Ralf Loweg (vm) - 4. März 2014, 14:04 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
VW-Visionen: Jedes Jahr ein neuer Golf
Ein bisschen Motorsport, ein wenig Luxus und ganz viel Zukunft: Mit einer großen Gala hat der Volkswagen-Konzern auf dem Genfer Autosalon das eigene digitale Zeitalter eingeläutet.
Immer wieder schnauft Winterkorn tief durch, als würde er gerade Historisches verkünden. Doch vieles bleibt nur bei Andeutungen, richtig konkret wird der VW-Vorstandsvorsitzende kaum. Das Auto werde mehr und mehr zum mobilen Computer, und das habe revolutionäre Folgen für die künftige Bedienung, sagt Winterkorn. Und wieder atmet er tief durch. Doch Winterkorns Weisheiten sind wahrhaft nicht neu. Oder hat er wirklich noch nichts von Facebook, Apple, Google und Smartphones gehört?
Doch Winterkorn denkt sich offenbar: "Auf die Verpackung kommt es an." Deshalb sollen die neuen Wege unter dem netten Namen "Future Trucks" beschritten werden. Mit dieser Initiative will VW das eigene Denken und Handeln neu justieren. "Dafür werden die besten Entwickler, Produktions-Experten und Strategen zusammenarbeiten", berichtet der VW-Vorstandsvorsitzende stolz. Einige Spötter sehen das kritischer: "Wenn man nicht mehr weiter weiß, bildet man halt einen Arbeitskreis."
Um die Konzern-Botschaft unter das Volk zu bringen, hat VW eigens mitten in Genf eine ganze Halle angemietet. Vom digitalen Zeitalter ist dort aber nicht allzu viel zu spüren. Viel zu viele Menschen auf viel zu wenig Platz. Es ist heiß und laut, und die Luft ist stickig. Alles hat irgendwie das Flair eines türkischen Basars, mit dem Unterschied, dass die meisten Gäste sehr viel vornehmer gekleidet sind.
Viel Zeit für große Reden bleibt nicht. Denn die VW-Familie ist groß - und jeder darf etwas Werbung für die neuesten Produkte machen: von Audi bis Porsche, von Bentley bis Bugatti oder von der Motorrad-Marke Ducati bis hin zu den Nutzfahrzeugen. Sie alle drücken aufs Tempo und loben schnell ihre Kreationen. Dabei fallen auffällig oft die gleichen magischen Worte: "Innovation, Umwelt, Zukunft." Das macht sich gut und zeigt, dass die Branche mit der Zeit geht.
Natürlich dürfen da die Sportlichkeit und Dynamik nicht zu kurz kommen. Audi und Porsche werfen bereits den Blick voraus auf das konzerninterne Duell in diesem Jahr beim legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Mit dem 919 Hybrid will Porsche im Juni an glorreiche Le-Mans-Zeiten anknüpften. Der 4,65 Meter lange Karbon-Einsitzer knackt locker die 350 km/h-Marke. Der Clou: Dieser Rennwagen wird von einem Hybrid-System angetrieben. An der Hinterachse des Turbobenziners mit gut 404 kW/550 PS arbeiten nur vier Zylinder. Und auf die Vorderräder wirken zwei Elektromotoren kurzfristig als Booster. Sie bringen zusammen zusätzliche 220 kW/300 PS. Experten schätzen, dass Porsche mehr als 50 Millionen Euro in das Projekt Le Mans investiert hat. Die Schwaben selbst schweigen beim Thema Geld.
Audi vertraut in Le Mans ebenfalls auf Hybrid-Power und will mit dem neuen R18 e-tron quattro die Siegesserie bei dem Langstrecken-Klassiker fortsetzen. Die Ingolstädter machen aber nicht nur Werbung für ihren Rennwagen. Sie nutzen Genf unter anderem auch als Bühne für den neuen Audi TT, der im Spätherbst bei den Händlern stehen soll. Acht lange Jahre mussten die Fans dieser Design-Ikone auf die dritte Generation warten. Viel verändert hat sich dennoch nicht. Eher drehen die Ingolstädter das Rad wieder zurück: Denn der neue TT erscheint auf den ersten Blick dynamisch-puristisch und erinnert an den Urvater dieses Modells, das 1998 erstmals auf die Straßen geschickt wurde. Zukunft sieht sicher anders aus. Ob Audi mit dem neuen TT der große Wurf gelingt, darf bezweifelt werden. Doch VW-Vorstand Winterkorn sieht sich bei diesem Auto in seinen Visionen bestätigt. Denn der Audi TT gäbe mit seinem virtuellen Cockpit einen Vorgeschmack in Sachen revolutionärer Folgen für die Bedienung. Manchmal freuen sich offenbar auch die großen Auto-Bosse schon über Kleinigkeiten.
Nicht zu vergessen bei all dem Glamour und den vielen sündhaft teuren Autos ist sicher das jüngste "Baby" aus Wolfsburg: der VW T-Roc. "Statt auf Vans fahren die Autokäufer auf bezahlbare SUV ab. Deshalb macht VW den Polo ab Ende 2017 geländefähig", urteilt die Bild-Zeitung. Die Studie VW T-Roc wird jetzt in Genf zumindest schon einmal ins Rampenlicht geschoben. Die pfiffigste Idee des 4,18 Meter langen und von einem 135 kW/184-PS-Diesel angetriebenen T-Roc ist sicher das Targa-Dach, das im Kofferraum untergebracht werden kann. Die Preise könnten bei etwa 20 000 Euro beginnen.
Ralf Loweg
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Ralf Loweg (vm) am 04.03.2014, 14:04 Uhr veröffentlicht.
