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Holger Holzer/SP-X - 10. Dezember 2014, 11:29 Uhr - 4x4 Allrad NEWS

169 Jahre Luftreifen - Die Idee war gut, doch die Welt noch nicht bereit

Gemeinhin gilt der Schotte John Dunlop als Erfinder des Luftreifens. Ein Landsmann von ihm hatte aber schon 43 Jahre zuvor eine ähnliche Idee - viel zu früh.

Eine geniale Erfindung allein genügt nicht, um in die Geschichte einzugehen. Der Schotten Robert William Thomson ist trotz seines Patents auf den luftgefüllten, galvanisierten Fahrradreifen heute kaum mehr bekannt. Anders als seine Nachfolger John Dunlop und Edouard Michelin.

Thomson war gerade einmal 23 Jahre alt, als er am 10. Dezember 1846 in Frankreich nach mehreren Experimenten mit luftgefüllten Tierdärmen seinen pneumatischen Gummireifen vorstellte: ein elastisches Band aus Leinwand und galvanisiertem Kautschuk, ummantelt mit Leder. Bei einer Präsentation mit Hilfe mehrerer Kutschen im Londoner Hyde Park begeisterte der Pneu mit hohem Reise- und niedrigem Geräuschkomfort. Ein Reifensatz absolvierte sogar 120 Meilen (knapp 200 Kilometer) ohne Ermüdungserscheinungen. Trotzdem floppte die Erfindung.

Dabei scheiterte es zum einen am Kautschuk-Nachschub. Noch nämlich wusste man in Europa nur wenig mit dem revolutionären Material anzufangen. Erst 1844 hatte der Amerikaner Charles Goodyear das Vulkanisieren erfunden - bis dahin war Kautschuk unnütz; bei Hitze klebrig, bei Kälte spröde. Der Import nach England lief erst langsam an, die North British Rubber Company konnte Thomson nicht mit ausreichenden Mengen beliefern, die Produktion stockte.

Zudem fehlte es noch an Einsatzmöglichkeiten jenseits von Pferdefuhrwerken. Das Fahrrad etwa steckte Mitte des 19. Jahrhunderts noch in den Kinderschuhen. Erst Jahrzehnte später sollte es dem nächsten Gummireifen zum Durchbruch verhelfen: 1888 ließ der Dunlop einen einfachen Fahrradluftreifen patentieren, ein Jahr später fügte der Franzose den separaten luftgefüllten Schlauch hinzu. Der weitere Verlauf der Geschichte ist bekannt: Dunlop, Michelin und auch Goodyears Namen haben überdauert - als weltberühmte Reifen-Konzerne.

Thomson hingegen ist heute zumindest außerhalb Schottlands fast vergessen. Dabei war er ausgesprochen kreativ: In der langen Liste seiner Erfindungen finden sich ein selbstfüllender Füllfederhalter, Dampfomnibusse, eine elektrische Zündvorrichtung für Sprengstoffe und eine Bandsäge. Bleibenden Nachruhm hat ihm keine davon gebracht.

Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Holger Holzer/SP-X am 10.12.2014, 11:29 Uhr veröffentlicht.