Patrick Broich/SP-X - 17. Februar 2015, 10:09 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Lichttechnik der Gegenwart und Zukunft - Audis fliegende Lichtspiele
Wer noch in den Neunzigern von Hightech im Auto sprach, meinte eher nicht die Scheinwerfer. Heute ist das anders: Die Lichttechnik gehört durchaus zu den komplexen Komponenten eines Fahrzeuges. Ihre Möglichkeiten sind noch längst nicht ausgeleuchtet.
Die Technik ist bereits so weit vorangeschritten, dass der Lichtspender bestens vernetzt ist. Er kann sich einstellen auf die Straßenverhältnisse; kennt Parameter wie Streckenverlauf oder Verkehr. Er bekommt GPS- und Kartendaten bereitgestellt sowie Infos aus dem Kamerasystem, um sicherzustellen, dass Fußgänger und entgegenkommende Fahrzeuge auch bei maximaler Ausleuchtung nicht geblendet werden. Dieses Ziel wird bei Audis so genanntem Matrix-Scheinwerfer (rund 2.000 Euro Aufpreis je nach Modell) erreicht, indem gezielt Licht-Segmente ein- und ausgeschaltet werden. Auf diese Weise werden Leuchtwinkel respektive Leuchtbreite verändert, so dass der Lichtstrahl bestimmte Bereiche nicht mehr erfasst.
Längst ist der Scheinwerfer auch zum ästhetischen Element am Auto geworden. Ganze Design-Abteilungen beschäftigen sich mit der Fragestellung, wie die Leuchteinheiten selbst zu Hinguckern werden. Aus müde dreinschauenden Augen mit matten Streuscheiben ist der gläserne Technik-Strahler geworden, den man gut und gerne mal ein paar Minuten anstarren kann. Dann fallen filigrane Details ins Auge wie Linsen und Lichtleiter, oder Bauteile aus gebürstetem Aluminium, wie Gestalter Thomas Bühner erläutert. Außerdem fällt auf, dass die Linie der Scheinwerfer mit jener der relevanten Blechteile korrespondiert. Dabei kommt auch schlichte Funktionstechnik nicht zu kurz. So macht sich der Scheinwerfer mittels Belüftungssystem die Abwärme der Leuchtmittel (bei LED immerhin um 150 Grad Celsius) zunutze, um die Abdeckgläser beschlag- und eisfrei zu halten. Das ist zwar nicht der neueste Clou - doch im Winter höchst sinnvoll.
Glaubt man Stephan Berlitz, Audis Leiter für Lichtfunktionen, gehört dem Laserlicht die Zukunft. Es sorgt nicht nur für eine Verdopplung der Fernlicht-Reichweite gegenüber heutiger LED-Lösungen, sondern bietet praktische und sicherheitsrelevante Nebeneffekte. So kann es beispielsweise Linien auf die Straße ,,malen" und unsicheren Fahrern anzeigen, ob sie in der engen Baustelle genügend Platz haben, um den LKW zu überholen. Denkbar wären auch Funktionen, bei denen Navigationspfeile auf die Fahrbahn projiziert würden. Von moderner Lichttechnik profitierten übrigens nicht zwingend nur die Käufer teurer Oberklasse-Modelle, die üblicherweise als erste in den Genuss teurer Features kommen. Eine wirkungsvolle Laser-Nebelschlussleuchte könnte dem Hintermann zum Beispiel per Grafik anzeigen, wie weit er noch entfernt ist - ganz egal, in welchem Auto er gerade sitzt.
Aber nicht nur die Außenbeleuchtung ist ins Visier der Entwickler geraten. Auch innen dürfte sich bald eine Menge tun. Großflächige, mit LED ausgestattete Zonen könnten mit dem Fahrer kommunizieren, indem sie von Assistenzsystemen gemeldete Warnsignale visuell umsetzen. Technisch ist das kein Problem - schon in wenigen Jahren dürften solche Lösungen in Serienmodelle einziehen.
Eher nach 2040 dagegen sehen die Entwickler Leuchtquellen, die sich physisch vom Fahrzeug entfernen können und wie eine Drohne vor dem Auto herschweben. Was heute nach Science Fiction klingt, könnte dennoch eines fernen Tages Realität werden. Dazu gehört vielleicht auch die Möglichkeit, das ganze Auto leuchten zu lassen, indem man eine organische Paste auf die Oberfläche gibt. Sobald sich der Fahrer mit Schlüssel in der Hosentasche seinem Wagen nähert, weist es ihm leuchtend den Weg - äußerst effektvoll zwar, doch am Ende eher eine Spielerei.
Ob die Behörden allen technischen Auswüchsen ,,grünes Licht" gäben, steht wiederum auf einem ganz anderen Blatt. Bei einem Versuch installierten die Ingenieure eine quasi frei konfigurierbare TFT-Fläche am Wagenheck, um dynamische Schlussleuchten darzustellen, die das Licht ,,fließen" lassen. Der einzige Effekt wäre wohl, den Hintermann zu verwirren. Man müsse eben auch mal ein bisschen abstrakt und vor allem in verschiedene Richtungen experimentieren, verteidigen sich die Techniker.
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Patrick Broich/SP-X am 17.02.2015, 10:09 Uhr veröffentlicht.
