Ralf Loweg (vm) - 10. Februar 2014, 17:37 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
ADAC-Präsident Peter Meyer tritt zurück (erweiterte Fassung)
ADAC-Präsident Peter Meyer hat die Konsequenzen aus dem Manipulations-Skandal gezogen und seinen sofortigen Rücktritt erklärt.
Offenbar ahnte Meyer aber weiteres drohendes Unheil auf ihn zukommen und hat deshalb möglicherweise die Flucht nach vorn ergriffen. Denn nur kurz nach seinem Rücktritt wurden die mit Spannung erwarteten Ergebnisse des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte bekannt. Demnach wurde nicht nur die Teilnehmerzahl bei der Wahl des "Lieblingsauto 2014" manipuliert. Darüber hinaus belegt der Bericht, dass die Reihenfolge der Fahrzeugmodelle nicht mit den Ergebnissen der Preisverleihung am 16. Januar 2014 übereinstimmt.
Gründe für die falschen Ergebnisse sind Deloitte zufolge sowohl vorsätzliche Veränderungen als auch eine technisch fehlerhafte Verarbeitung der Daten. Zudem gibt es laut Deloitte klare Anhaltspunkte dafür, dass ähnliche Veränderungen auch in den Vorjahren vorgenommen worden sind. In Abhängigkeit von den weiteren Ergebnissen der Untersuchung werden rechtliche Schritte gegen den ehemaligen ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter ADAC vorbereitet.
"Die Manipulationen sind ein schwerer Schlag für den gesamten ADAC. Wir sind fassungslos, dass dies in unserem Haus passieren konnte", sagt Dr. Karl Obermair, Vorsitzender der ADAC-Geschäftsführung. "Wir verstehen den Unmut der Automobilhersteller und der Öffentlichkeit und bedauern zutiefst, dass wir mit den jetzt bewiesenen Manipulationen sehr viel Vertrauen verloren haben. Dafür möchten wir uns bei unseren Mitgliedern, den ADAC Mitarbeitern sowie den betroffenen Automobilherstellern in aller Form entschuldigen." Die Auszeichnung "Gelber Engel" werde es in Zukunft "definitiv nicht mehr geben".
Die Reaktionen aus der Automobilindustrie ließen nicht lange auf sich warten. Daimler kündigte an, sämtliche "Gelbe Engel"-Auszeichnungen des ADAC der vergangenen Jahre zurückzugeben. "Publikumspreise sind für Daimler grundsätzlich von hoher Bedeutung, da sie unmittelbar die Meinung der Öffentlichkeit widerspiegeln. Unabdingbare Voraussetzung hierfür ist, dass die Leserwahlen korrekt durchgeführt werden. Bei der Vergabe des Gelben Engel war dies nicht der Fall, teilte der Autokonzern aus Stuttgart mit.
Meyer hatte seinen Rücktritt kurz zuvor mit dem offenbar fehlenden Vertrauen in den eigenen Reihen begründet. "Wenn die Gremien in Krisen eine Gefolgschaft nicht leisten, kann es keine strukturellen und unternehmenskulturellen Veränderungen im ADAC geben", sagte Meyer. Er glaube dennoch an den vorgestellten 10-Punkte-Plan mit tiefgreifendem Reformprozess. Ziel müsse die Rückgewinnung von Vertrauen und Kompetenz durch den Automobilclub sein, damit der Anspruch des ADAC, seinen Mitgliedern mit Hilfe, Schutz und Rat stets zur Seite zu stehen, auch weiterhin gewährleistet sei. "Für Fehler und Manipulationen von hauptamtlichen Führungskräften, möchte ich nicht länger alleine verantwortlich gemacht werden", erklärte Meyer.
Die in den vergangenen Tagen erfahrenen Angriffe belasteten nicht nur den ADAC, sondern auch seine Familie. Die Entscheidung zum Rücktritt wurde von Meyer allein und sorgfältig überlegt gefällt, teilte der ADAC Nordrhein mit.
Ins Rollen kam der ADAC-Skandal vor wenigen Wochen, als die "Süddeutsche Zeitung" von Manipulationen beim Autopreis "Gelber Engel" berichtete. Anfänglich stritten die Verantwortlichen alles ab, dann aber mussten sie zugeben, dass die Zahlen bei der Wahl nach oben frisiert worden waren. Dafür übernahm Kommunikationschef Michael Ramstetter die alleinige Verantwortung und trat von sämtlichen Posten zurück. Meyer kündigte daraufhin Reformen an. Der ADAC müsse vor allem transparenter werden.
Dennoch kamen immer neue Enthüllungen ans Licht. So sollen Präsidiumsmitglieder die Rettungshubschrauber für private Zwecke benutzt haben. Das Image des ADAC leidet massiv, immer mehr Mitglieder wenden sich ab und treten aus dem Verein aus.
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Ralf Loweg (vm) am 10.02.2014, 17:37 Uhr veröffentlicht.
