Hanne Lübbehüsen/SP-X - 12. Februar 2015, 11:48 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Marode Brücken - Hausgemachte Probleme
Eingeschränkt befahrbare oder gesperrte Brücken - das erleben wir in Zukunft wohl öfter. Schuld sind Versäumnisse aus der Vergangenheit.
Ein Brückenpfeiler hatte sich im Rahmen von Renovierungsarbeiten verschoben, die Brücke selbst sich um 30 Zentimeter gesenkt. Experten begutachten den Schaden nun vor Ort, erst kommende Woche wollen sie eine Aussage treffen, wann der Rhein-Überweg wieder befahrbar ist.
Ein aktuelles Beispiel, das für viele sanierungsbedürftige Bundesstraßen- und Autobahnbrücken steht. Geschwindigkeitsbeschränkungen oder sogar Fahrverbote für Lkw wie auf der Leverkusener Rheinbrücke in NRW oder zeitweise auf der Rader-Hochbrücke in Schleswig-Holstein sind eine deutschlandweit verbreitete Folge.
Vor allem der wachsende Güterverkehr ist Grund für die zunehmende Sanierungsbedürftigkeit. Ein großer Teil der Autobahnbrücken stammt aus den 60er- und 70er-Jahren, als das Autobahnnetz umfassend ausgebaut wurde. Damals wog der durchschnittliche Lkw 26 Tonnen, heute sind es 44 Tonnen. Neben dem Gewicht stiegen auch die Anzahl der Lkw und die Transportleistung rasant an. Im Jahr 1970 legten Lkw in Deutschland 28,2 Milliarden Kilometer zurück, 30 Jahre später waren es bereits 71,8 Milliarden Kilometer, so die Zahlen des Bundesverbands Güterkraftverkehr.
Alleine vom Jahr 2000 bis 2013 stieg die Transportleistung der Lastwagen auf deutschen Straßen nach Zahlen des Bundesverkehrsministeriums von 177,6 Milliarden Tonnenkilometern auf 238,7 Milliarden Tonnenkilometer. Mit einem derart massiven Anstieg der Verkehrslasten hatte man in der Planungsphase vor rund 50 Jahren nicht gerechnet. Erschwerend kommt hinzu, dass ein LKW mit zweimal zehn Tonnen Achslast auf der Autobahn laut ,,Straßen NRW" die gleiche Zerstörungswirkung wie 60.000 PKW hat.
Wie das Verkehrsministerium im Verkehrsinvestitionsbericht für das Jahr 2012 aus dem vergangenen Jahr angibt, sind nur 14 Prozent der rund 39.000 Bundesfernstraßenbrücken in einem guten oder sehr guten Zustand. Ein Drittel sind lediglich ausreichend. Weitere 14 Prozent der Brückenfläche bewertet das Ministerium mit nicht ausreichend oder sogar ungenügend. Für rund ein Viertel der Gesamtbrückenfläche bestehe kurz bis mittelfristig Instandsetzungs- oder Erneuerungsbedarf.
Dass etwas getan werden muss, weiß man allerdings schon seit Ende der 90er Jahre, so der ADAC. ,,Aber zu lange wurden lieber Neu- und Ausbauprojekte umgesetzt, als bestehende Bauwerke saniert", so Jürgen Berlitz, Referenz für Straßenverkehrsplanung beim Autoclub. Auch im neuen Verkehrswegeplan 2015/2016 hätten die Bundesländer wieder viele Neubauprojekte, wie Ortsumgehungen angemeldet. Da frage man sich, ob das Thema wirklich angekommen sei, kritisiert der Experte.
Auch die Schiersteiner Brücke ist schon länger Sorgenkind, seit 2013 wird nebenan bereits an einem neuen Überweg gebaut, der allerdings erst 2019 fertiggestellt werden soll. Der Neubau wird auch vom Verkehrsministerium gefördert. Eine zusätzliche Milliarde hatte der Verkehrsminister im vergangenen Jahr freigegeben, um marode Brücken zu sanieren. Damit können allerdings nur 78 Bauwerke unterstützt werden.
Sorgen beim Überfahren einer Brücke muss man sich grundsätzlich aber nicht machen. ,,Ein Spontanversagen ist sehr unwahrscheinlich", meint Berlitz. Die Brücken seien so gebaut, dass sich das Versagen ankündigt, zum Beispiel durch Risse, die bei der Prüfung der Bauwerke entdeckt würden, wie jetzt an der Schiersteiner Brücke.
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Hanne Lübbehüsen/SP-X am 12.02.2015, 11:48 Uhr veröffentlicht.
