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Wolfram Nickel/SP-X - 17. November 2014, 11:19 Uhr - 4x4 Allrad NEWS

Tradition: 40 Jahre Ford Escort II - Begehrtes Volksmobil

Dem Ford Escord II stand vor 40 Jahren eine große Aufgabe bevor: Musste er nicht nur national überzeugen, sondern auch dem VW Golf nah kommen. Und das, obwohl aufgrund finanzieller Einsparung oft nur kosmetische Neuerungen realisiert wurden.

Die Escort-Neuauflage räumte vor 40 Jahren gründlich mit einigen Designschrullen auf. Großzügig verglast sowie glattflächig gezeichnet, wollte die zweite Generation der damals kleinsten Ford-Baureihe ein unauffälliger Begleiter für den automobilen Alltag sein. Ein wenig Verführung durfte allerdings schon im Spiel sein, so gab es Ghia-Versionen mit luxuriösen Lifestyle-Accessoires und spektakulär-scharfe RS-Sportler. Nur der Kombi-Turnier zeigte sich im alten Karosseriekleid, diesem Dreitürer musste eine neue Frontgestaltung genügen, um den Generationenwechsel anzuzeigen. Unter dem Blech blieb es ohnehin bei allen Escort bei der konservativ-konventionellen Technik des Vorgängers - obwohl die europäische Kompaktklasse bis auf den Opel Kadett fast komplett auf Vorderradantrieb umgestellt worden war.



Ein kleiner Ford als Traumauto? Was hierzulande damals kaum denkbar war, sah im Land der von Qualitätsproblemen geplagten Massenhersteller British Leyland und Chrysler UK anders aus. Nicht wenige Briten warteten geradezu sehnsüchtig auf Brenda, wie der erneuerte Escort in seiner Entwicklungsphase genannt wurde. Während sich deutsche Käufer 1975/76 massiv über kleine Kinderkrankheiten der in Saarlouis gefertigten zweiten Escort-Generation beschwerten, sahen die Engländer über solche Anlaufprobleme großzügig hinweg. Ford war im Inselreich ein Inbegriff von Zuverlässigkeit - zumindest in Relation gegenüber Autos wie Austin Allegro oder Hillman Avenger. Und so waren die Modelle Ford Cortina und Escort 1975/76 einmal mehr nationale Bestseller.



Nicht ganz so souverän fiel der Vorsprung des erneuerten Ford Escort auf Märkten des ehemaligen britischen Empires aus. Besonders in Australien und Neuseeland geriet der Ford unter Druck durch japanische Importe mit gleichermaßen konventioneller, aber noch zuverlässigerer und preiswerterer Technik. Weshalb Ford Ende 1980 die dritte Escort-Generation dort gar nicht erst einführte, sondern durch Kooperationsmodelle mit Mazda ersetzte. Eine Sonderstellung nahm nur Südafrika ein. ,,Born to perfom" lautete hier die Marketing-Zauberformel, die den anfangs biederen Escort zum sportlichen Kultauto transformierte. Was in Europa den Topversionen RS 1800 (nicht für Ford Köln) und RS 2000 vorbehalten war, gelang in Südafrika bereits durch einen Escort 1600 Sport. Ford South Africa implantierte in bis dahin schwer verkäufliche 40 kW/54 PS leistende Escort 1300 Zweitürer potentere 1,6-Liter-Aggregate mit 62 kW/84 PS, schärfte das Fahrwerk nach - fertig war der bezahlbare, leichtgewichtige Straßenrenner, der vom Image eines Titanen in der Rallye-Weltmeisterschaft profitierte. In Europa wurden die Straßensportler Escort RS 1800 und RS 2000 auf dem Genfer Salon 1975 präsentiert, nach dem der zuvor auf der Brüsseler Messe gezeigte Escort 1600 Sport das Publikum weniger begeisterte. Offenbar war er trotz kräftiger 62 kW/84 PS (die Basis bot nur 32 kW/44 PS) optisch zu dezent gehalten.



Dagegen wurde der RS 2000 ein schillernder Star durch eine spektakuläre Polyurethan-Frontpartie, die den 3,98 Meter kurzen Escort um 17 Zentimeter länger machte und den Luftwiderstandsbeiwert zugleich um 16 Prozent reduzierte. 81 kW/110 PS ließen diesen Ford vehementer beschleunigen als Opel Kadett GT/E und ließ auch dem doppelt so starken V8-Boliden Mercedes 450 SL keine Chance, Anschluss zu finden.



Ganz im Gegensatz dazu galt der Standard-Escort 1300 GL von Anfang an als träge im Umfeld von Konkurrenten wie VW Golf, Opel Kadett 1200 S, Fiat 128 oder Alfasud. Dafür inkludierte er etwas, was nicht einmal der Klassenprimus Golf bot - eine doppelt so lange Garantiezeit. Für Ford Deutschland war dies eine Investition, die sich auszahlte. Trotz der Anlaufprobleme früher Exemplare fuhr der kompakte Konservative kräftige Gewinne in die Kasse. Bis Brenda im Sommer 1980 durch Erika abgelöst wurde, die dritte Escort-Generation.

Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Wolfram Nickel/SP-X am 17.11.2014, 11:19 Uhr veröffentlicht.