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Peter Eck/SP-X - 14. Dezember 2014, 18:10 Uhr - 4x4 Allrad NEWS

Sonst noch was? - Hauptsache drei Punkte

Über Geschmack lässt sich trefflich streiten. Punkt. Daher klären wir an dieser Stelle den Zusammenhang zwischen Keilabsätzen und SUV´s und machen uns stark für unser ultimatives Wunschauto: das kombi-coupéhaft gestaltete Van-SUV mit Limousinencharakter und echten Sportwageneigenschaften.

Wenn die hoch favorisierte Heimmannschaft ein grottenschlechtes Fußballspiel gegen einen Abstiegskandidaten mit Ach und Krach eins zu null für sich entschieden hat, nutzen Spieler und Trainer im Anschluss häufig die bekannten Floskeln wie ,,Hauptsache drei Punkte" oder ,,darüber redet morgen keiner mehr". Was ja übersetzt nichts anderes heißt als: Der Erfolg heiligt alle Mittel, nur das Ergebnis zählt. Das scheint also eine sehr menschliche Verhaltensweise zu sein.

Von privaten Unternehmen darf man da sicher nichts anderes erwarten. Ihr Ziel ist die Maximierung des Erfolgs, der sich für Vorstände und Eigentümer vor allem in der des Gewinns niederschlägt. Deshalb soll an dieser Stelle auch jedwedes Verständnis für unsere Fahrzeughersteller vorherrschen. Wenn sich die Menschen in ihrer Eigenschaft als Autofahrer, genauer gesagt als Autokäufer, für bestimmte Produkte entscheiden, dann ist das schon in Ordnung. Immerhin leben wir ja in einem freien Land.

Und das der Erfolg eines speziellen Produkts anderen, ähnlichen den Weg bereitet ist in einer Marktwirtschaft ja ebenfalls ganz logisch. Man denke zum Beispiel an die allseits beliebten SUV, die laut KBA im November auf einem im Vergleich zu Vorjahr um knapp zwei Prozent schwächeren Markt mal eben um 30 Prozent zugelegt haben.

Abgesehen davon, dass die Definition ,,was ist eigentlich ein SUV" zunehmend schwerfällt, haben wir diese Woche vom neuen ,,SUV-Coupé" Mercedes GLE gelesen, mit dem die Schwaben dem erfolgreichen Münchner Gegenstück X6 jetzt Konkurrenz machen.

Der X6 ist ja ein Fahrzeug, der die Gemüter spaltet. Aber trotz aller Kritik an seinen Formen ist er ein Erfolg, und das nicht nur in Gegenden mit bekannt ausgeprägt gutem Geschmack wie Russland, China oder den USA. Nein, man sieht den Koloss auch in deutschen Innenstädten zuhauf - und bald dann eben auch den Mercedes. Andererseits: Bei uns dürfen ja auch ganz legal künstliche Glitzersteine und Schuhe mit Keilabsatz verkauft werden.
Trotzdem passt die Diktatur des schlechten Geschmacks so gar nicht zur allgemeinen Begeisterung für die schönen Dinge des Lebens, zum Beispiel für leichte und luftig konstruierte Young- und Oldtimer. Wenn - wie vor einigen Wochen geschehen und jetzt bekannt geworden - in einer französischen Scheune 60 mehr oder weniger gut erhaltene automobile Pretiosen, darunter verschollene Exemplare und legendäre Marken wie Bugatti, Hispano-Suiza, Talbot-Lago, Panhard-Levassor, Maserati, Ferrari und Delahaye, aufgefunden werden, kennt die Begeisterung von Mensch und Medium keine Grenzen. Uns scheint das eine irgendwie nicht so richtig zum anderen zu passen. Oder sind die Käufer von Big-SUV´s mit den Fans alter Autos gar nicht identisch? Wir fürchten: doch!

Trotzdem, es scheint - über die pure nostalgische Begeisterung hinaus - doch ein Gefühl für wirklich zeitloses Design zu geben. Und das ist ganz im Sinne klassischer Werte praktisch immer eine auf das wesentliche reduzierte, aber darin vollkommene funktionelle Form. Und damit praktisch nie ein SUV. Oder können Sie sich vorstellen, dass Menschen in einigen Jahrzehnten bewundernd und sogar ein wenig ehrfürchtig vor den Dickschiffen unserer Jetztzeit stehen? Eben.

Apropos wesentlich: Die Grundfunktion eines Fahrzeugs ist ja immer noch der Transport, und der sollte möglichst zuverlässig gewährleistet sein. Wir reden jetzt also über Qualität, die von den Autokäufern heute mehr oder weniger vorausgesetzt wird, so dass sich die Kaufentscheidung häufig vor allem um Fragen des Markenimage oder des Designs dreht.

Tatsächlich gibt es bei der Alltagsqualität aber immer noch recht deutliche Unterschiede, wie jetzt wieder die Auswertung einer Fachzeitschrift ergeben hat, in die auch Dinge wie TÜV-Bilanz, Rückrufe oder Werkstatttests mit einflossen. Und siehe da: Ganz vorne liegen schon wieder oder immer noch japanische Marken, in diesem Fall Toyota und Mazda. Auf Platz drei folgt mit Volvo dann immer noch keine deutsche, sondern eine schwedische Marke. Was will uns dieses Ergebnis sagen? Vielleicht, dass ein Toyota mit Volvo-Sicherheitsimage und dem Design deutscher Edelmarken bei uns beste Verkaufschancen hätte. Vor allem als kombi-coupéhaft gestalteter Van-SUV mit Limousinencharakter und Sportwageneigenschaften. Sonst noch was? Nächste Woche wieder.

Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Peter Eck/SP-X am 14.12.2014, 18:10 Uhr veröffentlicht.