Patrick Broich/SP-X - 14. November 2014, 12:33 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Maßnahmen zur Verbrauchsreduktion - Mehr Elektrizität - weniger Spiegel
Auch Zulieferer Valeo kann sich dem Trend zu weniger Spritverbrauch nicht verschließen. Das Unternehmen setzt auf milde Hybride sowie elektrische Aufladung. Hinzu kommt so mancher Kniff aus der Elektronik-Welt. Wir durften den einen oder anderen Versuchsträger ausprobieren.
Beide Versuchsträger verfügten über elektrisch angetriebene Lader; während es sich beim Alfa ohnehin um eine Turbomaschine handelt, ist das Dacia-Triebwerk von Hause aus ein Sauger. Bei diesem steht nicht die Performance im Vordergrund, sondern die Effizienz. Da der elektrische Lader weder von der mechanischen Drehzahl des Verbrenners noch vom Abgasstrom (der bei niedriger Tourenzahl auch lau ist) abhängig ist, kann er unten herum deutlich spürbar boosten - viel besser als eine konventionelle Turbine. Eine längere Übersetzung erstickt zwar den theoretischen Gewinn an Beschleunigungsvermögen wieder, zahlt sich dafür allerdings an der Tankstelle aus.
Letztlich geht es auch beim 1,8-Liter-Vierzylinder des Alfas um die Reduktion des Benzinverbrauchs, jedoch soll der elektrische Lader hier im wahren Wortsinn für Druck sorgen. Nachdem sich die Valeo-Techniker den TBI vorgenommen hatten, stieg die Leistung von ohnehin schon stattlichen 176 kW/240 PS auf beachtliche 257 kW/350 PS. Da der E-Turbo beim Prototypen per Schalter aktiviert und wieder ausgeschaltet werden kann, ist der Unterschied deutlich erfahrbar. Ohne zusätzliche Unterstützung benimmt sich der röhrende Vierzylinder bis 2.500 Umdrehungen verhalten druckvoll, dann entfesselt er einen derartigen Schub, dass die vorderen Pneus hilflos überfordert sind. Arbeitet der Elektro-Turbo jedoch mit, wirkt die Leistungsentfaltung linear - vor Traktionsproblemen schützt die Maßnahme hingegen nicht. Wichtig ist den Technikern, dass der 2 kW leistende Elektrolader problemlos mit dem 12V-Bordnetz klarkommt, wenngleich die Fachleute einräumen: Das 48V-Netz wird die Zukunft sein.
Zukunft haben dürften auch milde Hybride. Am Beispiel eines modifizierten Peugeot 207 zeigt Valeo, wohin hier die Reise geht. Zum Benziner gesellt sich ein 15 kW/20 PS starker E-Motor, der über einen Riementrieb am Hauptaggregat hängt. Er fungiert gleichzeitig als Starter und lässt den Verbrenner blitzschnell anspringen. Das auf einer 48-Volt-Architektur basierende System beherrscht neben Rekuperation auch das Segeln. Beim Versuchswagen gibt es keine automatisierte Kupplung; also einfach den Gang manuell herausnehmen, dann schaltet das Triebwerk ab. Analog zum E-Lader des Duster soll der hier eingesetzte Hybrid in erster Linie zur Kraftstoffersparnis beitragen und nicht die Fahrleistungen frisieren. Die Franzosen beziffern die Reduktion immerhin auf 15 Prozent.
Beim Kampf um jedes Gramm CO2 kommen die Techniker mitunter auf ausgefallene Ideen, die gar nichts mit dem Antrieb zu tun haben: So könnten Außenspiegel irgendwann zum Auslaufmodell und durch winzige Kameras ersetzt werden, was die Aerodynamik enorm verbessert. Noch stehen der Serie gesetzliche Hürden entgegen, aber die technische Machbarkeit ist längst sichergestellt. Gestochen scharfe Displays stehen einem Spiegelbild schon heute in nichts mehr nach.
Das Auto von morgen also ist hochgradig elektrifiziert, hat keine Außenspiegel mehr an der Karosse und nimmt dem Fahrer so manche Aufgabe ab. Doch an Fahrspaß wird es nicht fehlen, das hat alleine die kleine Runde mit dem Alfa Giulietta eindrucksvoll bewiesen.
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Patrick Broich/SP-X am 14.11.2014, 12:33 Uhr veröffentlicht.
