sein, wenn das Auto, in das sie sonst hineingelaufen wären, rechtzeitig vorher bremst. Unter Beherzigung der kanadischen Warnung wäre das Auto allerdings gar nicht erst losgefahren und hätte damit ebenfalls kein weiteres Unheil anrichten können.
Wie man akute Umweltverschmutzung auch bekämpfen kann, haben derweil die Chinesen gezeigt. Um dem Wintersmog in Peking Herr zu werden, wurden zuerst 20 Millionen Bürger aufgefordert, nicht mehr vor die Tür zu gehen und anschließend kurzerhand über 2.000 Fabriken geschlossen. Letzteres ist ein probates Mittel, um den CO2-Ausstoß zu verringern, wie wir in Deutschland schon seit der Wiedervereinigung wissen.
Deutschland hat nämlich, wie es dieser Tage zu lesen war, seine CO2-Emissionen seit 1990 um 23 Prozent auf knapp 800 Millionen Tonnen gesenkt, was nicht zuletzt durch die Abwicklung der alten Industriestrukturen der ehemaligen DDR vereinfacht wurde. Die gesamte EU reduzierte seitdem den CO2-Ausstoß um immerhin 18 Prozent - inklusive Deutschland. Auch Russland konnte durch die Abwicklung großer Teile seiner maroden Industrien die CO2-Emissionen um fast ein Drittel senken. Der Rest der Welt legte kräftig zu, immer wieder gerne mit dem Argument, dass man im Pro-Kopf-Ausstoß ja weit hinter den Dauerspitzenreitern aus den USA läge.
Praktisch führte das dazu, dass China seinen CO2-Ausstoß seit 1990 von 2.458 auf 9.761 Millionen Tonnen im Jahr 2014 verdreifacht hat. Die Amis erhöhten ihre Emissionen im gleichen Zeitraum um 10 Prozent auf 5.995 Millionen Tonnen. Der Verkehr macht, je nach Berechnung übrigens zwischen 20 und 30 Prozent davon aus, was die klimaschützende Wirkung der kanadischen Tankstellenhinweise wahrscheinlich auf ein Niveau bringt, dass man in Prozentzahlen vor lauter Nullen nach dem Komma nicht mehr besonders übersichtlich darstellen könnte. Aber der gute Wille zählt schließlich auch. Das gilt dieser Tage im Besonderen bei der Klimaschutzkonferenz in Paris. Sonst noch was? Nächste Woche wieder.
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Günter Weigel/SP-X am 06.12.2015, 09:41 Uhr veröffentlicht.
