Ralf Loweg (vm) - 23. Februar 2015, 10:49 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Formel E: Elektroautos rasen auch durch Moskau
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Größer könnten die Gegensätze im Motorsport kaum sein: In der Formel 1 klagen die Fans und die Fahrer über die viel zu leisen Hybrid-Motoren. Die Konsequenz: In dieser Saison wird es wieder lauter. Denn die Ingenieure der Teams fahren den Geräuschpegel bei den Triebwerken jetzt deutlich nach oben. Mit bis zu 145 Dezibel sollen die Motoren dröhnen, das ist lauter als ein Düsenjäger.
Ganz anders hört es sich in der Formel E an. Die erste Serie mit rein elektrisch angetriebenen Rennautos kommt beinahe lautlos daher. Trotzdem sind die Rennen jederzeit spektakulär und die Zuschauer begeistert. Es gibt dort jede Menge Überholmanöver, es ist spannend, es ist immer aufregend. Und ganz vorne mischt von Anfang an der einzige deutsche Rennstall in dieser Serie kräftig mit: Denn das Abt-Team aus Kempten im Allgäu drückt der Formel E zusammen mit Technik-Partner Schaeffler seinen Stempel auf.
Der Brasilianer Lucas di Grassi vom Abt-Team führt ab dem ersten Rennen in Peking die Fahrer-Gesamtwertung an. Für einen Konzern wie Schaeffler wäre es natürlich von sehr großer Bedeutung, den ersten Weltmeister dieser Rennserie zu präsentieren. Das wäre sicher ein eindrucksvoller Beleg für das technische Know-how und die sportliche Kompetenz des Unternehmens. Und die nächsten beiden Rennen finden auf dem wichtigen US-Markt statt: Am 14. März fährt die Formel E in Miami im Bundesstaat Florida, am 4. April geht es dann nach Long Beach in Kalifornien.
Wie beliebt die neue Rennserie inzwischen auch bei den Veranstaltern ist, zeigt sich jetzt bei einem "fliegenden Wechsel". Rio de Janeiro musste als Schauplatz passen, dafür springt nun Moskau ein. In der russischen Hauptstadt geht am 6. Juni das neunte und vorletzte Rennen über die Bühne. Das große Saisonfinale steigt am 27. Juni in London. Auch für das einzige deutsche Rennen hat diese Änderung im Renn-Kalender Auswirkungen: Der E-Grand-Prix von Berlin wird dadurch um eine Woche vorverlegt und findet jetzt am 23. Mai statt.
"Wir freuen uns, Moskau als Austragungsort zu begrüßen", erklärt Formel-E-Boss Alejandro Agag. Die Russen hätten internationale Events immer mit Leidenschaft und Enthusiasmus durchgeführt. Als jüngstes Beispiel dafür stehen sicher die Olympischen Winterspiele in Sotschi. "Wir sind sicher, dass es auch in der Formel E so sein wird. Wir haben keinen Zweifel, dass dieses Rennen für Teams, Fahrer und Fans ein fantastisches Spektakel sein wird."
Werbung in Sachen E-Mobilität kann Moskau sicher gut gebrauchen. In der 15-Millionen-Metropole ist die Luftverschmutzung durch die Autos enorm hoch. Bisher ist es mit dem Umweltbewusstsein der Russen allerdings nicht weit. Vielleicht kann da die Formel E jetzt ein Umdenken einleiten oder zumindest einen Denkanstoß liefern. Das jedenfalls erhoffen sich auch die Teilnehmer und Sponsoren dieser Rennserie. Für sie steht fest: Wer als Zuschauer von der Formel E begeistert ist, der kommt bei seinem nächsten Autokauf möglicherweise auch auf den E-Geschmack.
Russland spielt in diesem Jahr ohnehin eine Hauptrolle auf der großen Motorsport-Bühne. Denn nach dem Gastspiel der Formel E macht das Deutsche Tourenwagen Masters (DTM) am 30. August in Moskau Station. Und am 11. Oktober fährt die Formel 1 in der Olympiastadt Sotschi. Diese Rennstecke hat übrigens ein Deutscher entworfen: Der Aachener Architekt Hermann Tilke hat den beeindruckenden Kurs gebaut. Etwa die Hälfte aller Formel-1-Rennstrecken gehen damit auf das Konto von Tilke. Die Vorgaben an den Architekten sind klar: Die Rennstrecken müssen für die Fahrer anspruchsvoll sein, auf der anderen Seite steht die Fernseh-Tauglichkeit im Vordergrund: Das heißt: Für den Zuschauer im heimischen Wohnzimmer muss die Kamera jeden Meter auf der Piste einfangen.
Ebenfalls wichtig: Die Logos der Sponsoren rund um die Rennstrecke müssen überall deutlich sichtbar sein. Schließlich bezahlen die Werbepartner viel Geld für ihr Engagement im Motorsport. Dafür verlangen sie Erfolg und natürlich Beachtung. Auch Weltkonzerne wie Schaeffler wollen durch ihre Präsenz in der Formel E, der Sportwagen-WM oder in der DTM das Geschäft als Autozulieferer ankurbeln. Diese Rechnung ist bislang prima aufgegangen.
Ralf Loweg
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Ralf Loweg (vm) am 23.02.2015, 10:49 Uhr veröffentlicht.
