Günter Weigel/SP-X - 23. Dezember 2014, 12:43 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Mobilitätsthemen 2015 - Was wir nicht mehr lesen wollen
Es gibt Dinge, die hat man am Ende des Jahres einfach Uber, äh über - arbeiten zum Beispiel. Aber auch bestimmte Branchenthemen. Unser dringender Weihnachtswunsch: Verschont uns 2015 bitte mit folgenden Themen.
Maut: Ja, die war ja schon 2014 ganz vorne in den Negativ-Charts und wirkt daher entsprechend schon ein wenig durchgenudelt. Dabei ist sie leider immer noch aktuell. Kurz vor Jahresschluss hat das Kabinett den Gesetzentwurf von Verkehrsminister Dobrindt gerade noch durchgewunken, wohl wissend um die EU-Vorbehalte. Man könnte annehmen, dass CDU und SPD der ungeliebten, aber nun mal im Koalitionsvertrag festgehaltenen CSU-Idee genau deshalb zustimmen konnten: Es wird am Ende dann ja doch nichts draus.
Und das ist, nach allem was Verbände und diverse Experten dazu ausgerechnet haben, auch gut so. Für optimistische 500 Millionen Euro - Pessimisten gehen von Nulleinnahmen aus - ließen sich 500 Kilometer Straße renovieren beziehungsweise neu aufbauen. Zum Vergleich: Die Autobahnen in Deutschland sind insgesamt knapp 13.000 Kilometer lang, hinzu kommen knapp 40.000 Kilometer Bundesstraßen, von den 86.000 Kilometer Land- und 92.000 Kilometern Kreisstraßen gar nicht zu reden. Soweit wir das bislang verfolgen konnten, hat bisher entsprechend auch wirklich ungefähr jede Behörde, die das Zahlen der Maut, beziehungsweise das Vorhandensein von Plaketten kontrollieren soll, dankend abgewunken. Ein Vorgehen, das wir dem Thema auch insgesamt für das kommende Jahr wünschen.
Baufällige Brücken: Nicht mehr hören können wir im kommenden Jahr auch die Moritat von den kaputten und baufälligen Brücken beziehungsweise Straßen. Das Geld zur Instandsetzung könnte der Staat ja schließlich auch dann im Haushalt finden, wenn er keine Mauteinnahmen verbucht. Es steht aber zu befürchten, dass auch die jährliche Bestandsaufnahme 2015 allerlei dringend zu vermeldende Schäden ergeben wird, deren Beseitigung wir wahrscheinlich dann aber doch gar nicht oder viel später erleben werden.
Berliner Flughafen: Schon 2014 stand der Berliner BER gefühlt schon nicht mehr ganz so in den Schlagzeilen wie im Jahr zuvor. Das mag aber weniger an dortigen Fortschritten sondern mehr an einer gewissen Resignation der Medien gelegen haben. Fest steht aber: Der unvollendete Airport wird auch 2015 unter neuer Leitung ein solcher bleiben. Die allermeisten Schäden dürften (hoffentlich) inzwischen erkannt sein, weshalb neue Skandale ausbleiben könnten. Wenn BER dermal einst als Denkmal für betoniertes Unvermögen eröffnet wird, werden wir wieder berichten.
Rückrufe: Schön wäre es auch, wenn wir 2015 nicht wieder von Abermillionen Rückrufen lesen müssten. Defekte Zündschlösser und eventuell untätige Airbags gab es 2014 ja schon genug. Wir verstehen natürlich, dass mit steigenden Stückzahlen von zugelieferten Teilen die Preise sinken, was die Profite der Hersteller erhöht und vielleicht (zumindest theoretisch) auch die Fahrzeuge erschwinglicher macht. Aber es scheint beim Kostensenken via Skaleneffekte dann doch eine Qualitätsgrenze nach unten zu geben, die immer wieder berührt oder gar unterschritten wird. Die Folgen müssen wir Autofahrer dann regelmäßig ausbaden, aber bitte und am liebsten nicht mehr im nächsten Jahr.
Uber: Über ist uns auch Uber. Das Pseudo-Taxi-Startup, das unter Einbeziehungen privater Fahrer und Aushebelung öffentlicher Vorschriften das Personentransportgewerbe revolutionieren möchte, fiel nicht nur in Deutschland durch negative Schlagzeilen auf. Zuletzt wurde der Fahrdienst, der gerade Milliarden für den Ausbau des Services in Asien eingesammelt hat, unter anderem in Indien verboten, weil ein Uber-Fahrer eine Passagierin vergewaltigte und dieser Mann zu allem Überfluss auch noch einschlägig vorbestraft war. Was natürlich vorher nicht kontrolliert wurde. Preise, die sich im freien Spiel von Angebot und Nachfrage in Sydney verdreifachten, als ein Islamist in der Stadt Geiseln nahm, unterstreichen zudem nachhaltig das Uber-Image als über-raffgierig.
Markensterben: Nachdem sich 2014 Saab nun wirklich final verabschiedet hat, Lancia auf ein rudimentäres bisschen eingedampft wurde und Chevrolet sich aus Europa weitgehend zurückgezogen hat, wäre es schön, wenn 2015 keine weiteren Marken zu Grabe getragen werden müssten. Monokulturen sind, das kennt man aus der Landwirtschaft, auf Dauer einfach nicht gesund und ein wenig mehr Vielfalt macht das Straßenbild einfach bunter. Dass die Auswahl für den Kunden zudem größer und Individualität doch ohnehin eines der beherrschenden Marketingthemen ist, lässt uns für das Überleben auch jener Marken hoffen, die in Deutschland und auch insgesamt eher kleinen Absatz finden.
Und übrigens: Wirklich nichts mehr lesen wollen wir in diesem Zusammenhang über Qoros. Die chinesischen Ankündigungsweltmeister sollten erst dann wieder Beachtung finden, wenn sie auch liefern, und zwar Autos und keine Visionen.
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Günter Weigel/SP-X am 23.12.2014, 12:43 Uhr veröffentlicht.
