Ulf Böhringer/SP-X - 27. Oktober 2015, 14:00 Uhr - 4x4 Allrad RATGEBER
Motorradhelme - Neue Hüte braucht das Land
Schon jetzt rücken zahlreiche Helm-Hersteller mit ihren Neuheiten für die kommende Motorradsaison heraus. Dabei gibt es einen Trend, der besonders abseits befestigter Wege wichtig werden könnte.
Bislang stehen die Fahrer von Reise-Enduros und Adventure Bikes hinsichtlich ihrer Helmwahl vor einem Dilemma: Sport- und Tourenhelmen mangelt es für den Offroad-Betrieb an einer dem körperlichen Einsatz angemessenen Durchlüftung sowie an einem Schirm, der den Helmausschnitt schützt - zum Beispiel vor hochgeschleuderten Steinen. Enduro- und Motocross-Helme hingegen bieten weder die Aerodynamik noch den Komfort und auch nicht die Flexibilität, die Motorradfahrer von einem guten Klapphelm gewohnt sind. Schuberth sagt, man habe mit dem neuen E1 die Lösung für dieses Dilemma zur Hand, denn der innovative Dualsport-Helm vereine die Merkmale und die Funktionalität des Klapphelms mit dem Look und Feel eines Adventure-Helms.
Das Kinnteil des E1 lässt sich samt Visier und Schirm nach oben klappen. Als Blendschutz dient eine Sonnenblende, die in den Helm integriert ist und mit einem Schieber an der Helmunterkante leicht bedient werden kann. Der E1 wurde im Schuberth-Windkanal entwickelt; der Hersteller spricht von einem niedrigen Luftwiderstand auch bei hohen Geschwindigkeiten. Der E1 soll keinen Auftrieb erzeugen und sich pendelneutral verhalten. Zudem soll er zu den leisen Helmen gehören. Der Schirm lässt sich in drei verschiedenen Positionen fixieren, um ihn an die jeweiligen Erfordernisse im Gelände oder auf der Straße anzupassen. Gleichzeitig kann das Visier unabhängig vom Schirm bewegt werden.
Ein komplexes Luftkanalsystem mit drei regulierbaren Belüftungssystemen soll einen optimalen Luftdurchsatz gewährleisten, so dass auch bei körperlich anstrengendem Offroad-Einsatz keine Probleme auftauchen. Eine große Zusatzbelüftung im Kinnteil mit Luftfilter führt dem Träger literweise saubere Atemluft zu, wenn es besonders darauf ankommt.
Die Helm-Außenschale des neuen E1 besteht aus einer glasfaserverstärkten Duroplast-Matrix; je nach Helmgröße werden zwei unterschiedlich große Helmschalen verwendet. Die Innenausstattung des E1 ist antibakteriell, atmungsaktiv und Öko-Tex 100 zertifiziert, zudem herausnehmbar, waschbar und schnell trocknend. Zwei vorinstallierte Antennen sollen für optimalen Bluetooth®- und FM-Radio-Empfang selbst bei schneller Fahrt sorgen. Außerdem gibt es ein optionales Kommunikationssystem, das vollständig in den Helm integriert ist. Der auf der Mailänder EICMA erstmals zu sehende Helm wird in sieben Größen angeboten, der Preis beginnt für die Uni-Versionen bei 650 Euro; die Dekor-Versionen sollen 730 Euro kosten.
Die Schuberth-Entwicklung hat auf den Motorrad-Ausrüstungsspezialisten Touratech so großen Eindruck gemacht, dass dieser den Helm in einer Kooperations-Ausführung in sein Programm aufnimmt. Er heißt dann ,,Aventuro Mod" und ist im speziellen Touratech-Design gehalten. Der Aventuro Mod wird ab 650 Euro zu haben und ebenfalls erstmals in Mailand erstmals zu sehen sein.
Zur Kategorie der Modular-Helme gehört auch der neue X-Lite X-403 GT, den die italienische Nolan-Group in Mailand vorstellen wird. Er basiert auf dem 2010 vorgestellten Modell X-402GT und unterscheidet sich von diesem durch eine optimierte Aerodynamik, eine neu konstruierte Belüftung mit - so der Hersteller - ,,spürbar erhöhten Luftdurchsatz ohne störende Zugluft"; die Lufteinlässe im Stirn- und Kinnbereich sollen fein einstellbar sein. Verbessert soll auch die Passform sein; dazu soll auch eine neue Innenausstattung aus besonders atmungsaktivem Mikrofaserstoff beitragen. Besonderheit des X-403GT ist das abnehmbare Kinnteil, das aus einem Vollvisierhelm in Sekundenschnelle einen Jethelm macht. Bei der neuesten Version kann bei Bedarf auch das Visier abgenommen werden, was beim X-402GT noch nicht möglich war. Der neue Modularhelm von X-Lite wird in acht Größen angeboten und ist bereits in den nächsten Wochen zu Preisen ab 400 Euro zu haben.
Ein supersportlicher Integralhelm ist der neue RHPA11 des koreanischen Herstellers HJC, der seine Premiere für das Publikum ebenfalls in Mailand feiern wird. Die Entwickler griffen Verbesserungsvorschläge des erfolgreichen MotoGP-Fahrers Jorge Lorenzo auf und vergrößerten das Sichtfeld sowie die Möglichkeit, den Kopf zu bewegen. Vor allem aber wurde die Helmbelüftung optimiert: Laut HJC-Information gibt es gegenüber dem Vorgängermodell nun 25 Luftein- und Auslassöffnungen; bisher waren es neun. Zudem soll eine zusätzliche Lage aus Carbon-Glass-Hybridfasern die physikalische Stabilität der Schale erhöhen. Der in Größe S ca. 1300 Gramm wiegende HJC PPHA11 soll bereits Anfang September für 400 Euro (vier Uni-Farben) und 450 (sechs Dekorversionen) erhältlich sein. Eine Jorge-Lorenzo-Repclicaversion ist für 550 Euro im Angebot.
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto RATGEBER wurde von Ulf Böhringer/SP-X am 27.10.2015, 14:00 Uhr veröffentlicht.
