Jutta Bernhard (vm) - 20. Februar 2014, 15:55 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Fiat 500L Living: Retro-Style-Raumwunder mit Kultfaktor
Wer ein Fahrzeug mit eigenständigem Charakter sucht, ist bei Fiat gut aufgehoben.
Die Modellfamilie des Fiat 500 ist gewachsen. Nach dem 500, dem 500C und dem 500L ergänzen nun der 500L Living sowie der 500L Trekking die Baureihe. Unser Testwagen in der Farbe Passione Rot mit weißem Dach zieht unterwegs viele Blicke auf sich. Die Abmessungen des Living entsprechen mit 4,35 Meter Länge tatsächlich denen eines voluminösen Transporters. Im Vergleich zum Fiat 500L ist der Heckübergang um 20,5 Zentimeter länger.
Die zusätzlichen Zentimeter des Living ergeben einen Gepäckraum, dessen Volumen zwischen 560 Litern und 638 Litern variiert; je nach Position der längs verschiebbaren Rückbank: viel Platz trotz des kompakten Äußeren. Lange Gegenstände lassen sich durch das Umklappen der Beifahrersitzlehne verstauen. Durch einen Einlegeboden wird der Kofferraum optimal nutzbar. Beim Siebensitzer misst das Kofferraumvolumen als Standard mit aufgerichteter dritter Sitzreihe 168 Liter. Mit umgeklappter Rückbank erhöht sich das Ladevolumen auf 1.590 Liter. Die beiden Zusatzsitze lassen sich leicht und mit wenigen Handgriffen versenken. Insgesamt sind durch die variablen Sitze 22 unterschiedliche Konfigurationen des Laderaums möglich. Variabilität gestattet das Cargo-System Magic Space, das aus einem in zwei Höhen verstellbaren Zwischenboden für den Kofferraum besteht. Für zusätzliche Ladungssicherung sorgen Taschen und Ösen zum Verzurren. Getränkekisten lassen sich bequem verstauen und der Großeinkauf mit dem Fiat 500L Living bereitet Freude.
Vom Hersteller wird das Fahrzeug als "kompaktester Siebensitzer" bezeichnet. Im Umfeld der Mitbewerber finden sich der Citroen Berlingo und der Peugeot Tepée. Beide sind in den Abmessungen fast identisch und haben ebenfalls bis zu sieben Sitzplätze im Angebot. Ein vollwertiger Siebensitzer ist der Living allerdings nicht. Wir haben fünf normale Sitze und zwei Notsitze an Bord. In der zweiten Reihe sitzt es sich kommod mit ausreichend Kopf- und Beinfreiheit. Die dritte Reihe wird durch Entriegeln der Lehne in der zweiten Reihe erreicht. Daraufhin klappen sich die Sitze automatisch zusammen und schwenken nach vorn. Für Kinder ist die dritte Sitzreihe in Ordnung, Erwachsene finden hier keinen ausreichenden Platz.
Das Raumgefühl im Fiat 500L Living ist luftig. Eine gute Rundumsicht für den Fahrer erlauben die schmalen A-Säulen. Für einen Familienausflug mit Kaffeepause bietet der Hersteller eine spezielle Espressomaschine gegen einen Aufpreis von 249 Euro an. Originell. Diese wird einfach zwischen den Vordersitzen eingesteckt und funktioniert elektrisch.
Kein Fahrzeug ist vollkommen: Beim Platznehmen in unserem Testwagen fällt als erstes die zu kurze Beinauflagefläche auf. Auch der Seitenhalt der Sitze ist nicht ausreichend. Die Fußmatten verfügen über einen silbernen Schriftzug. Dieser ist schön anzuschauen, wir sind darauf leider ausgerutscht und entfernten die Fahrer-Fußmatte letztendlich während der Fahrt. Der Rückspiegel ist zu klein für das große Fahrzeug. Das Cockpit ist im Retro-Look gehalten, es gibt viel Lederoptik. Was uns sehr gut gefällt: der Tacho. Deutliche Markierungen bei 30 km/h, 50 km/h, 70 km/h, 90 km/h und 110 km/h mahnen an die üblichen Geschwindigkeitsbegrenzungen. Ein einfach zu bedienendes Navigationsgerät in Klavierlackoptik, große Drehregler und orange Zusatzanzeigen fügen sich harmonisch zu einem aufgeräumten Gesamteindruck im Cockpit des Living.
Exakt 1 380 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 66 km/h wurden zurückgelegt. Der Durchschnittsverbrauch betrug 8,2 Liter Super auf 100 Kilometer. Daran dürfte das hohe Gewicht des Wagens von 1 470 Kilogramm mit schuldig sein. Das Fahrwerk des Zweizylinder-Turbobenziners mit 77 KW/105 PS ist ausreichend komfortabel, die Sechsgangschaltung gibt sich etwas hakelig. Die Lenkung ist leichtgängig mit wenig Rückmeldung. Das Fahrverhalten ist jederzeit sicher. Der Testwagen untersteuert frühzeitig. PKW werden üblicherweise auf Untersteuern ausgelegt, weil dieses für nicht erfahrene Fahrer wesentlich leichter zu kontrollieren ist. Dadurch, dass das Auto über die Vorderräder "schiebt", wird es automatisch abgebremst und es kann sich auch nicht drehen. Unsere Vermutung, der Kurzhuber ist etwas zu mager eingestellt. Gewöhnungsbedürftig, in Kurven neigt sich der Wagen trotz des hohen Leergewichts nach außen. Der Fiat 500L Living ist für gemütliches Gleiten optimal ausgelegt. Akustisch bleibt der Wagen unauffällig. Die Euro-5-Norm wird erfüllt, der Wendekreis beträgt 11,2 Meter. Ein Ölwechsel fällt alle 30 000 Kilometer an.
Der Einstiegspreis des in zwei hochwertigen Versionen angebotenen 500L Living beträgt 20 850 Euro. Dafür bekommt der Kunde ein äußerst variabel nutzbares Fahrzeug. Unser Testwagen verfügte über 17 Zoll Leichtmetallräder, Sitzheizung, Unconnect Touchscreenradio 5 Zoll mit Bluetooth und Navi, Espressomaschine von Lavazza 500 und eine Uni-Sonderlackierung Bicolore. Damit ausgestattet erhöht sich der Preis des Testwagens auf 24 349 Euro.
Fazit: Die Kombination aus viel Raum und italienischem Flair überzeugt bei der Kaufentscheidung junge und junggebliebene Familien. Der Fiat 500L hat mit seinem Retro-Style und Charme durchaus Ambitionen zum Kultfahrzeug.
Jutta Bernhard
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Jutta Bernhard (vm) am 20.02.2014, 15:55 Uhr veröffentlicht.
