Hanne Lübbehüsen/SP-X - 8. Januar 2015, 09:50 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Autonomes Fahren - Doppelt hält besser
Heutige Autos können schon vieles, was die künftig wirklich selbstfahrenden Fahrzeuge so besonders macht. Dass diese aber erst in ein paar Jahren auf den Markt kommen, hat auch mit einem Sprichwort zu tun.
Wer nun aber glaubt, die dazu notwendige Technik sei völlig neu, der irrt. Gut ausgestattete Neuwagen haben mit Kameras, Radar- und Laser-Sensoren die meisten der Detektoren an Bord, die künftig die Augen des Fahrers ersetzen. Schon heute fährt zum Beispiel ein Stauassistent das Auto bei niedrigen Geschwindigkeiten automatisch durch den Verkehr, in dem es lenkt, bremst, beschleunigt und den Abstand zum Vordermann hält. ,,Die dem autonomen Fahren zugrunde liegende Technik existiert komplett bereits heute", sagt Scott Pagington, Produktmanager Aktive Sicherheit beim Autozulieferer Delphi.
20 Sensoren hat das Delphi-Forschungsfahrzeug, bei dem der Fahrer wie selbstverständlich im dichten Vegas-Verkehr das Lenkrad loslässt. Darunter rund um das Fahrzeug zum Beispiel zehn Radar-Sensoren aus der aktuellen Produktion für verschiedene Autohersteller. Sechs Laserscanner und vier Kameras machen die ,,Augen" des Fahrzeugs komplett.
Dass es Pagington und anderen Experten zufolge trotzdem noch etwa fünf Jahre dauern wird, bis die ersten autonom fahrenden Autos auf den Markt kommen, obwohl die Technik heute bereits existiert, hat verschiedene Gründe.
Da wären zum einen die rechtlichen Hürden und derzeit noch relativ hohen Kosten. Auch die Software-Entwicklung ist laut Pagington noch in vollem Gange. Hinzu kommen die relativ langen Entwicklungszyklen der Automobilindustrie, die die Komponenten umfangreichen Produktests unterziehen müssen.Â
Und es geht auch darum, die Technik gegen alle Eventualitäten abzusichern. ,,Auch wenn der Fahrer die Hände heute nicht mehr am Lenkrad und die Füße nicht mehr auf den Pedalen hat, so hat er doch noch alles unter Kontrolle", so Pagington. Wenn er im nächsten Schritt die Augen von der Straße nimmt, muss das Auto alles erkennen, was der Fahrer auch gesehen hätte - und mehr.
Unterwegs mit dem Forschungsfahrzeug zeigt der Ingenieurs-Bildschirm in der Mittelkonsole mit bunten Strichen und Pixeln, was um das Auto herum vorgeht - der Blick aus dem Fenster zeigt: Ja, das stimmt so. Weil sich die Maschine, im Gegensatz zum Menschen, dabei keine Fehler leisten darf, spielt das Thema Redundanz eine große Rolle. Doppelt hält besser, könnte man auch sagen.
Beispiel: Obwohl der heutige Totwinkel-Warner so gut wie alles seitlich des Fahrzeugs erkennt, hat das Forschungsmobil zwischen B- und C-Säule einen weiteren Laser, dessen Arbeitsbereich mit dem bereits bestehenden überlappt. Oder: Hat die Kamera das Tempolimit nicht erkannt, weil sie geblendet wurde, liegen Navigationsdaten zugrunde, die dies auffangen.
Unter bestimmten Konditionen - auf der Autobahn bei gutem Wetter beispielsweise - sollen so die ersten Serienfahrzeuge in fünf Jahren autonom fahren können. Und das wird dann weniger spektakulär sein als man heute vielleicht glaubt, zumindest solange das selbstfahrende Auto macht, was es soll.
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Hanne Lübbehüsen/SP-X am 08.01.2015, 09:50 Uhr veröffentlicht.
