Konrad Winterstein (vm) - 22. September 2015, 15:09 Uhr - 4x4 Allrad NEUHEITEN
Ford Focus RS: Warten auf den Rocker
Wer Power-Kompakte für Unfug hält, kann nun aufhören zu lesen. Allen anderen sei mitgeteilt, dass Ford-Händler nun Aufträge für den neuen Focus RS entgegennehmen. Die Auslieferung startet Anfang kommenden Jahres. Gentlemen, start your Online-Banking-Account!
Damit hält der Kompakte aus Köln gehörig Respektabstand zur deutschen Premium-Konkurrenz. Die besteht im Grunde nur aus einem besonders dynamischen Duo, nämlich dem Mercedes A 45 AMG und dem Audi RS3 Sportback. Nach dem jüngsten Facelift trumpft der Mercedes mit 381 PS auf, der Audi lässt es bei 367 PS bewenden. Nicht sehr weit weg von diesen Werten findet sich der neue Focus RS mit seinen 257 kW/350 PS, und über dieses kleine Manko kann sicherlich ein Blick auf die Preise der Konkurrenten helfen: Beide liegen jenseits der 50.000 Euro-Schwelle. Da schluckt der Interessent und findet den Focus vielleicht noch einmal so attraktiv.
Bitter aufstoßen wird dem einen oder anderen RS-Fan, dass es der so einzigartig grollende Fünfzylinder des Vormodells nicht mehr in die Jetztzeit geschafft hat. Ford pflanzt dem RS den 2,3 Liter großen Vierzylinder aus dem Ford Mustang ein, der in dem kompakten Viertürer 440 Newtonmeter - im Powerboost-Modus sogar für 15 Sekunden 470 Nm - in den hoffentlich sehr biegesteifen Kurbeltrieb und die sich anschließenden Teile der Kraftübertragung schickt.
Die fällt nun eindeutig komplexer aus als bisher, denn der Vorderradantrieb des Vorgängers ist einem Allradantrieb gewichen. An der Hinterachse kommen gleich zwei elektronisch gesteuerte Differential-Getriebe zum Einsatz, die die Kraft dosiert zwischen den 235 Millimeter breiten 19-Zöllern aufteilen und so das Fahrverhalten und die Traktion verbessern sollen. Dem gleichen Zweck dienen elektronisch verstellbare Stoßdämpfer und Feinschliff am gesamten Fahrwerk, das hohe Lenkpräzision, gute Kontrollierbarkeit und jede Menge Spaß verspricht.
Denn Ford ließ es sich nicht nehmen, dem RS eine Reihe von Fahrprogrammen mit auf den Weg zu geben. So wie der Mustang ein Programm für den automatisierten Burnout mit dickem Qualm an den Hinterrädern implantiert bekam, so findet sich im RS zum Beispiel ein Drift-Modus. Wer sich Videos aus der Rallye-WM oder solche des bei Ford unter Vertrag stehenden Driftkünstlers Ken Block anschaut, weiß, wo das hinführen kann. Wie in besten Hecktriebler-Zeiten geht der Focus RS auf Wunsch richtig quer um die Ecken. Allen Heißspornen sagt Ford allerdings sehr deutlich, dass "Drift" ebenso wie der "Race"-Modus für die Nutzung auf abgesperrten Strecken gedacht ist und nicht fürs Schaulaufen im Kreisverkehr vor der Eisdiele.
Ford gibt also mit dem Focus RS ein wenig den erdigen Rocker, der gern mal am Feierabend fünf Bier trinkt, anstatt im angesagten Szene-Club am Longdrink zu nippen. Kräftig zupackende Schalensitze und teilweise ins Martialische spielende Karosserie-Anbauteile sowie spezielle Farben gehören ebenso zum RS-Look. Dass der Focus RS nicht bei 250 km/h abgeregelt ist, passt irgendwie zum wilden Urban Outlaw-Habitus des Kölner Knallers: Erst bei 266 km/h soll Ende sein im mächtig beflügelten Ford, der in nur 4,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen und sich laut Norm mit lediglich 7,7 Litern Super auf 100 Kilometer begnügen soll.
Konrad Winterstein
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEUHEITEN wurde von Konrad Winterstein (vm) am 22.09.2015, 15:09 Uhr veröffentlicht.
