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Hanne Lübbehüsen/SP-X - 18. November 2014, 10:37 Uhr - 4x4 Allrad NEWS

Test Mercedes-AMG GT S - Heilig's Blechle!

Für Reise und Rennstrecke: Der neue Mercedes-AMG GT will beides können. Das Konzept ist nicht neu, die Umsetzung aus Affalterbach dafür allerdings ziemlich heiß.

Am Schönsten ist der Mercedes-AMG GT von hinten. Das ist bestimmt mit Absicht so, kann man ihm doch meistens nur hinterher fahren. Ab 134.351 Euro steht Daimlers Antwort auf die von Porsche nicht gestellte Frage nach einem 911-Konkurrenten ab März beim Händler.

Bisher war der Porsche auf die Eigenschaft gebucht, zum Brötchenholen genauso tauglich zu sein, wie zum Rundenrekord auf der Rennstrecke. Aus Affalterbach rauscht nun das Daimlersche Verständnis vom alltagstauglichen Hochleistungs-Sportgerät an, entwickelt von den gerade erst zur Sub-Marke geadelten Motorsport-Spezialisten von Mercedes-AMG. Der 375 kW/510 PS starke GT S kommt zuerst auf den Markt, ein gutes halbes Jahr später folgt der GT (340 kW/462 PS, 115.430 Euro).

Die erste Ausfahrt zeigt: Der GT S hat tatsächlich etwas von beiden Welten. Drinnen blickt man auf edelstes Interieur und hockt sagenhaft nah an der Straße, hat aber erstaunlich viel Überblick aus den schmalen Fenstern. 350 Liter - etwa so viel wie in die A-Klasse - sollen in den kleinen Kofferraum passen. Oder zwei Golfbags, so die Mercedes-Rechnung.

Im Komfort-Modus des vier Programme umfassenden, optionalen Fahrdynamik-Systems (Comfort, Sport, Sport+, Race; 2.200 Euro) lässt es sich entspannt cruisen, die Servounterstüzung ist hoch, an der Ampel stoppt der Motor zum Spritsparen, allein das Fahrwerk ist im Reise-Modus immer noch ziemlich hart. Den 9,4 Litern Verbrauch auf dem Rollenprüfstand stehen rund elf auf der Testfahrt entgegen.

Zugegeben: Der Wumms des 4,0-Liter-V8 ist zu verlockend, als dass ihm der Fahrer lange widerstehen könnte. Vom Saugmotor-Konzept wie beim SLS, auf dessen Plattform der GT größtenteils basiert, hat sich AMG verabschiedet: Der V8 wird nun von zwei Turboladern zwangsbeatmet. Herrlich: Kaum, dass man ans Gasgeben gedacht hat, ist der Befehl quasi direkt aus dem Hirn auf die Hinterräder übertragen, so blitzschnell reagiert der GT schon im Komfort-Modus auf das Gaspedal, so schnell hat das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe geschaltet.

Den Macker markieren muss der Schwabe dabei nie. Allein die markante Front im Rückspiegel mit den LED-Scheinwerfern und der stilisierten Tagfahrlicht-Augenbraue lässt so manchen Vordermann ehrfürchtig Platz machen. Der mächtig böse Sound, der auf Knopfdruck aus den eckigen Endrohren dröhnt, tut sein Übriges.  

Wenn es sein muss, ist der GT in 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Im Race-Programm lässt das ESP den GT an der langen Leine und lässt ihn seinen hübschen Hintern schwenken. Um richtig schnell (maximal 310 km/h) zu sein, muss man nicht mal zwingend das ESP ausschalten. Im Sport-Plus-Modus duckt sich der Renner auf den Teer und hängt am Gas, der Schleuderschutz fängt übermütige Laien schnell wieder ein.

Geschickt in Stellung gebracht ist der GT S schon mal: Mit 134.000 Euro ist er einige zehntausend Euro günstiger als der nur wenig stärkere 911 Turbo (383 kW/520 PS), der allerdings noch mehr Rennfeatures hat. Und leistungsmäßig liegt der GT deutlich über dem 316 kW/430 PS starken 911 Carrera GTS, der nur 17.000 Euro weniger kostet. Heilig's Blechle, kann das Zufall sein? Wohl kaum.

Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Hanne Lübbehüsen/SP-X am 18.11.2014, 10:37 Uhr veröffentlicht.