Frank Wald (vm) - 18. März 2014, 11:39 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Kia Soul: Seelenerneuerung
Mit der zweiten Generation des Mini-SUV Soul will Kia mehr Marktanteile erobern.
Bei seinem Debüt im Jahre 2009 sagte Kias deutscher Chef-Designer Peter Schreyer: "Ich will, dass man Kia auch wegen des Aussehens kauft". Nun ja, bei den Klein- und Kompaktwagen sowie den SUV ist er damit auf bestem Wege. Doch gerade bei dem Designpreis gekrönten Soul zeigt sich zumindest der deutsche Kunde widerwillig, zu ungewohnt und unentschieden scheint das "revolutionäre" Fahrzeugkonzept. Das Kraftfahrtbundesamt (KBA), das ihn übrigens unter Mini-Vans führt, registrierte im vergangenen Jahr insgesamt gerade mal 590 Neuzulassungen. "Wir haben den Soul in der Vergangenheit etwas vernachlässigt", gesteht der deutsche Kia-Geschäftsführer Martin van Vugt. Die zweite Generation soll nun verstärkt beworben und auf rund 3 000 Einheiten gepusht werden. "Aber ich wäre auch nicht überrascht, wenn es am Ende des Jahres zwischen vier- und Fünftausend werden", glaubt der optimistische "Realist" van Vugt. Woher die neuen Kunden kommen sollen, sagt er nicht, nur dass diese "keinen Mini brauchen, um auf sich aufmerksam zu machen."
So wundert es auch nicht, dass der neue Soul außen mit Dekorfolien, Bi-Color-Lackierung und verschiedenfarbigen Dächern zu haben ist, und das Cockpit mit zahlreichen Kreis- und Ovalformen auf Lenkrad, Mitteltunnel und Türinnenseiten das britisch-bayerische Kultauto zitiert. Dabei soll kein Karosserieteil vom Vorgänger übernommen worden sein. Der erste Blick suggeriert allerdings was anderes. Etwas größer und geglättet zwar, aber die gleiche kubische Form mit wuchtigem Lufteinlass unter der abgerundeten ("Tiger"-)Nase, nach hinten verjüngt zulaufender Fenstergrafik und beinahe senkrechtem Heck im so genannten "Rucksack"-Design, flankiert von übergroßen Rücklichtkanten.
Am ehesten sind die Unterschiede noch an den modifizierten Scheinwerfern und Heckleuchten zu erkennen. Mit 4,14 Meter Länge und 2,57 Meter Radstand jeweils um zwei Zentimeter gewachsen, räumt der Wagen etwas mehr Bein- und Kopffreiheit sowie Platz fürs Gepäck ein. Der Kofferraum fasst nun 354 Liter statt 340 Liter Gepäckvolumen inklusive Unterflurfach, nach Umklappen der Rückbank maximal auch 1 367 Liter.
Im Innenraum fallen die Veränderungen schon deutlicher ins Auge. Softtouch-Armaturenbrett, qualitativ ansprechende Materialien oder die erwähnte Zweifarb-Lackierung geben ein stilvolles Ambiente. Neue Komfortmerkmale wie Sitzlüftung vorn sowie Sitzheizung vorn und hinten, elektrisch einstellbarer Fahrersitz, heizbares Lenkrad, blendfreier Aktiv-Matrix-Display, 8-Zoll-Kartennavigation und ein Soundsystem von Infinity steigern den hochwertigen Eindruck. Selbstverständlich gibt es das alles nur in der Top-Version Spirit ab 22 790 Euro und ist in zusätzlichen Ausstattungspaketen versteckt, die den Pries noch mal um bis zu 5 000 Euro nach oben drücken.
Technisch basiert der Soul nun auf einer verkürzten Ceed-Plattform, womit die Karosserie zugleich steifer und leichter konstruiert werden konnte. Auch die Aerodynamik verbesserte sich auf den cW-Wert von 0,34. Unterwegs gibt sich der Wagen unaufgeregt. Über- und Rundumsicht sind dank hoher Sitzposition gut, sehr angenehm ist der niedrige Geräuschpegel. Das Fahrwerk ist europäisch kommod abgestimmt, die serienmäßig variable Servolenkung nach Geschmack einstellbar. Die Kurvenhatz ist dennoch nicht die bevorzugte Gangart des Soul, seine Stärken liegen eher auf der langen Geraden.
Dafür sorgen schon die Motoren, nach wie vor je ein Benziner und ein Diesel, die beide keine Bäume ausreissen. Während der 1,6 CRDI-Selbstzünder mit unveränderten 94 kW/128 PS und 260 Nm maximalem Drehmoment noch mit Laufkultur und - zumindest in der Schaltversion - 5,0 Liter (132 CO2 g/km) Normverbrauch glänzt, hat der gleich große Benziner mit Direkteinspritzung Leistung eingebüßt. Statt 103 kW/140 PS stehen nun nur noch 97 kW/132 PS auf dem Datenblatt, dafür sollen sich die maximal 161 Nm Drehmoment harmonischer entfalten. Auf der Straße ist das leider nicht spürbar, eher eine leichte Anfahr- und Durchzugsschwäche, die insbesondere auf steileren Etappen nur durch fleißiges Schalten ausgeglichen werden kann. Damit sind die angegebene 6,8 Liter Normwert kaum zu erreichen, nach unseren ausgeglichenen Probefahrten über Landstraßen und Autobahn zeigte der Bordcomputer gut drei Liter mehr an.
Stirnrunzeln auch bei der etwas zwiespältigen Preisgestaltung. Nominell ist der neue Soul ab 16 990 Euro nun zwar 910 Euro teurer als bisher. Allerdings wurde die bisherige Basisversion "Attract" ersatzlos gestrichen. Los geht's deshalb jetzt mit der bisher mittleren "Edition7", die mit Klima- und Audioanlage, Multifunktionslenkrad, elektrisch einstellbaren Außenspiegel, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, Nebelscheinwerfer und LED-Tagfahrlicht schon immer recht üppig bestückt war. Neu hinzugekommen sind jetzt noch Parksensoren hinten und heizbare Außenspiegel. Gleiches gilt für die Sicherheitsausstattung, die unter anderem neben sechs Airbags, ABS, Bremsassistent und dem elektronischen Stabilitätsprogramm nun ab Werk auch ein Reifendruckkontrollsystem beinhaltet. Die zweite Version "Spirit" ist dann auch schon die Top-Ausstattung, unter anderem zusätzlich mit Spurhalteassistent, Parksensoren vorn, Rückfahrkamera, Klimaautomatik, Sitzheizung, Tempomat, schlüssellosen Zugang mit Starter-Knopf und 18-Zoll-Alurädern. Allerdings liegen zwischen Basis- und Top-Ausstattung satte 5 800 Euro Unterschied. Der Diesel ist darüber hinaus nur als "Spirit" zu haben, kostet damit am Ende stolze 24 990 Euro.
Bewertung:
Plus: auffälliges Design, bequemes ein- und Aussteigen, gute Über- und Rundumsicht
Minus: schwacher Benzinmotor, knifflige Preisgestaltung
Technische Daten: Kia Soul 1.6 GDI:
fünftüriger Mini-SUV, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Metern: 4,14/1,80/1,61/2,57; Kofferraumvolumen: 354 Liter - 1 367 Liter
Motor: 1,6-Liter-Benzindirekteinspritzer mit 97 kW/132 PS, max. Drehmoment: 161 Nm bei 4 850/min, 0-100 km/h: 11,0 Sek., Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h, Verbrauch: 6,8 Liter Super/100 km, CO2-Ausstoß: 158 g/km, Preis: ab 16 990 Euro.
Frank Wald
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Frank Wald (vm) am 18.03.2014, 11:39 Uhr veröffentlicht.
