Ulf Böhringer/SP-X - 13. Januar 2015, 13:40 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Neue Superbikes für 2015 - Leistung ohne Ende
Das Segment der Supersportbikes ist zahlenmäßig klein, aber dennoch bedeutsam: Hier wird technische Kompetenz demonstriert, die auf die gesamte Modellpalette eines Herstellers ausstrahlt. 200 PS sind neuerdings das Minimum.
Auf sehr großes Interesse dürfte die neue Yamaha R1 stoßen. Glatte 200 PS leistet der Tausender-Vierzylindermotor, an elektronischen Regelsystemen ist bis auf ein schräglagenfähiges ABS alles geboten: Ride-by-wire macht verschiedene Motor-Mappings möglich, die Traktionskontrolle ist vielfach justierbar. In der Version R1-M ist sogar ein semiaktives Fahrwerkssystem lieferbar. Das ABS beherrscht auch die Disziplin Racing. Trotzdem liegt das Gewicht mit nur 199 Kilogramm extrem niedrig. Um eine Tausender so zu erleichtern, zog Yamaha alle Register bis hin zu einem Heckrahmen und Rädern aus Magnesium. Angesichts dessen erscheint der Preis von 18.495 Euro durchaus marktgerecht. Wer nicht schon gleich nach Erscheinen im Spätherbst 2014 eine R1-M für 22.995 Euro bestellt hat, muss bis 2016 warten: Ausverkauft, meldet der deutsche Importeur.
Orientiert hat sich Yamaha für seinen Kraftakt an der BMW S 1000 RR, die den Superbike-Markt in den letzten Jahren dominiert hat. Doch BMW gibt sich damit nicht zufrieden: Für 2015 offeriert man eine deutlich modifizierte Version des Racebikes. Die Leistung wird zurückhaltend mit 199 PS (vorher 193 PS) angegeben, doch erste Prüfstandsläufe von Fachmedien künden von deutlich über 205 PS. Zugleich sank das Gewicht von 207 auf 204 Kilogramm. Die Vernetzung der elektronischen Fahrhilfen wurde nochmals verfeinert. Die schärfste BMW aller Zeiten gibt es ab 17.200 Euro.
Am dichtesten auf den Fersen war den Münchnern in den letzten Jahren Ducati: Schon bisher hatte Ducati seiner 1199 Panigale mit dem 1200er Zweizylindermotor 195 PS attestiert; Leistungsmessungen hatten jedoch meist etwas niedrigere Werte ergeben. Nun hat Ducati zusätzlich zum Race-Homologationsbike 1199 Panigale R (ab 32.990 Euro) ein neues Modell mit Straßenorientierung entwickelt; die neue Panigale trägt vorne die Ziffern 1299 und soll nun aus 1.285 Kubikzentimetern Hubraum 205 PS leisten - bei einem Gewicht von lediglich 190,5 Kilogramm, vollgetankt. Geliefert wird serienmäßig stets ein schräglagenfähiges ABS, im Spitzenmodell Panigale S unter anderem auch noch ein semiaktives Fahrwerksregelsystem. Ein Paket, das die BMW ebenfalls schlagen könnte, theoretisch zumindest. Die Fahrvergleiche der Experten stehen momentan noch aus. Im Preis liegt Ducati schon mal vorn: Die 1299 Panigale kostet ab 20.490 Euro, die S-Version ab 25.490 Euro.
Mit ihrer Leistungsangabe von 201 PS liegen die MV Agusta F4 RR und die für 2015 sorgfältig überarbeitete Aprilia RSV4 gleichauf. Die Aprilia setzt dafür einen V4-Motor ein und gewann 2014 die Superbike-WM, MV Agusta einen Vierzylinder-Reihenmotor. Das volle Elektronikprogramm ist bei beiden genauso selbstverständlich wie extrem hochwertige Fahrwerks- und Bremsenkomponenten. Die 25.990 Euro kostende MV scheint aber Speck auf den Hüften zu haben: Der Hersteller gibt ein Trockengewicht von 192 Kilogramm an, während Aprilia ein Trockengewicht von 180 Kilogramm nennt. Das dürfte auf nur knapp über 200 Kilogramm Leergewicht hinauslaufen. Die Aprilia RSV4-R kostet ab 17.990 Euro, die höherwertig ausgestattete Factory-Version erfordert mindestens 23.490 Euro.
Einen ganz anderen Weg als Yamaha geht Kawasaki als zweite japanische Marke mit einer Superbike-Neuheit für 2015. Zusätzlich zur auf dem deutschen Markt erfolglosen ZX-10R (200 PS, 201 Kilogramm, ab 16.695 Euro) kommt 2015 die Ninja H2 als Straßenversion des nicht zulassungsfähigen Beschleunigungs- und Speedmonsters H2R mit 310 PS. Sie will vor allem mit ihrem Kompressormotor faszinieren. ,,Nur" 200 PS leistet er in der H2, dennoch mussten die Kawasaki-Ingenieure alle Register ziehen, um die Leistung fahrbar zu machen. Exakt darin liegt die Kunst der Motorradentwicklung, nicht in der bloßen Zurverfügungstellung von Kraft. 238 Kilogramm wiegt das neue Technologie-Monster aus Japan, was angesichts des reinen Straßen-Einsatzes keine wirkliche Rolle spielt. Der Preis für die Ninja H2 beträgt 25.000 Euro.
Noch exotischer wird wohl die neue Honda RC213V-S, die bislang allerdings erst als Prototyp zu sehen war. Bei ihr handelt es sich nicht um ein Superbike im herkömmlichen Sinne, sondern um die mit Spiegeln, Blinkern, Kennzeichenhalter und ABS ausgerüstete Quasi-Straßenversion des aktuellen MotoGP-Renners. Über die Leistung des V4-Motors wie auch über alle anderen Daten schweigt Honda noch; im Racebike stehen Marc Marquez, dem aktuellen Weltmeister, wohl 265 PS zur Verfügung. Die Produktionszahlen dieses Hyperbikes dürften im umgekehrten Verhältnis zum Kaufpreis stehen; Schätzungen liegen - höchst unverbindlich - deutlich im sechsstelligen Bereich.
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Ulf Böhringer/SP-X am 13.01.2015, 13:40 Uhr veröffentlicht.
