Patrick Broich/SP-X - 14. November 2014, 16:17 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Fahrbericht: Audi Q3 - Mut zum Otto
Audi unterzieht sein Einsteiger-SUV einer Überarbeitung. Mit markanter Weiterentwicklung der Außenhaut und Feinschliff unter dem Blech geht der Kompakte in seine zweite Lebenshälfte. Dabei markiert der RSQ3 weiterhin die Spitze, aber auch eine Variante am anderen Ende der Palette ist eine Überlegung wert.
Falls es ein Diesel werden soll, weil die jährliche Laufleistung sonst zu sehr am Spritbudget zehren würde, sei dem Interessenten die 110 kW/150 PS-Version ans Herz gelegt. Die nämlich kann es kaum schlechter als das im Verhältnis zur Leistung unten herum fast schon etwas träge agierende 135 kW/184 PS-Modell. Allerdings rollt der starke Selbstzünder ausschließlich als Quattro-Variante an den Start - und die erhöhten Schleppmomente fressen einen Teil der Mehrleistung wieder auf. Das Preisniveau beim Diesel ist natürlich durchweg höher. Zwischen 32.100 (150 PS, manuelles Getriebe) und 39.850 Euro (184 PS, Doppelkupplung) verlangt der Hersteller für seine TDI-Modelle, die alle die Euro-6-Norm erfüllen. Und während das Drehmoment des Basis-Zweiliters von 320 auf 340 Nm stieg und er zehn Pferdchen mehr sattelt (150 statt 140 PS), konnten die Ingenieure den Spritverbrauch von 5,2 auf 4,4 Liter senken, was den Q3 von der Effizienzklasse B prompt in A rutschen lässt. Am grundsätzlichen Charakter jedoch hat sich nichts geändert - die Laufkultur der bekannten Maschine geht in Ordnung, und das werksseitige Sechsgang-Getriebe lässt sich prima schalten.
Nur Mut zum Otto: Der neue 1,4-Liter mit Turbolader und Zylinderabschaltung ist ein feiner Motor. Er klingt kultiviert, dreht geschmeidig durch das Band und präsentiert sich hinreichend elastisch. Zwar müssen die Käufer nun mit 110 kW/150 PS (bisher war der Einsteiger 170 PS stark) Vorlieb nehmen - doch im Alltag bietet er genug Punch und wird auch auf der Autobahn mitnichten zum Verkehrshindernis. Ein Blick auf den Konsum: Fast zwei Liter weniger (5,5 statt 7,3 Liter) sollen je 100 Kilometer durch die Leitungen fließen, da verschmerzt man den in der Praxis ohnehin kaum wahrnehmbaren Leistungsverlust gerne.
Wer hingegen richtig Dampf will, greife zum RSQ3. Den hält Audi für so exklusiv, dass es eine gesonderte Preisliste für ihn gibt. Startkurs ist 56.600 Euro. Dafür bietet der selbstredend stets als Quattro anrollende Fünfzylinder 250 kW/340 PS und eine ansehnliche Serienausstattung inklusive elektronische Dämpferverstellung, LED-Scheinwerfer sowie Soundsystem, doch für das Navi werden weitere 1.160 Euro fällig - ganz schön selbstbewusst. Der am potenten Single-Endrohr erkennbare Bolide bietet Maschinenklang vom allerfeinsten. Und dabei handelt es sich um rein mechanisch erzeugte Töne, wie Kilian Lichtinger aus der technischen Projektleitung betont. Lautsprecher-generierten Motorsound braucht der RS nicht, wofür arbeiten schließlich fünf Töpfe unter der Haube.
Auch wenn der Hubraum mit 2,5 Litern überschaubar bleibt, der Turbo ist ein richtiges Monster. Wütend schnaubend strapaziert er nicht nur sämtliche Wellen des Antriebsstranges, sondern auch die Nackenmuskulatur der Insassen, wenn es mit Druck Richtung Landstraßentempo geht. Darüber hinaus erlegt das 2 Zentimeter tiefer als die zivilen Brüder kauernde Biest so manchen Sportwagen, an denen es wiederum ganz schön hochbeinig vorbeizieht. Das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe ist hier serienmäßig und überzeugt durch spontane Arbeitsweise. Dass es nicht so sanft wie eine Wandlerautomatik agiert, stört beim RS kaum. Wer unbedingt Hand anlegen will, betätige die gut erreichbaren Schaltpaddels - und schon wechselt das Getriebe unter vernehmbaren Zwischengas-Schüben die Übersetzung. Dass der RSQ3 wegen seines serienmäßigen Soundsystems, das die Reserveradmulde ausfüllt, 104 Liter weniger Gepäck mitnehmen kann, wird die Kunde-Maschine-Beziehung ebenfalls kaum belasten.
Ein richtiger Lademeister ist das schick anzusehende Trendmobil in keiner Version. Das hindert den urbanen Alleskönner trotzdem nicht daran, auch lange Reisen souverän abzuspulen. Eine Fangemeinde hat der Q3 so oder so - er ist Audis meistverkaufter SUV in Deutschland. Die Chancen, dass das nach dem Facelift so bleibt, stehen gut.
Audi Q3Â - Technische Daten:
Viertüriges, fünfsitziges SUV der Kompaktklasse, Länge: 4,39 Meter, Breite: 1,83 Meter, Höhe: 1,59 Meter, Radstand: 2,60 Meter
1,4-l-Vierzylinder-Turbobenziner, 110 kW/150 PS, maximales Drehmoment: 250 Nm bei 1.500 bis 3.500 U/min, Vmax 204 km/h, 0-100 km/h: 9,2 s, Durchschnittsverbrauch: 5,5 l/100 km, CO2-Ausstoß: 127 g/km, Effizienzklasse B, Preis: ab 29.600 Euro
2,0-l-Vierzylinder-Diesel, 110 kW/150 PS, maximales Drehmoment: 340 Nm bei 1.750 bis 2.800 U/min, Vmax 204 km/h, 0-100 km/h: 9,6 s, Durchschnittsverbrauch: 4,4 l/100 km, CO2-Ausstoß: 114 g/km, Effizienzklasse A, Preis: ab 32.100 Euro
2,5-l-Fünfzylinder-Turbobenziner, 250 kW/340 PS, maximales Drehmoment: 450 Nm bei 1.600 bis 5.300 U/min, Vmax 250 km/h, 0-100 km/h: 4,8 s, Durchschnittsverbrauch: 8,4 l/100 km, CO2-Ausstoß: 198 g/km, Effizienzklasse E, Preis: ab 56.600 Euro
Audi Q3 Kurzcharakteristik:
Alternative zu: BMW X1, Mercedes GLA, Range Rover Evoque, VW Tiguan
Passt zu: Kunden, denen es nach einem Mix aus Lifestyle, Nutzen und Offroad-Eigenschaften verlangt
Sieht gut aus: als RSQ3 mit potentem Oval-Endrohr
Wann er kommt: Februar 2014
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Patrick Broich/SP-X am 14.11.2014, 16:17 Uhr veröffentlicht.
