Holger Holzer/SP-X - 3. Dezember 2014, 11:39 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Plug-in-Hybride für alle - Mission Flottenverbrauch
Weil das E-Auto vorerst gescheitert ist, sollen es nun die Plug-in-Hybride richten: Mit neuen, preisgünstigeren Modellen wollen die Autohersteller Kunden zum Umstieg vom Diesel locken.
BMW etwa hat gerade einen ersten Ausblick auf die Plug-in-Hybridversion des 3er gegeben. Setzten die Münchner bei ihren konventionellen Hybridmodellen den Elektromotor bislang vor allem zur Steigerung der Fahrleistungen ein und kombinierten ihn mit bärenstarken Sechs- und Achtzylindermotoren, erhält der geplante 330e wohl einen Vierzylindermotor. Zum Schleicher wird die Mittelklasselimousine dadurch nicht, werfen der Benziner und der Elektromotor gemeinsam doch immer noch rund 245 PS in den Ring. Trotzdem bleibt der Plug-in-Dreier wohl vergleichsweise günstig, wenn er Anfang 2016 auf den Markt kommt. Mit rund 40.000 Euro würde er sich zwischen den vergleichbar starken Modellen mit reinem Benzin- und Dieselmotor einordnen. Zum Vergleich: Das konventionelle Hybridmodell des BMW 3er leistet 250 kW/340 PS und kostet 53.000 Euro, der Plug-in-Sportwagen i8 gar mindestens 126.000 Euro.
Großes Potenzial zur Senkung des Flottenverbrauchs in Europa haben beide Modelle nicht. Der 3er-Hybrid sollte eher Kunden in den USA locken, der i8 das Öko-Image der Marke aufpolieren. Und die neuartige Technik einführen - Teile des Antriebsstrangs werden die Münchner auch für den Plug-in-Hybrid-3er sowie weitere Modelle nutzen. Denn die Hybridautos mit Steckdosenanschluss haben zumindest aus Unternehmenssicht einen gigantischen Vorteil: einen fantastisch niedrigen Normverbrauchswert. Im NEFZ-Testzyklus werden sie nämlich zurzeit sozusagen bevorzugt behandelt, da die verbrauchte elektrische Energie aus der Batterie nicht im Endwert berücksichtigt wird. Der 330e dürfte so auf einen Normverbrauch von rund zwei Litern kommen, die CO2-Emissionen bei 50 Gramm liegen. Der sparsamste konventionelle Dreier stößt mehr als doppelt so viel Klimagas aus.
Auch andere Hersteller haben vor dem Hintergrund immer schärferer Flottenverbrauchsnormen den Wert des Plug-in-Hybrids längst erkannt, drohen doch bei einem zu hohen Durchschnittsverbrauch der verkauften Modelle künftig Strafzahlungen. Mercedes etwa bietet die S-Klasse in einer entsprechenden Version an, Porsche den Cayenne, den Panamera und nicht zuletzt den Supersportler 918 Spyder. Alle Modelle kranken aber an ihrem geringen Wert für die Statistik - sie sind einfach zu teuer, um auf große Stückzahlen zu kommen.
Doch die bürgerlicheren Modelle sind im Kommen. Noch vor dem Jahreswechsel führt VW den Golf GTE ein, der als elektrische Alternative zu den Sportmodellen GTI und GTD positioniert wird. Mit knapp 36.900 Euro ist auch er kein Schnäppchen, aber so günstig wie es die immer noch teure Akku-Technik erlaubt. Auf gleicher technischer Basis bringt Audi kurze Zeit später den noch einmal 1.000 Euro teureren A3 E-Tron, bevor im kommenden Jahr auch der VW Passat und der Audi A4 mit Plug-in-Technik angeboten werden. Ebenfalls für 2015 wird die Steckdosenversion der Mercedes C-Klasse erwartet. Und das ist nur der Anfang. Allein Mercedes möchte bis 2017 alle vier Monate ein neues Plug-in-Hybridmodell auf den Markt bringen.
Ob die Rechnung der Hersteller aufgeht, die vor allem statistisch wertvollen Modelle zu günstigeren Preisen auf den Markt zu bringen, muss sich allerdings noch zeigen. Die niedrigen Spritpreise zumindest sorgen zurzeit nicht gerade für einen Run auf Öko-Mobile. Dazu kommt, dass die Plug-in-Hybride ihre Sparvorteile nur ausspielen können, wenn die Batterie regelmäßig an der Steckdose geladen wird. Ansonsten sind sie nicht effizienter als normale Hybridautos. Und die konnten sich bei den deutschen Kunden bislang ebenso wenig durchsetzen wie reine Elektroautos. Auch die relativ günstigen Plug-in-Hybrid-Varianten von Toyota Prius oder Mitsubishi Outlander sind in Deutschland keine Bestseller.
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Holger Holzer/SP-X am 03.12.2014, 11:39 Uhr veröffentlicht.
