Wolfram Nickel/SP-X - 17. Februar 2015, 15:43 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Tradition: 40 Jahre Volvo 265 Kombi - Schwedischer Vorreiter
Vom Langeweiler zur Legende mauserte sich der Volvo 265 Kombi. Vor 40 Jahren schickten die Schweden erstmals einen Lademeister mit Sechszylinder und Platz für Kind und Kegel ins Rennen. Von Trend der Kombi-Gattung profitierten jedoch die anderen.
Die Vorstellung des Volvo 265 war eine kleine Sensation. Wagte sich der skandinavische Sechszylinder doch auf neue Wege, die bis dahin von kaum einem europäischen Kombi befahren worden waren. Für Furore gesorgt hatte bis dahin allein Ford, denn die Flotte aus 20 M- und Granada-Turnier kombinierte erstmals V6-Komfort mit großer Frachtkapazität. Global aber fiel nun dem Volvo 265 die Aufgabe des luxuriösen V6-Trendsetters im angesagten Landhausstil zu. Eine Rolle, die der Schwede auf überraschende Weise ausfüllte. Glänzte er doch kaum mit eigenen Verkaufserfolgen, bereitete stattdessen den Boden für eine neue Kombi-Gattung.
Als Prototypen hatte Volvo einen ersten Nobel-Kombi bereits einige Jahre zuvor auf Basis des 1968 eingeführten Flaggschiffs 164 realisiert, aber nicht in Serie gehen lassen. Nicht nur, weil damals noch der Mut zu einem Kombi als Spitzenmodell der Marke fehlte, sondern auch weil der Radstand des 164 zu sehr differierte vom Volvo 145 und die Kosten für einen eigenständigen 165 zu hoch gewesen wären. Als Volvo jedoch die Baureihen 140/160 zum 240/260 weiterentwickelte, wurden die kostspieligen konstruktiven Unterschiede zwischen den Vier- und Sechszylinderbaureihen eliminiert. So war es jetzt ein leichtes, die Volvo-Limousine 264 auch als Kombi 265 anzubieten.
Werktags in die Firma und am Wochenende mit dem Racer auf dem Trailer zur Rennstrecke, das war es, was vielen wohlhabenden Amerikanern und Briten - Volvos zweitgrößter Exportmarkt - Freude bereitete. Der 92 kW/125 PS starke 265 war dafür das ideale Zugfahrzeug, zumal es ihn von Beginn an mit sanft schaltender Drei-Gang-Automatik gab. Auch in Deutschland fand der mit 28.900 Mark damals teuerste Volvo als Zugfahrzeug Fans, auch weil der Reitsport und die entsprechenden Pferdeanhänger gerade immer mehr in Mode kamen.
Dennoch lagen die weltweiten Verkaufszahlen des Volvo weit hinter den Erwartungen, gerade einmal 8.100 Einheiten konnte Göteborg im ersten Jahren ausliefern. Woran lag's? Weniger am rauen Lauf des Sechszylinders, der aus einer Kooperation zwischen Peugeot, Renault und Volvo hervorgegangen war. Auch die vergleichsweise bescheidenen Fahrleistungen früher Volvo 265 - Vmax 165-170 km/h, 0-100 km/h in 12 bis 13 Sekunden - störten die meisten Kombikäufer nicht ernsthaft.
Problematischer waren dagegen die Premium-Positionierung des Volvo, an die sich die Kunden beiderseits des Atlantiks ebenso gewöhnen mussten wie an die stolzen Verkaufspreise des Nobelfrachters: 1976 kostete ein 265 in Deutschland genau so viel wie eine Mercedes-Benz S-Klasse. Eine der Oberklasse angemessene Ausstattung lieferte Volvo aber erst zum Modelljahr 1978 mit dem 265 GLE nach.
In jenen frühen 1980er Jahren wartete der Volvo 265 jedoch bereits auf seine Ablösung, die der 1982 vorgestellte Volvo 760 andeutete. 1985 war es dann soweit: Das neue Spitzenmodell der Schweden nannte sich 760 Kombi-Limousine und zählte zu den Megastars des Genfer Salons. Zeit für den altgedienten Volvo 265, sich still und leise aufs Altenteil zurückzuziehen. Von dort aus konnte der Pionier der Premiumkombis dann in Ruhe beobachten, wie weit er seiner Zeit wirklich vorausgeeilt war. Dauerte es doch noch bis Mitte der 1990er Jahre, bis die meisten Marken wirklich im Konzert exklusiver Kombis mitspielten.
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