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Lars Wallerang (vm) - 13. Januar 2015, 14:58 Uhr - 4x4 Allrad NEWS

Neue Studie: Carsharing bleibt Randerscheinung

Der eigene Wagen bleibt für die meisten Autofahrer das Nonplusultra.

Der eigene Wagen bleibt für die meisten Autofahrer das Nonplusultra. Einen Pkw mit anderen zu teilen, kommt bei den meisten Bundesbürgern nicht so recht an. Deshalb wird zwar das Carsharing - das Auto mit anderen teilen - zunehmen, aber die automobile Welt nicht entscheidend verändern. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Gemeinschaftsstudie des TÜV Rheinlands und der Kölner Beratungsgesellschaft BBE Automotive.

Carsharing werde sich zwar zu einem festen Bestandteil zeitgemäßer Mobilität entwickeln, jedoch keine sehr hohen Wachstumsraten erreichen. Derzeit nutzen bundesweit gerade mal eine Million Autofahrer die Angebote der unterschiedlichen Anbieter. Laut der Prognose wird sich der Markt unter den gegenwärtigen Bedingungen bis 2020 immerhin auf etwa zwei Millionen Nutzern verdoppeln. Mit einer Förderung durch die Politik oder die Vernetzung unterschiedlicher Anbieter via Apps könnte die Zahl der Nutzer sogar auf rund drei Millionen steigen. "Damit ist aber die äußerste Grenze erreicht", sagt Gerd Heinemann, Autor der Studie und Mobilitätsexperte bei der BBE.

Unterdessen betonen die Experten, dass sich nur ein Teil der Carsharing-Modelle positiv entwickle: Das jüngste Wachstum beruhe vor allem auf dem Erfolg der sogenannten "Freefloater" wie Car2go (Daimler/Europcar) oder DriveNow (BMW/Mini/Sixt). Kennzeichen dieses Carsharing-Modells ist dessen Flexibilität: Es gibt keine festen Mietstationen. Vielmehr werden die Fahrzeuge auf öffentlichen Parkplätzen in einer bestimmten Region abgeholt und wieder abgestellt. Um 347 000 Nutzer bzw. 189 Prozent ist die Zahl der Free Floating-Nutzer von Januar 2013 bis Juli 2014 auf immerhin 530 000 Nutzer gewachsen. 5 900 Fahrzeuge stehen dafür zur Verfügung. Lediglich um 200 000 Nutzer oder 74 Prozent erhöhte sich im gleichen Zeitraum die Zahl von stationsbasierten Angeboten mit rund 9 000 Autos.

Das so erfolgreiche Free Floating aber habe einen spezifischen System-Nachteil: Das Modell funktioniert nicht auf dem Land. Es scheitert in der weiten Fläche an konzentrierter Nachfrage, woraus sich für die Anbieter auch logistische Schwierigkeiten ergeben. "In einer Flächenstadt wie Bergisch-Gladbach funktioniert das Free Floating zum Beispiel nicht gut", so Heinemann. "Wenn jemand das Auto im Wald abstellt, kommt es da nie wieder weg."

Am weitesten verbreitet seien Carsharing-Fahrzeuge in Ballungsräumen, insbesondere in den Städten Stuttgart, Köln und Düsseldorf. Durch Pilotprojekte steht Karlsruhe mit fast zwei Fahrzeugen pro 1 000 Einwohner im Ranking auf Platz eins. Das größte Potential für die weitere Entwicklungen wird aber in den dicht besiedelten Millionenstädten erwartet, allen voran München mit 4 500 Einwohnern pro Quadratkilometer. Schon heute stehen 60 Prozent der Carsharing-Fahrzeuge in den Millionenstädten, davon alleine 2 900 Stück in Berlin.

Die Nutzer seien typischerweise jung, gut ausgebildet und verfügen über ein relativ hohes Einkommen, sagt Heinemann. Es kämen aber vermehrt Ältere hinzu, was daran liege, dass auch die Online-Generation, die die Nutzung spezifischer Apps auf dem Smartphone beherrsche, in die Jahre komme. Immer mehr Menschen über 50 sollen die Apps souverän beherrschen.

Doch trotz dieser positiven Impulse und Potentiale ist die Akzeptanz des Carsharing bundesweit relativ gering, macht die Studie deutlich. Denn nur 16 Prozent der befragten Autofahrer können sich vorstellen, den eigenen Wagen abzuschaffen und das Autofahren aufs Carsharing zu beschränken. Wie beliebt es in Deutschland ist, hinter dem Lenkrad der eigenen Karosse zu sitzen, spiegelt sich auch in den Zulassungszahlen wider:

Der Pkw-Bestand stieg von 2007 bis 2014 von 41,2 Millionen Autos auf 43,9 Millionen Autos. Für 2020 erwartet BBE hierzulande rund 45 Millionen Fahrzeuge. Solche Zahlen sind vor dem Hintergrund einer sinkenden Anzahl von Bundesbürger von minus 1,3 Prozent zwischen den Jahren 2009 und 2014 besonders bemerkenswert. Mithin bleibt das Carsharing auch zukünftig nur eine Ergänzung auf dem Fahrzeugmarkt und wird dort auch auf lange Sicht keine Revolution auslösen.

Lars Wallerang

Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Lars Wallerang (vm) am 13.01.2015, 14:58 Uhr veröffentlicht.