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Holger Holzer/SP-X - 16. Januar 2015, 15:18 Uhr - 4x4 Allrad NEWS

Die Zukunft des Carsharings - Mit Werbung fast gratis fahren

Mit Carsharing Geld zu verdienen ist schwierig. Mitgebühren und Mitgliedsbeiträge decken kaum die Kosten. Doch das Geschäft mit der Gelegenheitsleihe hat in anderer Hinsicht Potential - so viel, dass Kunden künftig vielleicht sogar fast kostenlos fahren könnten.

Carsharing boomt - und bleibt trotzdem in der Nische. Selbst unter Idealbedingungen dürfte die Zahl der deutschen Nutzer in den kommenden fünf Jahren lediglich von aktuell eine auf drei Millionen erhöhen. Das zumindest prognostiziert eine neue Studie von TÜV Rheinland, FSP und BBE Automotive. Die zum Teil erwarteten enormen Wachstumsraten ließen sich so nicht realisieren, heißt es weiter. Die Autohersteller, die in den vergangenen Jahren massiv in den Markt eingestiegen sind, muss das aber gar nicht stören. Sie können auch jenseits von Mietgebühren und Mitgliedsbeiträgen profitieren.

Allein mit dem klassischen Geschäftsmodell scheint großer Gewinn nur schwer möglich zu sein. Anbieter Drive Now etwa, hinter dem BMW und Autovermieter Sixt stehen, hat zwar kürzlich erstmals einen Gewinn im operativen Geschäft vermeldet. Wegen der hohen Anlaufkosten bleibt unter dem Strich aber weiterhin ein Verlust. Eine Expansion in Deutschland über die aktuellen Standorte Berlin, Hamburg, München, Köln und Düsseldorf, ist daher zunächst nicht geplant. Daimlers Konkurrenzangebot Car2go hat sein Angebot zwar zuletzt mit Stockholm auf weltweit 30 Städte ausgedehnt, in Ulm, wo das Projekt 2009 startete, ist aber bereits wieder Schluss. Der Standort war einfach nicht profitabel. In den größeren Städten läuft es zwar möglicherweise besser. Ob dort aber allein durch die Fahrzeugvermietung viel Geld zu verdienen ist, ist ungewiss. Die Unternehmen geben sich in dieser Hinsicht verschlossen.

Stören muss das BMW, Daimler und Co. aber kaum. Die TÜV-Studie sieht auch jenseits des reinen Vermietgeschäfts positive Aspekte. So ließe sich mit den Fahrzeugen - Drive Now setzt etwa den gefragten Mini ein, Car2go vermehrt die gleichfalls attraktive Elektroversion des Smart - Begeisterung der Kunden für die Marke wecken. Auch innovative Technologien könnten durch den Einsatz in Leih-Fahrzeugen bekannter werden.

Zur Goldgrube könnte das Geschäft aber in anderer Hinsicht werden, glaubt zumindest Markus Deutsch von der Beratungsgesellschaft KPMG. Er und sein Team haben ein alternatives Geschäftsmodell entwickelt: personalisierte Werbung auf Basis der während der Fahrt gesammelten Kundendaten. Zumindest potentiell fallen bei der Nutzung haufenweise Informationen über den Fahrer an: Name und Anschrift sind eh bekannt, Routen können über lange Zeiträume aufgezeichnet werden, Fahrtzeiten und -rhythmen lassen Rückschlüsse auf Interessen und Gewohnheiten zu.

,,Denkbar wäre etwa, Werbung von Geschäften im Fahrzeug einzublenden, wenn sie an der Route liegen", sagt Deutsch. Natürlich personalisiert - und vielleicht gleich in Verbindung mit einem Rabatt-Gutschein, der einen ungeplanten Stopp noch einmal attraktiver macht. Auf rund 780 Euro schätzt Deutsch den Wert eines Datensatzes, der das Bewegungsprofil eines Verbrauchers binnen eines Jahres enthält. Wer als Carsharing-Kunde seine Daten zur Nutzung freigibt, könnte im Gegenzug besonders günstige Ausleih-Konditionen erhalten. Im Extremfall wäre selbst eine Gratis-Nutzung denkbar.

Technisch ist die personalisierte Werbung kein Problem. Die Fahrzeuge sind schon zu Abrechnungszwecken mit Online-Verbindungen ausgerüstet, ein Bildschirm ist ebenfalls in der Regel an Bord. Drive Now etwa nutzt ihn schon für sogenannte ,,Partnerangebote". Nutzer finden im Bordmenü etwa ein Pauschalpreis-Paket des Skizentrums Hochzillertal, das sich per Knopfdruck buchen lässt - inklusive Freikilometern für das Carsharing-Auto und Skipass. Auch die Therme Erding oder ein Designer-Outlet in Ingolstadt dürfen an Bord Kunden werben. Allerdings nur, wenn der Fahrer aktiv sucht. Unverlangte Online-Werbung gibt es nicht. Vorstellen kann man sich das künftige Einspielen von derartigen Angeboten prinzipiell aber auch bei Drive Now.

Klar sein dürfte, dass das sogenannte E-Commerce-Geschäft in den kommenden Jahren für die Autohersteller immer wichtiger wird. Die Marktforschungsagentur Gartner schätzt, dass 2017 jeder vierte Automobilhersteller zusätzlich Geld mit im Fahrzeug getätigten Online-Geschäften machen wird. Nicht nur in Carsharing-Autos, sondern auch in ganz normal genutzten Pkw. Und spätestens wenn Autos einmal komplett autonom fahren, dürften die menschlichen Insassen an Bord-Werbung kaum noch vorbei kommen.

Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Holger Holzer/SP-X am 16.01.2015, 15:18 Uhr veröffentlicht.