Michael Specht (vm) - 8. Januar 2014, 09:56 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
CES Las Vegas: Das Auto wird zum digitalen Begleiter
Hubraum, PS und Zylinder - das sind die Begriffe, die jeder Autofahrer seit Ewigkeiten kennt.
Augmented Reality, Nvidia Tegra K1 Prozessor, MoodGrid, Wearable Devices: Mit derartigen Begriffen müssen sich nicht nur Software- und Computer-Spezialisten herumschlagen, sondern immer häufiger auch die großen Fahrzeughersteller. Gilt es doch, den Anschluss an die Unterhaltungselektronik nicht zu verpassen und junge Kunden nachhaltig an die Marke zu binden. Dies tut man am besten mit Infotainment- und Multimediasystemen, die dem von Smartphones, Tablets und Laptops in nichts nachstehen.
Die Ideen-Schmiede sitzt allerdings nicht in Stuttgart, sondern in Sunnyvale in den USA. Hier im kalifornischen Silicon Valley, in unmittelbarer Nachbarschaft von Apple, Google und Facebook, unterhält Mercedes ein großes Forschungszentrum. Mehr als 200 Mitarbeiter kümmern sich dort ausschließlich um die Entwicklung neuer Apps und die Integration von sozialen Netzwerken ins Auto sowie um neue Bedienoberflächen oder auch künftige Cockpits. Am Rechner sitzen nicht zwangsläufig Ingenieure im weißen Oberhemd, sondern oft genug junge Typen in T-Shirt und Turnschuhen. "Was zählt, ist Kreativität und unkonventionelles Denken", sagt Johann Jungwirth, Chef des Centers in Kalifornien. So gehört zum Design-Team beispielsweise Paolo Malabuyo, der zuvor bei Microsoft die X-Box mit kreierte.
Durch eine Reihe von strategischen Partnerschaften sowohl mit Start-up-Unternehmen als auch mit renommierten Konzernen wie Google bekommt Mercedes zudem einen wichtigen Zugang zu neuesten Hardware- und Softwareentwicklungen. "Entsprechend früh lassen sich dann entsprechende Schnittstellen für die automobile Anwendung einrichten", sagt Jungwirth. So konnte Mercedes bereits vor über einem Jahr mit der Applikation "Digital DriveStyle" in der neuen A- und B-Klasse das Smartphone mit dem Auto kommunizieren lassen und soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter und neuerdings auch Google+ über den Controller steuern. Die Anzeige läuft über das Display auf dem Armaturenbrett.
Die App, mittlerweile in der S-Klasse und demnächst auch in der neuen Generation der C-Klasse verfügbar, wird mit diversen Updates nun weiter fit für die digitale Zukunft gemacht. So kann künftig der Mercedes-Fahrer die Räume seiner Wohnung von unterwegs auf Wunschtemperatur bringen. Nötig sind dazu allerdings internetfähige Regelventile am heimatlichen Heizkörper. Diese gibt es bei der US-Firma Nest. Der Name steht für "Never stopp learning!" ("Höre nie auf zu lernen!"). Dahinter steckt kein Geringerer als Nest-Gründer Tony Fadell; bei Apple hat er den iPod und das iPhone erfunden.
Auch mit der amerikanischen Firma Pebble setzte sich Mercedes an einen Tisch. Heraus kam jetzt eine coole Smart-Watch, die wie ein Smartphone ständig mit dem Auto in Kontakt steht und auf der sich unter anderem ablesen lässt, wo der Wagen geparkt wurde, wie viel Sprit noch im Tank ist oder ob wirklich die Türen verschlossen sind. Muss man nicht, kann man aber haben.
Genauso wie eine komfortable Musikzusammenstellung. Hier kommt die Software MoodGrid ins Spiel, die Daimler zusammen mit Gracenote entwickelt hat. Sie nimmt dem Autofahrer die zeitintensive Arbeit ab, seine digitale Musiksammlung nach speziellen Liedern durchsuchen zu müssen. MoodGrid stellt passend zur jeweiligen Stimmung des Fahrers eine Vorauswahl aus der "Cloud" zusammen. In dieser "digitalen Wolke" verbergen sich mehr Songs als man im Leben hören kann - rund 18 Millionen.
Und einen Blick in die Zukunft schließlich gewährt Mercedes mit der Software "Predictive User Experience". Hier "lernt" das Auto wie sein Fahrer tickt. Schaltet dieser bei Kälte jedes Mal die Sitzheizung ein? Welcher Radiosender wird am häufigsten gewählt, welcher Weg zur Arbeit genommen oder ist Wochenende und Freizeit angesagt? Aus diesen Daten pickt sich die Software, basierend auf der größten Wahrscheinlichkeit, die jeweiligen Einstellungen heraus und zeigt sie auf dem Display an. Der Fahrer braucht die Vorschläge nur noch mit einem Tastendruck zu bestätigen.
Michael Specht
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Michael Specht (vm) am 08.01.2014, 09:56 Uhr veröffentlicht.
