Hanne Lübbehüsen/SP-X - 30. Juli 2015, 12:37 Uhr - 4x4 Allrad RATGEBER
Buchvorstellung: Schatzkammer - Die wichtigsten Exponate des Volkswagen-Museums - Warum wurde der bl
Blättern, lesen, staunen: Dieser reich bebilderte Museumskatalog ist auch interessant, wenn man das zugehörige Museum nicht besucht.
Darunter finden sich natürlich bis aufs feinste Detail restaurierte, heute heißbegehrte Oldtimer wie ein T1 Samba aus 1962 oder ein Hebmüller Käfer Cabrio von 1949/50. Ein Kapitel zeigt mehr oder weniger bekannte Derivate des Käfers, auch der Golf kommt nicht zu kurz. Doch drängen sich die Pretiosen in der sachlichen Inszenierung der Modelle nicht in den Mittelpunkt, vielmehr stehen sie gleichberechtigt zwischen Prototypen, Volumenmodellen, Kleinserien oder Einzelstücken.
Für einen Vollblut-VW-Fan dürften die kurzen Texte unter vielen der bekannten VW-Modelle zu wenig in die Tiefe gehen und eher der freundlichen Bestätigung des eigenen Wissens dienen. Doch spätestens die 27 Seiten auf denen Studien und Unikate der Marke von 1955 bis 2013 vorgestellt werden, finden auch bei VW-Kenner intensive Betrachtung. Selbst wenn man vor mancher - aus heutiger Sicht - optischer Geschmacksverirrung gerne die Augen verschließen würde: Wie vor dem offenen Vario I von 1990, der den Beach-Buggy beerben und mit wildem Mustermix und knalligem Interieur inklusive Sony-Kasettenrekorder punkten sollte.
Auch zwischendurch haben die Autoren immer wieder interessante Sonderlinge unter die bekannten Modelle gemischt. So beispielsweise einige der in Brasilien gebauten VW-Fahrzeuge, wie der VW Gol (sic) als GTI-Version, ein Mix aus Polo und Golf. Oder der von Karmann do Brasil im VW-Auftrag gebauten Sportwagen SP aus den 70er-Jahren, der mit seinem rassigen Äußeren alten Porsche 911 Konkurrenz machen könnte - allerdings leistete sein Vierzylinder-Boxer nur 48 kW/65 PS.
Aber auch Vorboten einer neuen Zeit, wie den Passat II Electronic, der 1983 versuchsweise mit Fernseher im Fond, Navi, Serviceintervallanzeige und Ladedruckanzeige für den Fünfzylinder ausgestattet wurde. Oder den Golf IV als Hybridvariante von 2002.
Wie auch im Museum selbst, so ist auch in diesem Katalog für jeden Autoliebhaber etwas dabei. Gucken und staunen, in Erinnerungen schwelgen, Wissen auffrischen, über Sinn und Unsinn philosophieren oder Autos nachtrauern, die es nie in die Serie geschafft haben - der Verwendungszweck ist vielfältig. Die nüchterne Gestaltung in Katalogform passt dabei zum Museums-Charakter und gibt einen umfassenden Überblick über die verschiedensten Modelle ab 1943. Zu manchem Auto hätte man gerne detaillierte Fotos gesehen oder mehr erfahren - aber dafür muss man dann wohl wirklich nach Wolfsburg reisen.
Schatzkammer - Die wichtigsten Exponate der Sammlung des Automuseum Volkswagen
128 Seiten, Format 22x25 cm, kartoniert
16,90 Euro (D) ISBN 978-3-667-10260-7
Delius Klasing Verlag, Bielefeld
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto RATGEBER wurde von Hanne Lübbehüsen/SP-X am 30.07.2015, 12:37 Uhr veröffentlicht.
