Walther Wuttke/SP-X - 20. Januar 2015, 15:08 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Fatbikes - SUV zum Strampeln
Was beim Auto funktioniert, kommt anscheinend auch beim Fahrrad an: Geländetauglichkeit gepaart mit Komfort und dicken Reifen. Erfunden wurde die neue Gattung im Schnee.
Fatbikes stammen aus Alaska, wo das halbe Jahr Schnee liegt, ein Umstand, der das Radfahren nicht gerade fördert. Deshalb dachten sich mutige Tüftler die neue Radgattung aus, montierten die überbreiten mindestens 12,5 Zentimeter (5 Zoll) breiten Reifen in entsprechend modifizierte Rahmen, und fertig war ein vollkommen neues Fahrerlebnis.
Mit den Monster-Rädern (Gewicht rund 16 Kilo)  kannten die Alaska-Biker keine Hindernisse mehr. Allein die Muskelkraft entschied, wie weit sich die fetten Reifen durch die Winterlandschaften frästen. Diese Entwicklung begann bereits in den 1980er Jahren, doch es dauerte noch gut zwei Jahrzehnte, bis die Räder in die Kataloge der großen Hersteller rollten und die Zubehörlieferanten den Trend erkannten. Die Entwicklung erinnert an die Mountainbikes, die zuerst in Kalifornien von Amateuren zusammengebastelt wurden, bis der Rest der Welt sich den Trend zu eigen machte.
Geholfen haben dabei auch Beachboys an den amerikanischen Küsten, die mit den Rädern über Strände und durch Dünen fegten, denn was im Schnee funktioniert, macht auch auf Sand eine gute Figur. Ein Trend war geboren, und wenn die Zeichen nicht trügen, werden die ,,fetten Räder" nicht so schnell wieder verschwinden wie zum Beispiel vor einigen Jahren die Cruiser-Bikes, die inzwischen wieder abgetaucht sind. Schließlich sind Fatbikes nicht allein Spaßgeräte für den Schnee, sondern bieten eine ,,große Universalität", so der Produktionschef von Haibike im Branchendienst Pressedienst Fahrrad.
Die dicken Walzen rollen schließlich auch da weiter, wo sich Mountainbikes mit ihren vergleichsweise schmalen 2,5-Zoll-Reifen in Sand, Kies und Schlamm festfahren und folglich Schieben angesagt ist. Die Breitreifen, kombiniert mit einem Luftdruck zwischen 0,4 und einem Bar machen die Räder zu unschlagbaren Geräten im Gelände. Gleichzeitig bieten sie überragende Traktions- und Komfortwerte. Denn obwohl sie auf den Betrachter klobig und unbeholfen wirken, lassen sich die Bikes abseits der asphaltierten Welt leichtfüßig bewegen.
Diese Leichtigkeit des Pedalierens macht das Fatbike aus Sicht ihrer Fans zum idealen Gefährten für Tourenfahrten abseits bekannter Wege. Zum Beispiel eine private ,,Tour de Schnee" per Fatbike, die auch für ungeübte Radler machbar ist, denn inzwischen stehen auch E-Fatbikes im Fachhandel, die endgültig beweisen, dass sich der Trend etabliert hat und die neue Gattung auf dem Markt angekommen ist.
Inzwischen werden die Räder von den bekannten Herstellern angeboten. So bietet die Manufaktur Velotraum zum Beispiel das ,,Pilger" (ab 2.500 Euro) an, das sich nach den individuellen Vorlieben konfigurieren lässt. Das ,,Pilger" ist - Nomen es Omen - vor allem für Reiseradler gedacht. Der Spaß mit den fetten Bikes beginnt bereits bei 1000 Euro für das ,,Double Double 70" von Felt, das unter anderem 20 Gänge und Scheibenbremsen der Mittelklasse bietet. Allerdings muss in dieser Preisklasse auf eine Federung verzichtet werden, doch sichern die breiten Reifen eine ausreichende Federung und Dämpfung, sodass viele Entwickler auf Federgabeln verzichten.
Allerdings bieten die Zulieferer seit Mitte vergangenen Jahres Federgabeln mit den neuen Dimensionen an, sodass Komfort-Süchtige auch in dieser Gattung auf ihre Kosten kommen. Das Fatbike demonstriert auch, wie schnell die Industrie bereit ist, sich neuen Trends zu öffnen. In der Vergangenheit reagierten die Unternehmen bei ähnlichen Neuerungen eher abwartend. Bei den neuen Rädern kennt die Kreativität kaum Grenzen, wurden bereits Studien für Lasten-, Liege- oder sogar Kinderräder gezeigt. Und das alles, weil ein paar Freaks in Alaska auch im Winter Radfahren wollten.
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Walther Wuttke/SP-X am 20.01.2015, 15:08 Uhr veröffentlicht.
