Wolfgang Peters (vm) - 3. Februar 2015, 13:20 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Italienische Wundertüte aus der Türkei : Fiat Dobló, vierte Generation
Manche Autos sind wie Wundertüten.
Die vierte Generation des Fiat Dobló entfernt sich stärker als der Vorgänger vom Nutzfahrzeug. Fiat konzentriert sich damit konsequenter auf Familien und möchte im Vergleich zu den modischeren SUVs mit mehr Komfort und einem größeren Platzangebot punkten. Das könnte auch eine freizeitorientierte Kundschaft schätzen. Mehr Tauch-, Bergsteig- oder Campingausrüstung schluckt kein vergleichbar großes Sport Utility Vehicle.
Der wie bisher als Hochdach-Kombi in unterschiedlichen Höhen ausgelegte Dobló 2015 bietet mehr Fahrkomfort, eine bessere Materialauswahl, ein neues Multimediasystem, hohe passive Sicherheit und einige optische Veränderungen an Bug und Heck. Unverändert bleiben das großzügige Platzangebot, die hohe Variabilität des Innenraums und die Vielfalt der auf höhere Sparsamkeit getrimmten Motoren. Zudem kann der Käufer zwischen zwei Radständen wählen und sich für fünf oder sieben Sitzplätze (Version Family) entscheiden. Zusammen mit dem gewerblichen Schwestermodell Qubo wurden bisher vom Dobló über 1,4 Millionen Exemplare gefertigt. Wie bisher wird der nützliche Fiat im türkischen Bursa produziert.
Das Fiat-Design hat auch beim neuen Dobló nichts übrig für Romantik oder emotionale Tradition. Dafür gibt es den Verkaufsschlager Cinquecento oder den charmant-einfachen Panda. Immerhin trägt der in einer Auswahl von elf Farben angebotene neue Dobló ein freundlicheres Kühlergesicht mit einer Zahnspange aus Chrom, mit der die größeren und höher positionierten Scheinwerfer verbunden sind. Unter diesem oberen Lufteinlass sitzt, stabil untergebracht, das Kennzeichen. Das ist nicht selbstverständlich, manchmal scheinen die Designer die Notwendigkeit der Montage dieses Schildes fast vergessen zu haben. In den Außenspiegeln sind die Blinker intergebracht, was gut für die Verkehrssicherheit, aber schlecht für die Reparaturkosten ist. Denn in engen Gassen oder Parkgaragen werden die teuren Kombinationen aus Rücksicht und Richtungsangabe häufig zum Risiko. Ohne stilistische Extravaganzen bietet der kastenförmige Aufbau vorne zwei weit öffnende Türen und hinten zwei praktische Schiebetüren. Dahinter erstrecken sich ein bequemes Passagierabteil mit zahlreichen Staumöglichkeiten und ein großzügiger Laderaum. Im Heck öffnet sich der Dobló bei Bedarf auf beinahe ganzer Breite und die Ladekante ist in rückenfreundlicher Höhe positioniert. Für den Innenraum stehen neuerdings mehr Möglichkeiten der Ausstattung und der Materialwahl zur Verfügung. Je nach Variante Pop oder Lounge lassen sich Armaturenträger, Passagierkabine und Sitzgelegenheiten in unterschiedlichen Farben kombinieren. Neu gestaltet sind das Lenkrad sowie die Instrumente und etliche Bedienungstasten wurden griffgünstiger positioniert.
Beinahe grenzenlos gibt sich die Variabilität des Innenraums. Nicht weniger als dreißig verschiedene Sitzanordnungen haben die Fiat-Techniker errechnet und gleich um die Zahlen für das Stauvolumen ergänzt: 790 Liter mit kurzem und 1050 Liter für die Version mit langem Radstand bietet der Kofferraum bis zur Abdeckung. Diese lässt sich in unterschiedlichen Höhen einstecken und darf mit bis zu 70 Kilogramm belastet werden. Rekordverdächtig, sagt Fiat seien die Stauvolumen nach dem Klappen der Rücksitze: bis zu 2500 Liter oder bis zu 3200/4000 Liter beträgt das Volumen zur Aufnahme von Gepäck oder Transportgut. Da wird auch mal ein mittelprächtiger Umzug in eigener Regie erledigt.
Für den Marktstart stehen aus der bekannten Triebwerkfamilie zwei Benziner und drei Turbo-Diesel aus der jüngsten Multijet-Generation zur Verfügung. Mit 66 kW/90 PS und 77 kW/105 PS sind die Dobló 1.6 16V Multijet bei einem Normverbrauch von jeweils 5,5 Liter Diesel besonders wirtschaftlich unterwegs. Sie erreichen etwa 160 km/h und knapp 170 km/h. Angenehm leise sowie stark und flott tritt der 2.0 16V Multijet mit zwei Liter Hubraum, einer Leistung von 99 kW/135 PS und einem bärenstarken Drehmoment von 320 Nm an. Seine Spitzengeschwindigkeit liegt bei gut 180 km/h. Alle Motoren treiben über ein Fünf- oder Sechsgang-Schaltgetriebe und in der 90 PS-Diesel-Variante auch über eine automatisierte Fünfgangbox die Vorderräder an. Mit Erdgas oder Benzin fährt eine Version des 1,4-Liter-Vierzylinders, die in Italien 35 Prozent aller verkauften Dobló antreibt. Verbrauchswerte, Kohlendioxidemissionen und Fahrleistungen liegen wie die Preise auf dem Niveau des Vorgängers. Schäppchenjäger können diesen zurzeit noch zu besonders günstigen Tarifen einfahren.
Der neue Dobló ist eine gute Alternative zu allen SUVs in der 20 000-Euro-Klasse. Seine inneren Werte blieben unverändert. Was man nur begrüßen kann.
Wolfgang Peters/mid
Bewertung Fiat Doblo 2.0 16 V Multijet
Plus: Riesiger Innenraum mit hoher Variabilität, einfach zu beladen, guter Federungskomfort, leichtgängige Schaltung, zahlreiche Karosserieversionen, praktische Schiebetüren
Minus: Großer Wendekreis, Langversion unhandlich, hoher Kraftaufwand für Schiebetüren am Bergparkplatz, Zuladung teilweise niedrig
Technische Daten: Fiat Doblo 2.0 16V Multijet
(mit kurzem Radstand)
Viertüriger Hochdachkombi mit Heckklappe, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter 3,97/1,83/1,81/2,51; Kofferraumvolumen 790 bis 2 500 l; Wendekreis 10,6 m (mit 2,76 m Radstand: 11,2 m), Leergewicht 1 255 bis 1 365 kg; max. Zuladung: 435 kg; Tankinhalt 60 Liter.
Motor: 2-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel mit 99 kW/135 PS bei 3 500/min, Sechsgang-Schaltgetriebe, max. Drehmoment 320 Nm bei 1 500/min; von Null bis 100 km/h in 11,3 s, Höchstgeschwindigkeit 181 km/h; Normverbrauch 5,9 Liter Diesel auf 100 km, CO2-Emission: 156 g/km, Preis knapp 25 000 Euro.
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