Günter Weigel/SP-X - 30. November 2014, 12:30 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Sonst noch was? - Individualisierung mit Nebeneffekt
Mit einem schnöden Auto von der Stange ist es heute nicht mehr getan. Wer auf sich hält individualisiert. Das kann gutgehen, muss aber nicht.
Fabia-Fahrer können über skoda-auto.de eigene Bilddateien ins Netz laden. Skoda erstellt daraus individuelle Dekorfolien, die auf der Beifahrerseite über dem Handschuhfach aufgeklebt werden. Kostenpunkt: zwei Stück für 25 Euro. Fachmännisch geklebt wird in der Werkstatt. Individueller als mit einem Bild der oder des Liebsten lässt sich so ein Fabia kaum gestalten. Kleiner Nebeneffekt: Mit einem so foliierten Fahrzeug sind kleine Abstecher mit zwischenzeitlichen Zweitliebsten eher schwierig, wenn man nicht erklären möchte, dass die oder derjenige, der da vom Armaturenbrett lächelt, beispielsweise das jeweilige Ehegespons ist.
Skoda bietet diese Bildoptimierung bislang nur für den Fabia an. Wir könnten uns vorstellen, dass die Idee im Konzern übernommen wird. Audi beispielsweise hat doch gerade in der Studie Prologue gezeigt, wie man das Interieur mit Displays gestaltet. Das eröffnet in Sachen Bildtapete ganz andere Möglichkeiten. Statt eines Bildes der oder des Liebsten ließen sich ganze Diashows integrieren und das kleine, pikante Problem der außerordentlichen Beziehungsarbeit ließe sich mit einem Klick und anderen Bildern lösen. Technik hilft.
Allerdings nicht immer. In Sachen Geschmack zum Beispiel gibt es keinen verlässlichen Chip der aufpasst, was da so bestellt und gestaltet werden kann. Anders ist es nicht zu erklären, dass Mansory ein Tuningpaket für den Rolls Royce Ghost offeriert und offensichtlich auch noch Kunden findet, die für die Metamorphose einer stilsicheren Luxuslimousine in ein goldiges Spleen-Mobil auch noch Geld bezahlen. Und zwar nicht wenig. Das pseudonoble Proll-Tuning mit neuen Seitenschwellern, Carbon-Kotflügeln, größeren Lufteinlässen und 22-Zoll-Felgen kostet 50.000 Euro. Im Preis nicht enthalten sind knappe 80 Mehr-PS, die den Mansory-Ghost auf 652 PS bringen. Wer braucht sowas?
Deutlicher nachvollziehbarer ist uns ein Individualisierungstrend, der uns auf der Essen Motorshow aufgefallen ist. Folien aus der Dose. Bislang konnten Menschen, die wussten, dass ihr Geschmack nicht immer stilsicher ist, beispielsweise ein Porsche-Cabriolet in Silber bestellen und es dann in Telekom-Magenta folieren lassen. Man, in dem uns bekannten Fall Frau, hatte ihre Wunschfarbe und der Originallack blieb zwecks Erhalt der Wiederverkaufswertes unbeschädigt und geschmackssicher. Ähnlich verfahren auch Polizei und Taxiunternehmen, wobei in diesen Fällen der Geschmack eine untergeordnete Rolle spielen dürfte.
Statt der rund 2.000 Euro teuren Folieraktion kann man die Wunschfolie jetzt einfach aufsprühen. Das kostet nur etwa 500 Euro. Zunächst stehen sieben Farben zur Wahl, darunter Mattschwarz, mattes Senfgrün und mattes Rot. Die Geschmacks- und Stilfrage wird so natürlich nicht gelöst. Sonst noch was ? Nächste Woche wieder.
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Günter Weigel/SP-X am 30.11.2014, 12:30 Uhr veröffentlicht.
