Wolfgang Tschakert (vm) - 17. März 2014, 16:24 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Wirtschaftliche Omnibus-Alternative aus dem Westen
Bis noch vor einem Jahrzehnt war Deutschlands Buswelt noch in Ordnung.
Im deutschen Westen ist VDL schon angekommen. Die Düsseldorfer Rheinbahn fährt mit Überzeugung den VDL Citea LLE, einen ganz besonderen Bus. Sein Konzept ist gar nicht neu: Man baue einen leichten Fahrzeugkörper und verwende Antriebskomponenten, die eine Nummer kleiner ausfallen. Jedes Kilo, das nicht beschleunigt werden muss, spart Kraftstoff. Ein großer Bus mit kleinen Organen ist also gefragt. Allein die Konsequenz, wie der Leichtbau-Bus aus Holland gebaut wird, macht ihn einzigartig. Der Mittelboden und die Dachpartie bestehen aus Sandwichpanelen, auf das Gerippe aus rostfreiem Stahl wird eine Kunststoff-Außenhaut geklebt. So bringt der 12-Meter-Bus, der auf kleineren 19,5-Zoll-Rädern rollt, einsatzfertig nicht mehr als neun Tonnen auf die Waage. Das führt, wie aus Düsseldorf zu hören, zu einer Kraftstoffverbrauchsreduktion von 25 Prozent im Vergleich zu den bisher verwendeten Bussen. Im Heck sitzt ein Cummins-Sechszylinder mit 6,7 Liter Hubraum und 184 kW/250 PS, der mit dem vollbesetzt nur 14,5 Tonnen schweren Vollformat-Bus gut zurecht kommt. Zuletzt hat er noch eine verbreiterte Vordertür bekommen, um den Fahrgastfluss zu beschleunigen. Und das Beste: Der als zuverlässig und nicht als rostempfindlich bekannte Linienbus aus Holland soll nicht mehr als 200 000 Euro kosten.
Was den Holländern noch gefehlt hatte, reichen sie jetzt mit brandneuen Euro 6-Motoren nach. Der niederländische Anbieter, der übrigens auch in Deutschland eine Vertretung hat, führt jetzt moderne Gelenkzüge im Programm. Der Kunde hat die Wahl zwischen 18 Metern oder 18,75 Metern Länge. Der längere Dreiachser befördert in der Rushhour bis zu 10 Fahrgäste mehr. Auch bei diesen Bussen achten die holländischen Techniker streng aufs Gewicht. Das Dach besteht aus einem Sandwich, das kennen wir schon. Kein überflüssiger Schnickschnack ist an Bord, aber bei den Grundtugenden wird nicht gespart. Das Fahrwerk zählt zu den Besten am Markt, eine feine Einzelradführung von ZF für die Vorderachse gehört zum guten Ton. Auch das Gelenk stammt aus Deutschland, das ganze Menü ist feinfühlig abgestimmt. Und im Heck arbeitet jetzt ein 8,7 Liter großer Cursor 9-Sechszylinder, der von FPT (Fiat Powertrain) stammt. Das italienische Triebwerk gefällt mit souveränem Antritt bei niedrigen Drehzahlen und noch besser ist seine Laufkultur. Kein Lärm mehr nachts an den Haltestellen, auch innen flüstert der maßgenaue Diesel dezent leise. Dass die Italiener auf die übliche Abgasrückführung verzichten, ist für die Mitfahrer nicht mehr als eine Randnotiz. Die Motorenbauer und der Fahrzeug-Hersteller versprechen reduzierte Kraftstoffverbräuche, was die kostengeplagten Fuhrparks viel mehr interessiert.
Die Niederländer können nicht nur leicht, selbst in Sachen Elektromobilität machen sie Nägel mit Köpfen. Als Basis dient ein handelsüblicher Citea-Niederflurbus. An die Stelle des üblichen Dieselverbrenners und aufs Dach rückt ein Batteriepaket mit 86 Kilowattstunden Kapazität. Die Besonderheit: Der elektrische Niederflurbus wird mit modernen elektrischen Radnabenmotoren angetrieben. Und die stammen aus Deutschland. Wer es ganz genau wissen will: vom E-Motoren-Spezialisten Ziehl-Abegg aus Künzelsau. Weil damit gewichtige Komponenten wie Dieselmotor, Getriebe oder Gelenkwellen entfallen, bleibt das Gewicht in der Norm - der Zweiachser darf ganz legal 85 Fahrgäste befördern. Er geht noch in diesem Jahr in der nordrhein-westfälischen Stadt Münster in Einsatz, für die Linie 14 werden Schnellladestationen installiert. Und unterwegs wird die Batterie mit Bremsenergie wieder gefüttert, die Fahrmotoren werden zu Generatoren. Die ersten Fahreindrücke sind jedenfalls verblüffend, sowohl für den Fahrer als auch für den Fahrgast. Keine Rede von spärlichen Fahrleistungen, der Citea Electric legt aus der Haltestelle los wie Harry - hier sollten die Entwickler zugunsten des Fahrgastwohlbefindens eher drosseln. Unterwegs fährt der elektrische Niederländer herrlich leise und komfortabel - man möchte es eigentlich nicht mehr anders.
Wolfgang Tschakert
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