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Manfred Schulze (vm) - 22. April 2014, 10:10 Uhr - 4x4 Allrad NEWS

VW stockt in China kräftig auf

Der VW-Konzern will mit einer Offensive bei der Elektromobilität auf einem seiner wichtigsten Märkte seine Vormachtrolle auch technologisch ausbauen.

Der VW-Konzern will mit einer Offensive bei der Elektromobilität auf einem seiner wichtigsten Märkte seine Vormachtrolle auch technologisch ausbauen. Das versicherte Konzernchef Martin Winterkorn am Rande der Auto China 2014. "Wir werden hier mit grüner Mobilität ein Zeichen setzen, dass wir auch in China die Nachhaltigkeit mit Dynamik verbinden können". China sei sehr wichtig für neue Trends vom Plug-in bis hin zur Brennstoffzelle. Allerdings bringt VW den Audi A3 e-tron erst im nächsten Jahr, ein eigens in China gebauter A6 Plug-in-Hybrid sowie ein spezielles Mittelklasse-Modell für China mit diesem Antrieb folgen ein Jahr später.

"China wird immer wichtiger, das schlage sich auch in der Stärkung der hier angesiedelten Entwicklung nieder", sagte der für das China-Geschäft verantwortliche Jochem Heizmann. Besonders die mit einer starken lokalen Produktion vertretenen Marken VW und Audi haben sich im ersten Quartal 2014 ausgesprochen gut entwickelt, damit wird ein zweistelliges Wachstum für das Gesamtjahr realistisch. VW steigerte den Verkauf um 14,1 Prozent auf 683 000 Einheiten, Audi legte sogar um 21 Prozent zu 492 000 verkaufte Fahrzeuge zu. Auch Porsche mit plus 11,8 Prozent und Skoda mit plus 7,5 Prozent entwickelten sich erfreulich. Über alle Konzernmarken wurden mit 881 000 Einheiten 14 Prozent mehr Fahrzeuge verkauft als im Vorjahresquartal.

Dabei fertigen Volkswagen, Audi und auch Skoda den größten Anteil der Fahrzeuge in China und wollen die lokale Entwicklungskompetenz weiter ausbauen. "Wir sind deshalb hier so erfolgreich, weil wir sehr genau den Markt beobachten und die Bedürfnisse der Kunden beachten", erklärt Heizmann. Dazu gehört, dass die Modelle aus China häufig mit längerem Radstand, anderen Komfortmerkmalen wie weicheren Sitzen, mit innovativer IT-Technologie und verstärkt auch mit E-Antrieben nachgefragt werden. Auch bei den Farben liebäugeln die Chinesen eher mit Gold- oder Brauntönen und Chrom. Die VW-Tochter in Shanghai wird daher auch die Modelle Lavida oder Santana im Programm behalten, während die VW-Beteiligung FAW den Jetta, Sagitar und Magotan ausschließlich für den lokalen Markt produziert. Die chinesische Variante des Passat wird zudem auch in den USA verkauft. Inzwischen seien rund 2 700 Ingenieure in zwei Entwicklungszentren damit beschäftigt, die für den chinesischen Markt wichtigen Lösungen in die "Weltautos" des Konzerns zu integrieren oder die nur für den lokalen Markt gebauten Modelle weiterzuentwickeln.

Viele Trends, die heute in Europa die Entwicklung bestimmen, gelten aber auch in Fernost als die Zukunftsthemen - wobei sie oft noch radikaler voran getrieben werden. So gelten Leichtbau, Downsizing der Motoren und das Zurückgreifen auf modulare Baukästen hier als wichtig, um Marktanteile halten oder ausbauen zu können. Heizmann nennt aber auch Start-Stopp-Automatik, Elektroantriebe und intelligente Connectivity-Konzepte als Trends im chinesischen Automobilmarkt. Die internetbasierten Systeme vermitteln dem Fahrer dabei nicht nur Staus und gesperrte Straßen, sondern auch freie Parkplätze und besitzen einen Notrufassistenten sowie eine Lokalisierungsfunktion für gestohlene Fahrzeuge. Der Autodiebstahl ist demnach auch in China ein Thema.

Ob und vor allem wann der VW-Konzern seine Beteiligung bei FAW, wie seit längerem angestrebt, auf 50 Prozent erhöhen kann, ließ Heizmann offen. Man sei in guten Gesprächen und komme voran, sagte der Manager dazu.

Die Kapazitäten in der Produktion und im Vertrieb werden unabhängig davon rasch ausgebaut, aus den 2 750 Händlern sollen bis 2018 mehr als 3 750 Händler werden. Winterkorn spricht bereits im laufenden Jahr von 3,5 Millionen verkauften Fahrzeugen. 18,2 Milliarden Euro will der Konzern innerhalb von knapp vier Jahren hier investieren, auch in ein neues Handelszentrum in Beijing, in dem erstmals die gesamte Markenpalette von VW verfügbar sein wird.

Auch Heizinger rechnet trotz des leicht sinkenden Wirtschaftswachstums in China mittelfristig nicht damit, dass der Autoabsatz einbrechen könnte. Die zunehmenden Beschränkungen bei den Zulassungen, die angesichts der katastrophalen Verkehrs- und Umweltsituation in den Mega-Städten immer weiter verschärft werden, sieht er nicht als Problem an: "Das trifft zunächst nur die ganz großen Zentren. Aber es gibt eine politisch gesteuerte Zuwanderung in viele mittelgroße Städte, wo das Einkommen sehr schnell steigt und es auch noch gute Chancen gibt, die Infrastruktur anzupassen. Dabei geht es um 100 Millionen Menschen allein bis 2020", so der China-Chef von VW.

Manfred Schulze

Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Manfred Schulze (vm) am 22.04.2014, 10:10 Uhr veröffentlicht.