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Ole Dietkirchen/SP-X - 7. Mai 2015, 14:24 Uhr - 4x4 Allrad RATGEBER

Leser fragen - Experten antworten - Kann ein Airbag verletzen?

Ein Airbag soll eigentlich Leben retten. In bestimmten Fällen kann er aber auch verletzen.

Frage: Mein Auto hat mehrere Airbags, ich habe mal gehört, dass die mich auch verletzen  können, wenn sie sich bei einem Unfall mit Wucht plötzlich aufblasen. Stimmt das?

Antwort von Hans-Georg Marmit, Kfz-Experte der Sachverständigen-Organisation KÜS: Airbags lösen nur bei schwereren Unfällen aus. Dann schnellt der Luftsack mit bis zu 500 km/h  heraus, damit er schnell genug aufgeblasen ist, um den Insassen aufzufangen. Dabei kann der Airbag die Häufigkeit und Schwere von Kopfverletzungen reduzieren. In Einzelfällen kann es dabei zu leichten Verletzungen wie Verbrennungen an den Unterarmen oder Hörschäden kommen. Sie sind dem Schutzpotenzial des Airbags aber unter zu ordnen, heißt: Ohne Airbag wäre die Verletzung in den allermeisten Fällen viel schlimmer. Denn seit der flächendeckenden Einführung von Airbags etwa ab den 1990er Jahren ist dieses Sicherungssystem - nach dem Anschnallgurt - Lebensretter Nummer zwei.

Das gilt aber nur, solange der Passagier richtig sitzt. Legt der Beifahrer beispielsweise die Füße lässig auf das Armaturenbrett, kann das Auslösen des Airbags für ihn gefährlicher sein, als der eigentliche Crash es wäre: Denn der Luftsack katapultiert ihm die eigenen Knie ins Gesicht.

Auch ein weit vorgelehnter Oberkörper ist gefährlich, das gilt auch für einen Fahrer, der sehr nach am Lenkrad sitzt - mindestens 25 Zentimeter Abstand empfehlen Unfallforscher. Der auslösende Airbag kann sonst den Kopf mit Gewalt nach hinten schlagen. Optimalen Schutz bietet das Sicherheitssystem nur einem aufrecht Sitzenden. Ebenso wichtig sind ein straff angelegter Gurt und eine in Höhe des Scheitels abschließende Kopfstütze.

Auch für Kinder, die vorn mitfahren, ist das eigentlich lebensrettende Luftkissen gefährlich: Transportiert man ein Kleinkind in einer Babyschale mit dem Kopf in Fahrtrichtung auf dem Beifahrersitz, muss der Airbag dort deaktiviert werden, ob und wie das geht, steht in der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs. Bei einem Unfall katapultiert der Luftsack sonst den Kindersitz nach hinten und kann dem Baby schwere Kopf- und Nackenverletzungen zufügen. Bei größeren Kindern, die im Kindersitz Fahrtrichtung auf dem Beifahrerplatz sitzen, muss man genau auf den Abstand zum Airbag achten, er darf weder zu klein noch zu groß sein. Auch dürfen sich die Beine des Kindes nicht in dem Entfaltungsbereich befinden. In der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs und des Kindersitzes finden Sie im Zweifel Hinweise, wie das Kind auf dem Beifahrersitz gesichert werden muss.

Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto RATGEBER wurde von Ole Dietkirchen/SP-X am 07.05.2015, 14:24 Uhr veröffentlicht.