Ralf Schütze (vm) - 30. September 2015, 13:19 Uhr - 4x4 Allrad RATGEBER
Mercedes-Benz: 20 Jahre Kopfarbeit im Silicon Valley
Vor 20 Jahren schlug Mercedes-Benz als erster Autohersteller seine Zelte im Silicon Valley auf. Mitten in der weltweiten Denkfabrik schlechthin arbeiten hier seit 1995 Forscher und Entwickler am Auto der Zukunft - künftig mehr denn je.
Vor 20 Jahren schlug Mercedes-Benz als erster Autohersteller seine Zelte im Silicon Valley auf. Mitten in der weltweiten Denkfabrik schlechthin arbeiten hier seit 1995 Forscher und Entwickler am Auto der Zukunft - künftig mehr denn je. "Wir sind hier im Silicon Valley definitiv noch nicht am Ziel. Wir werden weiter expandieren und unser Netzwerk ausbauen um noch mehr Innovationen auf den Weg zu bringen", erklärt Arwed Niestroij, der Präsident der "Mercedes-Benz Research & Development North America" (MBRDNA). Er sieht auch nach 20 Jahren Wachstum von 20 auf 240 Mitarbeiter keine Grenzen für die emsigen und findigen Forscher und Entwickler im Herzen der kalifornischen Hightech-Metropole. Wie keine andere Region stehe das weltberühmte "Silicon Valley" südlich von San Francisco für Innovation und mutigen Unternehmergeist. Dies ermögliche es laut Niestroijs Kollegen Ralf Lamberti, verantwortlich für die Interaktion mit dem Kunden, "Fragen zu beantworten, bevor sie jemand überhaupt stellt".
Zum Beispiel ist es hier wie an keinem anderen Ort der Welt offenbar möglich, dass der Mercedes-Partner NVDIA einen brandneuen Superchip entwickelt: Der Tegra X1 schafft eine Billion Rechenoperationen pro Sekunde - ideal, um Mercedes-Benz zum Beispiel beim intelligenten Infotainment der in Sunnyvale entstandenen Studie "Concept IAA" zu unterstützen.
Wo Mercedes-Benz 1995 als erster Automobilhersteller überhaupt die Nähe zur innovativen IT-Branche suchte, und wo Unternehmen wie Apple, Google, Amazon, ebay oder Facebook ihre Hauptquartiere haben, liege im Silicon Valley auch für den klassischen Autohersteller der Schlüssel zu weiteren Innovationen der Zukunft. Was die Entwickler und Forscher der schwäbischen Traditionsmarke bisher in Sunnyvale erarbeitet haben, kann sich durchaus sehen lassen. Zum Beispiel die Eigenentwicklung des internetbasierten Infotainmentsystems "Comand" einschließlich 30 Apps in 28 Sprachen für 80 Länder - diese helfen dem Daimler-Kunden unter anderem bei der Parkplatzsuche.
Mit Unterstützung durch das umliegende Netzwerk an Spezialisten habe sich in Sunnyvale die besondere Innovationskraft der 240 Mitarbeiter entwickelt, die im Silicon Valley als Teil des weltweiten R&D-Netzwerks von Mercedes-Benz agierten. Bis heute kamen neben Design viele neue Entwicklungsfelder hinzu, so etwa autonomes Fahren. Dessen ethische Probleme, die neben technischen Fragen noch zu lösen sein werden, behandeln die Forscher und Entwickler von Mercedes-Benz in Sunnyvale unter anderem in Zusammenarbeit mit Philosophie-Professoren der Universität Stanford. Diese Abteilung agiert im Silicon Valley unter der Führung von Axel Gern noch nicht seit 20 Jahren, sondern erst seit 20 Monaten. Gern zeigt spannende Visionen auf: Etwa, dass der Fahrer an einem zentralen Ort aussteigt und das Auto selbstständig zu einem entlegenen Parkplatz fährt - und auch wieder von dort zurückkehrt, sobald man es per App anfordert. Allerdings, so Axel Gern: "Bis dahin ist es noch ein weiter Weg."
Beim automatisierten Fahren wie zum Beispiel auch bei besonders kundenfreundlicher Bedienung im Auto spielt "Machine Learning" eine immer größere Rolle. So sollen Instrumente in bestimmten Situationen nur jene Funktionen anzeigen, die der Fahrer erfahrungsgemäß auch benötigt. Das Wissen über die Gewohnheiten und Vorlieben des Piloten eignen sich die Maschinen nach und nach an. Laut "Connected-Car"-Ingenieur Rigel Smiroldo entstehe so ein Vertrauensverhältnis zwischen Fahrer und Auto: "Der Entwickler sieht voraus, was die Maschine tun wird."
Dabei spürt man ihn wieder: Den speziellen Spirit von Silicon Valley. Laut Eric Larsen, bei MBRDNA verantwortlich für Gesellschafts- und Technologieforschung, habe man es hier mit einer einzigartigen Konzentration von fähigen Menschen zu tun. Somit biete das Valley eine unvergleichliche Kultur aus Risiko, Geschwindigkeit und Flexibilität. Jeder erdenkliche Spezialist sei maximal 30 Autominuten entfernt. "Hier siehst Du alles Neue zuerst."
Eine Atmosphäre, in der sich Mercedes-Benz als erster Autohersteller wohlfühlte, und die seit 1995 intensiv für weitere Innovationen genutzt wird - laut einhelliger Meinung der MBRDNA-Führungskräfte in Zukunft mehr denn je, um weiterhin Fragen im Voraus zu beantworten.
Ralf Schütze
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto RATGEBER wurde von Ralf Schütze (vm) am 30.09.2015, 13:19 Uhr veröffentlicht.
