Wolfgang Pester (vm) - 1. Dezember 2014, 14:16 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Mercedes-Benz: Sparsamer Giga-Gelenkbus tourt im Linientakt
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Rund 30 Millionen Menschen in Deutschland fahren täglich mit dem Bus. Und in Großstädten und Ballungsgebieten wächst die Zahl der Busnutzer. Deshalb setzen Verkehrsbetriebe Großraum-Gelenkbusse auf Routen mit hohem Fahrgastaufkommen ein. Der jetzt in Mannheim vorgestellte Mercedes-Benz CapaCity L gehört in diese Kategorie. Er ist Europas längster vierachsiger Stadtlinienbus mit nur einem Gelenk. Der Giga-Bus ist 21 Meter lang, weist 2,30 Meter Stehhöhe auf und bietet in der Serienausführung 191 Personen Platz. Und umweltfreundlich ist der Jumbo ebenso: Kein Stadtbus mit Dieselantrieb verbraucht pro Fahrgastplatz weniger Treibstoff, so Mercedes-Benz.
Der erste Kunde des neuen Stadtbusses ist die Hamburger Hochbahn (HH). Sie will ab 2015 mit zwei neuen Fahrzeugen gewöhnliche Linienbusse mit einer Kapazität von 70 Fahrgäste ersetzen. Der CapaCity L wird in der Hansestadt 165 Personen befördern, wobei 43 Sitz- und 122 Stehplätze zur Verfügung stehen. Das sind immerhin zwölf Fahrgäste mehr als im Vorgänger-CapaCity und 39 Personen mehr als im dreiachsigen Gelenkbus Citaro G, die ebenfalls zur HH-Flotte gehören.
Der CapaCity L stammt aus der Familie des Stadtbus-Bestsellers Citaro. Mit den großen Glasflächen wirkt er einladend, ist innen luftig und hell. Das Niederflurkonzept ist über die volle Fahrgastraumlänge barrierefrei, was für behinderte Fahrgäste wichtig ist. Schätzen dürften die Fahrgäste die aufwendige Klimatisierung, die unter anderem mit elektrischen Seitenwandheizern und leistungsstarker Zusatzheizung selbst im Winter schnell für eine angenehme Temperatur sorgt.
Der neue Giga-Gelenkbus ist 2,90 Meter länger als der soeben vorgestellte Citaro G der zweiten Generation mit Platz für 163 Fahrgäste. Trotz dieser größeren Länge und dem mit 32 Tonnen um vier Tonnen höheren Gesamtgewicht sowie einem Wendekreis von 24,47 Meter darf der CapaCity L auf jeder Strecke fahren. Er braucht aber eine Ausnahmeregelung, weil er die gesetzliche Längen-Norm von 18,75 Meter für Fahrzeug-Kombinationen überschreitet.
Die Einzelradaufhängung der stets gelenkten sowie elektro-hydraulisch gesteuerten vierten (Nachlauf-)Achse bewirkt ein optimales Kurvenverhalten des Busses, so Mercedes-Benz. Ebenso sei der neu entwickelte Knickschutz, "Articulated Turntable Controller" (ATC), einzigartig. Mit ihm ist auch der gefährliche sogenannte "Klappmesser-Effekt" passé, weil ATC annähernd den Effekt eines elektronischen Stabilitätsprogramms (ESP) erziele.
Angetrieben wird der CapaCity L von einem links im Hinterwagen stehend untergebrachten Reihen-Sechs-Zylinder mit 10,7 Liter Hubraum. Den EU6-Dieselmotor gibt es in den Leistungsstufen 265 kW/360 PS und 290 kW/394 PS mit maximalem Drehmoment von 1 700 Newtonmeter beziehungsweise 1 900 Newtonmeter. Die Kraftübertragung auf die dritte Fahrzeugachse übernimmt - wie im Citaro - eine Wandler-Automatik von ZF oder Voith.
Zur Energie-Rückgewinnung werden Superkondensatoren (Supercaps) als zusätzliche Kurzzeit-Stromspeicher eingesetzt. In sie fließt im Schubbetrieb rückgewonnene Energie, die beim Anfahren oder an Steigungen verwendet wird. Damit muss der Motor in diesen verbrauchsintensiven Phasen nicht zusätzlich den Generator zur Stromerzeugung antreiben - das spart Diesel. Der CapaCity L verbraucht im üblichen Linienbetrieb bei voller Auslastung pro Fahrgast weniger als 0,5 Liter Diesel je 100 km (13,3 g CO2/km), so Mercedes-Benz: Damit ist er der sparsamste Stadtomnibus mit Dieselantrieb.
Wolfgang Pester
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Wolfgang Pester (vm) am 01.12.2014, 14:16 Uhr veröffentlicht.
