Bernhard Schoke (vm) - 10. Januar 2014, 18:11 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
CMT: Auftakt zur Caravan Saison 2014
Die frühste und wichtigste Caravan und Reisemobil-Messe hat jetzt zum 47.
Verbundwerkstoffe, die im Auto-Bereich bereits Einzug gehalten haben, finden jetzt auch ihren Weg in die Reisemobilbranche. Komplette Frontmasken, die Scheinwerfer, Kühler und Klimaaggregate tragen, werden genutzt, um Spielraum für die kleinen und großen Komfort-Wünsche der potentiellen Nutzer zu erhalten. Im Mittelpunkt stehen dabei etwa der Bad- und Duschbereich, der dem von "zu Hause" kaum nachsteht, oder auch große bis zu 190 Liter fassende Kühlgefrierschrank-Kombinationen. Gleiches gilt für Klimaanlagen, die auch im Stand - im Sommer wie Winter - für die richtige Temperatur sorgen. Die Kombination mit Wärmepumpen macht dies möglich. Multimedia ist ebenfalls selbstverständlich: Naviceiver, DVB-T, selbstausrichtende GPS-gestützte digitale Satellitenanlagen für TV auf großen Screens, alles "wie zu Hause".
Alle Features nehmen dann "oben" - zusammen mit den darunter liegenden großen Stauräumen wie Heck-Garagen - den Platz in Anspruch, den die Ingenieure und Techniker zuvor durch Gewichtseinsparungen gewinnen konnten und damit mehr Aufbaulänge generierten. Eine Gesamtlänge von etwa 7,5 Meter ist so zum Branchenstandard geworden, wohlgemerkt bei 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. Das ist bei den Reisemobilen fast als "Schallmauer" zu bezeichnen. Die Führerscheinregelungen in Deutschland und Europa sind dafür der wichtigste Grund. Hinzu kommen die Maut-Regelungen bei unseren Nachbarn. Über diesem Limit wird es teuer und kompliziert.
Ergo konzentriert sich die Branche auf dieses Teil-Segment. Wichtigste Aufbauart sind jetzt die sogenannten teilintegrierten Modelle. Hinter den bekannten Fahrerhaus-Silhouetten werden dann auf Flachbett-Rahmen die chicen rollenden Urlaubs- und Office-Domizile aufgebaut. Die früher weitverbreiteten Alkoven-Modelle sind heute vielfach nur bei Vermietern gefragt. Hintergrund dafür sind zum einen die weitaus niedrigeren Kraftstoffkosten bei den wesentlich schlankeren und niedrigeren Teilintegrierten. Zum anderen bieten die darin verwirklichten Innovationen, wie beispielsweise die tagsüber kaum sichtbaren, elektrisch absenkbaren Hubbetten in der Nacht den Schlafkomfort, den früher der Alkoven über den Fahrerhäusern zur Verfügung gestellt hat.
Außerdem ermöglichen die meist 96 kW/130 PS bis110kW/150 PS starken Motoren die Fahrleistungen, mit denen das Fahrzeug locker auf Pkw-Niveau auf der Autobahn "mitschwimmt". Die Unter-Motorisierung gehört der Vergangenheit an, zumal der führende Hersteller Fiat im Ducato auch eine 3,0 Liter-Motor-Variante anbietet, die 132 kW/180 PS Leistung zur Verfügung stellt.
Dieser auch im Peugeot Boxer und Citroen Jumper eingesetzte Motor stammt von der Fiat-Konzern-Tochter Iveco und wird dort mit unterschiedlichen, Blackbox-generierten Leistungsvarianten auch im Daily eingesetzt und gilt in Verbindung mit dem 6-Gang-Getriebe als mechanisch nahezu "unkaputtbare" Antriebseinheit. Allerdings nur dann, wenn der Halter ihr ein wenig Aufmerksamkeit bei den langen Wartungsintervallen schenkt. Bei den möglichen Fahrleistungen jenseits 160 km/h - "nach Tacho" - wird dann ein D-Zug Zuschlag fällig. Den brauchen die überwiegend verwendeten 2,3-Liter-Motoren mit 96 kW/130 bis 110 kW/150 PS im Ducato nicht.
Der jenseits der Alpen gebaute "Duc", ursprünglich für Transport-Aufgaben konzipiert, hat heute mit all seinen Varianten mehr als zwei Drittel Marktanteil. Die häufigste ist jene mit dem sogenannten "35-L-Chassis". Dies ist mit einem 15-Zoll-Fahrwerk speziell auf die typischen Anforderungen der 3,5-Gewichtsklasse zugeschnitten. Es gibt zwar auch die Maxi-Chassis, die mit 16 Zoll-Bereifung und der Möglichkeit der Auflastung richtige Reserven haben, aber nur in homöopathischen Dosen auf dem Markt sind. Verwendet werden die 35-L-Versionen von allen Anbietern einschließlich der den Markt bestimmenden Gruppen - Hymer einerseits (Hymer, Bürstner, Laika, Carado, N&B, LMC u.a.) und Trigano (RollerTeam, Challenger, Caravelair, CI, Eura, Karmann Mobil, Forster u.a.) andererseits. KnausTabbert (Knaus, Tabbert, Weinsberg, Sunlight, Wilk, Fendt) sowie Pilote (Frankia, Pilote, Bavaria, Le Voyageur, mooveo) und Hobby sind weitere wichtige Player. Sie decken damit die besonders nachfragestarken Preis-Klassen ab.
Und genau hier findet man das größte Problem der Branche: Die Kosten. Sie haben aufgrund der Komfort-Wünsche Größenordnungen erreicht, die den Absatz stocken lassen. Mit preisgünstigen alltagstauglichen Kastenwagen und Einsteiger-Versionen bei Teil-Integrierten versuchen die Hersteller neue Käufergruppen anzusprechen. Keine einfache Aufgabe in den bestehenden Strukturen. Neue Wege im Vertrieb sind deshalb gefragt. Fundierte Beratung, bundesweiter Vertrieb und schlanke Strukturen einerseits sowie eine straffe Modell-Politik einschließlich kurzer Optionslisten andererseits ist einer dieser Wege - qualifizierter Discount wie der des WOF-Händler-Systems (Marken Bela, PLA, Plasy, Ilusion) ist so ein erfolgversprechender Ansatz.
Auch bei den reinen Caravans (Wohnwagen) suchen die hier verantwortlichen Sparten-Manager wie ihre Kollegen bei den Reisemobilen neue Absatz-Kanäle wie beispielsweise über Auto-Service-Anbieter, die allerdings für "Verärgerung" bei den richtigen Händlern der jeweilige Marke sorgen. Weitere Innovationen neben neuen Grundriss-Varianten sind notwendig - wie beim Zubehör. Hier gibt es jetzt SAT-TV-Systeme, die nicht mehr cW-Wert herabsetzend fest auf dem Dach montiert werden. Voll mobil können sie die Empfangs-Probleme unter Bäumen durch individuelle Standorte ausgleichen. MegaSat aus dem nordbayerischen Niederlauer könnte so durch die leichte wie kompakte Bauform für neuen Schub in den Zubehör-Regalen sorgen.
Bernhard Schoke
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Bernhard Schoke (vm) am 10.01.2014, 18:11 Uhr veröffentlicht.
