Patrick Broich/SP-X - 19. November 2014, 17:03 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Kommunizierende Autos - Sprecht miteinander!
Moderne Autos verfügen über unzählige Kameras, Sensoren und Scanner. Doch sie können weder um die Ecke schauen noch besonders weit nach vorne. Genau das wollen die Autozulieferer Cohda Wireless, NXP und Siemens zusammen mit den Autoherstellern schleunigst ändern.
Kein einziger heute üblicher Sensor erkennt, was nur einen Kilometer weiter vorn passiert oder welche Gefahr gar hinter der nächsten Kurve lauert. W-Lan-Experte Cohda Wireless, der niederländische Chiphersteller NXP sowie Siemens möchten dieses Dilemma zusammen mit den Autoherstellern gerne beheben. An der Technik jedenfalls scheitere es nicht, sagen die Verantwortlichen der Technologie-Unternehmen, man könne gleich morgen loslegen.
Vielmehr seien die Regierungen nun am Zuge. Damit möglichst viele Anwendungsbereiche abgedeckt werden können, bedarf es in der Tat einer leistungsfähigen Infrastruktur - und da reden die Politiker eben ein Wörtchen mit. Nötig sind ,,intelligente" Ampeln, Schilder und Brücken, die mit einem Sender ausgestattet sind und den Autos entsprechende Signale geben (Car to x).
Damit die Autos solche Signale jedoch verarbeiten können, brauchen sie einen Empfänger. In diesem Fall handelt es sich um spezielle W-Lan-Boxen mit mehreren Kilometern Reichweite. Naht beispielsweise ein Stauende, würde die im Fahrzeug eingebaute Einheit darüber informiert und dem Fahrer eine Meldung geben.
Infos über etwaige Tempolimits könnten präziser in die Autos gelangen - zwar gibt es längst kamerabasierte Verkehrszeichen-Erkennungen, doch die Trefferquoten betragen bei weitem nicht einhundert Prozent. Das jedoch sind nur simple Beispiele. Neben der Car to x-Kommunikation können sich die Autos ebenso untereinander verständigen (Car to Car). Und dann wird es erst richtig interessant: Rast ein Auto trotz roter Ampel über eine Kreuzung, werden die Verkehrsteilnehmer der anderen Seite blitzschnell darüber informiert.
Wie das jeweilige Automodell mit der einzelnen Nachricht oder Info umgeht, kann von einfach bis komplex reichen. Eine mögliche Form wäre ein Warnsignal - es sind aber auch Applikationen denkbar, die einen automatischen Bremseingriff einleiten, um auf diese Weise eine Kollision zu verhindern oder erheblich abzumildern. Auffahrunfälle wären bei hoher Ausrüst-Quote quasi Schnee von gestern, da ja stehende Fahrzeuge immer rechtzeitig aufgespürt würden.
Neben der Sicherheit dient die neue Technik auch der Effizienz. Wäre das Leistungsmanagement der Fahrzeuge stets über die Ampelschaltungen informiert, könnten die Betriebszustände optimal gesteuert werden, was sich wiederum an der Tankstelle auszahlte. Um alle Vorzüge auszunutzen, ist langfristig natürlich eine möglichst weite Verbreitung erwünscht. Unrealistisch ist das nicht. Insider rechnen allerdings frühestens 2016 mit dem Auftauchen entsprechender Features in den Optionen-Listen, zunächst jedoch eher nicht für Basismodelle.
Die Bundesregierung zumindest lässt das Thema offenbar nicht kalt. Zusammen mit den Niederlanden und Österreich soll nächstes Jahr ein Testprojekt auf den Weg gebracht werden; dabei handelt es sich um eine 1.300 km lange Versuchsstrecke von Rotterdam über Frankfurt nach Wien. Abgesehen von der Installation relevanter Straßen-Infrastruktur sollen mehrere tausend Fahrzeuge mit der Car to Car-Technologie ausgerüstet werden, um Praxis-Erfahrungen zu sammeln.
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Patrick Broich/SP-X am 19.11.2014, 17:03 Uhr veröffentlicht.
