Walther Wuttke/SP-X - 27. November 2014, 11:53 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Automatisierte Lkw - Blaue Zeiten auf der Autobahn
Einerseits ist Lkw-Fahren ein stressiger Job, andererseits, so scheint es, könnte man während der Fahrt noch einiges erledigen. Dazu müsste nur das Auto alleine fahren. Sicherer wäre das wohl.
Um den Berufskraftfahrer aufzuwerten, die Verkehrssicherheit und den Verkehrsfluss zu optimieren sowie die Effizienz zu steigern, entwickeln die Nutzfahrzeughersteller Systeme, die den Fahrer so weit entlasten, dass er während der Fahrt andere Aufgaben wahrnehmen kann. Bei Mercedes heißt das Projekt ,,Future Truck 2025". ,,Wir werden in den kommenden Jahren nach und nach die einzelnen Elemente des automatisierten Fahrens in unsere Modelle integrieren. Einen Big Bang wird es bei uns nicht geben", erklärt Markus Kirschbaum aus der Nutzfahrzeug-Vorentwicklung bei Mercedes-Benz auf einer Veranstaltung des Deutschen Verkehrssicherheitsrats in Bonn. Volvo ist offensichtlich optimistischer und hat sein Entwicklungsprogramm ,,Volvo Vision 2020" getauft.
Wie der Truck der Zukunft aussehen könnte, demonstrierte Mercedes auf der IAA Nutzfahrzeuge im Herbst. Der futuristisch gestaltete Laster besitzt vorne und an der Seite Radarsensoren, die den gesamten Zug abdecken. Stereokameras auf der Fahrerkabine und anstelle der Außenspiegel runden die Kontrolleinheiten ab. Das Radar deckt eine Strecke von 250 Metern ab, wobei ,,bereits 100 Meter ausreichen, um den Notbremsassistenten zu aktivieren", so Kirschbaum. Und: ,,Der Future Truck fährt unabhängig von den anderen Verkehrsteilnehmern autonom."
Während der automatischen Fahrt kann sich der Trucker nun ein Tablet greifen, die Logistikdaten gemeinsam mit seinem Disponenten aktualisieren, den Parkplatz für die nächste Ruhepause reservieren oder seine privaten Mails ansehen.
Neben der Karosserie überarbeiteten die Designer auch den Innenraum, der nun mehr einen Büro als einem Lkw-Arbeitsplatz ähnelt. Für die Außenwelt signalisieren farbige LEDs den aktuellen Zustand des Lkw, dabei steht das pulsierende Blau für den automatisierten Betrieb. Die Fahrautomatik ist exklusiv für den Autobahn-Fernverkehr gedacht und funktioniert zwischen Auf- und Abfahrt. Überholen ist ausschließlich manuell möglich.
Der Future Truck 2025 ist außerdem noch kein Winterfreund. ,,Bei Schnee wird die Technik nicht eingesetzt, Regen stellt jedoch kein Problem dar", erklärt Kirschbaum. Auch die mitunter engen Einfahrten in Baustellen bereiten noch Probleme: ,,Das bekommen wir noch nicht hin." In seiner schönen neuen Kabine muss sich der Fahrer zudem gefallen lassen, ständig überwacht zu werden. Sollte die Sensorik ein Nickerchen feststellen, wird er akustisch geweckt. Sollte er darauf nicht reagieren, rollt der Truck zu einem Nothalt auf den Seitenstreifen.
Von den staatlichen Infrastruktur-Planern erhofft sich Kirschbaum mehr Mut zu Weiß. ,,Mehr weiße Farbe für die Spurmarkierungen würde uns sehr helfen, um noch sicherer fahren zu können."
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