Ralf Loweg - 10. November 2015, 16:04 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Hörgeschädigte Radfahrer: Auf die Klingel kommt es an
Auch hörgeschädigte Menschen sind mit dem Fahrrad unterwegs. Doch wie steht es um ihre Sicherheit im Straßenverkehr? Ist es den Menschen mit diesem Handicap überhaupt möglich, die Klingel eines Fahrrades rechtzeitig wahrzunehmen?
Auch hörgeschädigte Menschen sind mit dem Fahrrad unterwegs. Doch wie steht es um ihre Sicherheit im Straßenverkehr? Ist es den Menschen mit diesem Handicap überhaupt möglich, die Klingel eines Fahrrades rechtzeitig wahrzunehmen? Dieser sehr speziellen Problematik sind die beiden Hörakustik-Studentinnen Lea Hartkens und Mareike Hestermann nachgegangen.
Sie wollten zuerst wissen, ob die im Handel erhältlichen Standardklingeln die Vorgaben der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung überhaupt erfüllen. Dazu wurden die Schalldruckpegel von zehn handelsüblichen Fahrrad-Klingeln in einem reflektionsarmen Raum im Labor für Akustik gemessen. Das Ergebnis war, dass nur ein einziger Klingeltyp, und zwar die sogenannte "Außenanschlagsklingel", die geforderte 85-Dezibel-Norm erreicht.
Danach wollten die beiden Studentinnen herausfinden, ob Hörgeschädigte die verschiedenen Fahrrad-Klingeln in typischer Verkehrsumgebung wahrnehmen und bei welchem Lautstärke-Niveau die Wahrnehmungsschwelle liegt. Dazu wurden mit Hilfe von Kunstkopf-Aufnahmen allgemeine Straßengeräusche an einer viel befahrenen Straße und auch an einem innerstädtischen Platz aufgenommen. Diesen Aufnahmen wurden noch weitere Umgebungsgeräusche wie anfahrende Busse oder das Martinshorn von Rettungs- und Einsatzfahrzeugen zugespielt und Probanden mit leichten bis mittleren Hörverlusten im hochfrequenten Bereich vorgespielt.
Die Ergebnisse der Untersuchungen waren eindeutig. Es waren die Außenanschlagsklingeln mit dem einfachen "PING", die das Rennen machten und als bestens wahrnehmbar eingestuft wurden. Gleich danach kamen die Klingeln mit einem "DING-DONG"-Klang, wie sie häufig bei Hollandrädern montiert sind.
Das Fazit: Um die Sicherheit von Hörgeschädigten im Straßenverkehr zu erhöhen, sollten alle im Handel erhältlichen Fahrrad-Klingeln die 85-Dezibel-Norm erreichen. Für die Hörgeschädigten wird außerdem die Nutzung eines Hörgerätes empfohlen. Ein solches Gerät trage nicht nur zu einem besseren Sprachverstehen bei, sondern auch erheblich zur Sicherheit im Straßenverkehr, weil es die Wahrnehmung in einer normalen Verkehrsumgebung deutlich verbessere, heißt es dazu.
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Ralf Loweg am 10.11.2015, 16:04 Uhr veröffentlicht.
