Thilo Kozik (vm) - 13. März 2014, 18:06 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Triumph Thunderbird Commander: Donnervogel im Cruiser-Kleid
Der britische Motorrad-Traditionshersteller Triumph hat nach Jahren des Gasgebens das beschauliche Marktsegment der Cruiser entdeckt.
Überhaupt setzt die Britin auf Eigenständigkeit, das macht sie schon optisch mit dem markentypischen Doppelscheinwerfer und einer Art Déco LED-Rückleuchten- und Blinkereinheit unmissverständlich klar. Mittelpunkt im doppelten Sinne ist aber der große Paralleltwin, der mit gefrästen Kühlrippenenden, verchromten Motordeckeln und schwarzen Zylindern samt Kurbelgehäuse ein visuelles Prunkstück darstellt. Zwei breite Krümmerrohre ziehen sich in weitem Bogen nach hinten und münden in gerade geschnittenen Schalldämpfern. Das wirkt alles solide und mächtig, ein Eindruck, der sich aus dem Sattel noch verstärkt: Mit Blick auf eine polierte, massive obere Gabelbrücke und Lenkerklemmung ruhen die Fahrerfüße auf breiten Trittbrettern aus verchromtem Aluminium-Druckguss.
Der beherzte Tritt mit den Cowboystiefeln auf die Schaltwippe zum Einlegen des ersten Gangs wird von einem lautstarken "Klonk" bestätigt. Haben sich die 348 Kilogramm - an der Commander ist alles massiv und Metall, was nach Metall aussieht - einmal in Bewegung gesetzt, kann der Fahrer getrost die letzte der sechs Fahrstufen einlegen und die Schaltarbeit sowie die etwas kraftaufwändige Kupplung getrost vergessen. Aus niedrigsten Drehzahlen bollert der dicke Twin los und legt gleichmäßig an Schubkraft zu, dass es eine Freude ist. Sanft werden alle Handgelenksbefehle in Vortrieb übersetzt, kein Verschlucken stört, kein Lastwechselschlag nervt, dazu arbeitet der Riemenantrieb sehr leise. Diesen geschliffenen Motorcharakter rundet die Vibrationsarmut ab, für die extra zwei Ausgleichswellen installiert sind.
Erfreulicherweise kann es das Fahrwerk mit diesem Sahnestück von Motor aufnehmen. Der neu konzipierte Brückenrahmen nimmt den Motor als tragendes Element auf. An der Front verrichtet eine dicke Telegabel mit polierten Edelstahlblenden ihren Dienst und hinten werkeln zwei klassische Federbeine. Beiden gemein sind die für Cruiser-Verhältnisse unüblich langen Federwege, in denen sich nahezu jede Bodenwelle und jedes Schlagloch verlieren. Lediglich knackige Querfugen dringen bis zur Besatzung durch. Über den extrabreiten Lenker dirigiert der Pilot die Commander nach Wunsch, sehr neutral benimmt sie sich in Schräglage und lässt sich präzise einlenken. Im Ernstfall kann der Biker sich voll auf die Doppelscheiben-Bremsanlage mit Vierkolben-Festsattelzangen und serienmäßigem ABS verlassen, auch wenn für gute Wirkung herzhaft zugepackt werden muss.
Natürlich drücken ihre Pfunde bei flotterer Gangart etwas zum Kurvenaußenrand hin, und der überbreite 200er-Schlappen hinten will sich über Unebenheiten etwas aufrichten. Doch erstens fallen die Einflüsse sehr moderat aus, und zweitens ändert dies nichts am ausgewogenen und leichtfüßigen Fahrverhalten, mit dem die Thunderbird im Cruiser-Sektor brilliert. Zur Freude der "Parts&Accessories"-Manager lassen sich die austauschbaren Schleifpads an den Trittbrettern innerhalb kürzester Zeit vernichten.
Den Rahmen haben die Entwickler aber nicht nur für mehr Fahrfreude oder den besonders niedrigen, gestreckten und schlanken Custom-Cruiser-Look modifiziert, sondern auch aus purer Bequemlichkeit. Oder besser: "für" pure Bequemlichkeit. Denn die tieferen Rahmenhauptrohre erlauben ein um 30 Millimeter auf 95 Millimeter verstärktes Polster unter Beibehaltung der niedrigen Sitzhöhe von 700 Millimetern. Tatsächlich lässt es sich auf dem zweilagigen Schaumstoff mit Lendenwirbelstütze viel länger ohne zu murren aushalten, als die üppigen 22 Liter im Tank verbraucht sind.
Ist die Thunderbird Commander aber einmal abgestellt, rundet der Donnervogel das Bild ab. Sinnvolle Merkmale wie die auf dem Tank montierte Instrumentenkonsole, vom rechten Lenkerende aus bedienbar, wechseln sich mit liebevollen Details ab, siehe die von Hand aufgebrachten Zierlinien. Dieses und die rundherum ausgezeichnete Verarbeitung sind mit den verlangten 17 740 Euro nicht überbezahlt.
Thilo Kozik/mid
Technische Daten Triumph Thunderbird Commander:
Straßenmotorrad mit flüssigkeitsgekühltem Reihen-Zweizylinder-Viertakt-Motor, vier Ventile je Zylinder, Hubraum: 1 699 ccm, Bohrung x Hub: 107,1 x 94,3 mm, max. Leistung: 69 kW/94 PS bei 5 400/min, max. Drehmoment: 151 Nm bei 3 550/min, elektronische Kraftstoffeinspritzung, geregelter Katalysator, Sechsgang-Getriebe, Zahnriemenantrieb, Stahlrohr-Brückenrahmen, Telegabel, Stahl-Zweiarmschwinge mit zwei Federbeinen, zwei Scheibenbremsen vorn, eine hinten, ABS, Reifen vorn: 140/75 ZR17, hinten: 200/50 ZR17, Sitzhöhe: 700 mm, Tankinhalt: 22,0 Liter, Leergewicht: 348 kg, zul. Gesamtgewicht: 580 kg, Preis 16 540 Euro.
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Thilo Kozik (vm) am 13.03.2014, 18:06 Uhr veröffentlicht.
