ALLRAD-NEWS

Walther Wuttke/SP-X - 19. November 2014, 15:55 Uhr - 4x4 Allrad NEWS

Radfahren im Winter - Auf die Ausrüstung kommt es an

Auch im Winter kann man Radfahren. Bei Schnee und Eis ist man auf dem Bike zwar besonderen Risiken ausgesetzt, darf dafür aber Reifen nehmen, die Autofahrern verwehrt sind.

 Viele Radfahrer wollen auch in den Wintermonaten nicht auf ihr Gefährt verzichten und bringen auf diese Weise nicht nur ihren Kreislauf in der dunklen Jahreszeit in Schwung, sondern unterstützen dabei auch ihr Immunsystem. Allerdings ist Radfahren im Winter deutlich anspruchsvoller als in den anderen Jahreszeiten.

Am wichtigsten ist in diesen Wochen die Sichtbarkeit der Radfahrer. Dass die Lichtanlage am Rand auf den aktuellen Stand der Technik und funktionstüchtig sein sollte, versteht sich von selbst. Rad und Fahrer müssen bereits von weitem erkennbar sein. Neben den vorgeschriebenen Reflektoren in den Speichen empfehlen sich auch reflektierende Reifen und Radbekleidung mit eingebauten Reflektoren. Inzwischen bietet zudem der Fachhandel Jacken mit einem Gewebe an, das leuchtet, wenn es von einem Scheinwerfer erfasst wird. So sollten Autofahrer Radler frühzeitig zu erkennen.

Neben der Ausrüstung muss aber auch die Fahrweise den veränderten Bedingungen angepasst werden. Laub, Regen, Schneematsch oder Glatteis bringen den unaufmerksamen Radfahrer schnell ins Schleudern und zum Stürzen. Auf jeden Fall muss der Radler bei winterlichen Straßenverhältnissen sein Tempo deutlich verringern. Das gilt vor allem für E-Bike-Piloten, die leicht zu schnell sein können. Der angepasste Sicherheitsabstand gehört ebenfalls zur winterlichen Fahrweise, um Auffahrunfälle zu vermeiden. Bei festgefahrener Schneedecke darf man bei Kurvenfahrten weder in die Pedale treten noch bremsen. Ist letzteres unvermeidlich, muss die Bremse maßvoll getaktet eingesetzt werden.  Gleichzeitig empfiehlt es sich beide Beine als Stabilisatoren auszufahren, um sicher anhalten zu können.

Taucht plötzlich Glatteis auf, heißt es das Rad ausrollen zu lassen, hektische Lenkbewegungen zu vermeiden und zur Not beide Beine als Ausgleich auszufahren.  Um von vorneherein mehr Sicherheit zu spüren, kann man den Sattel um einige Zentimeter absenken. So kommt man schneller mit den Füßen auf die Fahrbahn.

Angesichts der wenig ausgeprägten Neigung deutscher Städte, Radwege zu räumen, stellt sich die Gewissensfrage, ob die Fahrt auf der Straße am Ende vielleicht doch sicherer ist. Radfahrer sind übrigens nicht immer und überall verpflichtet, jeden Radweg zu benutzen. Sie dürfen grundsätzlich auf der Straße fahren, es sei denn, das blaue Verkehrszeichen für den Radweg ist mit dem Zusatz ,,benutzungspflichtig" gekennzeichnet. Aber auch diese Pflicht entfällt, wenn der Radweg von der Kommune nicht ausreichend geräumt wird und eine Fahrt dort unzumutbar ist.

Vollkommen fehl am Platz ist allerdings die Neigung vieler Radfahrer, stets auf ihrem Recht zu bestehen. Gerade im Winter ist eine defensive Fahrweise, bei der man auch Mal zurücksteckt, unter Umständen überlebenswichtig. Dazu gehört eine eindeutige Fahrweise, die berücksichtigt, dass im Winter auch Autofahrer stärker beansprucht sind. Plötzliche und nicht angezeigte Fahrbahnwechsel oder das Beharren auf vermeintlichen Vorrechten können gerade im Winter fatale Folgen haben. Denn: Autos haben Knautschzonen, Fahrräder nicht.  Nur wer das gesamte Verkehrsgeschehen im Blick hat und nicht alleine sich selbst, trägt zu einem partnerschaftlichen Verhalten bei.

Wie beim Auto spielt auch beim Fahrrad der Reifen im Winter eine entscheidende Rolle für den Kontakt zwischen Fahrzeug und Straße. Um die Auflagefläche zu vergrößern, kann man den Reifendruck auf den an der Flanke vermerkten Minimalwert absenken. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, greift zu speziellen Winterreifen. Continental bietet den ,,Top Contact Winter II" mit Siliziumkarbid-Partikeln an, die während der Fahrt freigesetzt werden und einen Lamelleneffekt wie bei einem Autoreifen erzeugen sollen. Etwas robuster ist das Winterangebot vom finnischen Hersteller Nokian, der einen Reifen mit 106 Spikes für winterliche Ausfahrten anbietet. Eher für Regionen jenseits des Polarkrieses ist hingegen die Variante mit 240 Nägeln geeignet. Der ,,Ice Spiker" von Schwalbe krallt sich ebenfalls mit 240 Spikes in die eisige Fahrbahn. Während Spikes bei Autoreifen verboten sind, dürfen Radfahrer mit diesen Reifen ohne Bedenken einsetzen. Allerdings entfaltet sich Schutzwirkung nur bei Eis und festgefahrener Schneedecke.

Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Walther Wuttke/SP-X am 19.11.2014, 15:55 Uhr veröffentlicht.