Uwe Schmidt-Kasparek (vm) - 11. September 2014, 17:09 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Unfallforscher: Überholen auf 80 Prozent der Landstraßen verbieten
Mit Abschreckung und einem fast bundesweiten Überholverbot sollen Unfälle auf Landstraßen gesenkt werden.
46 Prozent der Überholunfälle passieren in Bereichen mit viel zu geringer Sichtweite. "Die Fahrer schätzen das Risiko viel zu gering ein", warnt UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Es sei falsch, nur dort Verbotsschilder aufzustellen, wo Autofahrer die Gefahr nicht sofort erkennen können: "Ich fordere daher, dass auf 70 bis 80 Prozent der Landstraßen in Deutschland ein Überholverbot eingerichtet wird."
Welche schrecklichen Folgen Überhol-Kollisionen haben, macht der UDV deutlich. Im vergangenen Jahr wurden fast 6 700 Menschen beim Überholen auf Landstraßen verletzt - davon rund 1 900 sehr schwer. 191 Verkehrsteilnehmer bezahlten für leichtsinniges Überholen mit dem Tod. "Wir lernen, indem wir Gefahrensituationen meistern", erläutert Siegfried Brockmann. Doch das Überholen mit keiner oder geringer Sichtweite auf den Gegenverkehr würde einem russischen Roulette gleichkommen: "Viele glauben, weil es bisher immer gut gegangen ist, würde dies so bleiben." Doch ein Blick in die Statistik zeigt das große Unfallrisiko. Auf 100 Überholmanöver an Stellen ohne Sicht auf den Gegenverkehr kommen 6,6 Kollisionen. Bei ausreichender Sicht liegt diese Quote nur bei 1,2.
Deshalb sollte die Polizei die Überholverbote intensiver überwachen. Schnell auf Landstraßen wären meist Einheimische unterwegs. Daher würde sich eine sporadische Überwachung an besonders gefährlichen Stellen bald herumsprechen. Viele Landstraßen mit breiten Seitenstreifen könnten übrigens baulich entschärft werden und als Strecken mit sogenannter "2+1-Spur" eingerichtet werden. Dann sei ein sicheres wechselseitiges Überholen möglich. Doch solche Umbauten sind teuer. Daher fordern die Unfallforscher, gleichzeitig einen "Überholassistenten" weiterzuentwickeln. Ein solcher technischer Helfer im Fahrzeug könnte mit Kamera und Radar die Sichtweite ausloten und vor dem Gegenverkehr warnen. "Das ist keine Utopie, denn die Hardware ist längst in den Fahrzeugen vorhanden", so Brockmann. Es müsse lediglich die Software weiterentwickelt werden.
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Uwe Schmidt-Kasparek (vm) am 11.09.2014, 17:09 Uhr veröffentlicht.
